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Analyse

Amazon Seller Central Berichte 2026: Die wichtigsten Reports

Amazon Seller Central Berichte 2026: Welche Reports wirklich zählen, wie Sie Traffic, Marge und Bestand auswerten und daraus Entscheidungen ableiten.

✍️ Jorginho Engelmeyer📅 26. Juli 202610 Min. Lesezeit
Amazon Seller Central Berichte 2026: Die wichtigsten Reports

Die kurze Antwort: Seller Central stellt mehr als 50 Berichtstypen bereit, aber nur eine Handvoll steuert das Geschäft. Der wichtigste ist der Business Report "Detailseiten-Verkäufe und Traffic nach untergeordneter ASIN" mit den vier Kennzahlen Sitzungen, Einheiten-Sitzungs-Prozentsatz, Prozentsatz Einkaufswagen und bestellter Produktumsatz. Zusammen zeigen sie, ob Sie ein Traffic-, ein Conversion- oder ein Wettbewerbsproblem haben. Für die Marge zählt der Abrechnungsbericht, für die Lieferfähigkeit die FBA-Lagerbestandsberichte, die allerdings Momentaufnahmen und keine Live-Daten sind. Business Reports setzen den professionellen Verkaufstarif voraus. Die AMZ+ Consulting GmbH arbeitet bei Kundenkonten mit einem festen Set aus fünf Berichten statt mit dem gesamten Angebot.

Der Unterschied zwischen Datensammlung und Steuerung liegt nicht in der Menge der Berichte, sondern in der Frage, die Sie vorher stellen.

Inhalt

  • Die vier Kennzahlen aus dem Business Report, die zählen
  • Abrechnungs- und Gebührenberichte als Margen-Wahrheit
  • Bestands-, Retouren- und Markenberichte richtig lesen
  • In 7 Schritten ein schlankes Reporting aufbauen
  • Was Sie jetzt konkret umsetzen sollten

Die vier Kennzahlen aus dem Business Report, die zählen

Die Business Reports liegen im Seller Central unter dem Menüpunkt "Berichte" und stehen Händlern im professionellen Verkaufstarif zur Verfügung. Der relevanteste Einzelbericht ist "Detailseiten-Verkäufe und Traffic nach untergeordneter ASIN", weil er die Daten auf Ebene der tatsächlich kaufbaren Variante ausgibt.

Vier Spalten daraus tragen die meiste Aussagekraft. Sitzungen zeigen, wie viele Besuche Ihre Detailseite hatte. Der Einheiten-Sitzungs-Prozentsatz ist Amazons Conversion-Kennzahl: verkaufte Einheiten geteilt durch Sitzungen.

Der Prozentsatz Einkaufswagen gibt an, wie oft Ihr Angebot das prominent platzierte Kaufangebot war. Bestellter Produktumsatz schließlich ist der Umsatz, der über diese Sitzungen zustande kam.

Die Diagnose ergibt sich aus der Kombination. Sinken die Sitzungen bei stabiler Conversion, haben Sie ein Sichtbarkeitsproblem — Ranking, Werbung oder Saisonalität. Bleiben die Sitzungen stabil, während der Einheiten-Sitzungs-Prozentsatz fällt, liegt es am Listing, am Preis oder an neuen Bewertungen.

Fällt dagegen der Prozentsatz Einkaufswagen, ist es ein Wettbewerbs- oder Preisthema. Was in diesem Fall zu tun ist, haben wir unter Buy Box gewinnen beschrieben.

Der Bericht liegt zusätzlich auf Ebene der übergeordneten ASIN und als Gesamtübersicht vor. Für die Steuerung ist die Variantenebene fast immer die richtige, weil sich Farben, Größen oder Gebindegrößen sehr unterschiedlich verhalten. Ein stabiler Gesamtumsatz kann eine einbrechende Einzelvariante vollständig verdecken.

Wichtig ist die Auswertung im Zeitverlauf. Ein Wochen- oder Monatsexport, den Sie fortlaufend sammeln, macht Einbrüche und Spitzen erst erkennbar und lässt sich mit Maßnahmen wie Werbeschüben, Preisänderungen oder Bestandslücken abgleichen. Ohne Historie sehen Sie nur einen Zustand, nicht die Bewegung.

Abrechnungs- und Gebührenberichte als Margen-Wahrheit

Der Business Report kennt Ihre Kosten nicht. Er zeigt Umsatz, nicht Ergebnis. Für die Marge brauchen Sie den Abrechnungsbericht, der jede Transaktion mit allen Gebühren, Erstattungen und Anpassungen auflistet.

Dieser Bericht ist unbequem zu lesen, aber er ist die einzige vollständige Quelle. Verkaufsprovision, Versandgebühren, Lagergebühren, Werbekosten, Erstattungen und Rückbuchungen stehen dort auf Transaktionsebene. Wer nur auf den Auszahlungsbetrag schaut, sieht das Ergebnis ohne die Ursachen.

Ergänzend liefern die Gebührenübersichten Aufschluss über Kostenblöcke, die sich schleichend aufbauen. Langzeitlagergebühren und Gebühren für gering rotierende Bestände sind die typischen Kandidaten, weil sie erst auffallen, wenn sie bereits angefallen sind.

Ein zweiter blinder Fleck sind Erstattungen. Sie erscheinen im Abrechnungsbericht als negative Positionen und werden bei einer reinen Umsatzbetrachtung nicht sichtbar. Bei retourenintensiven Kategorien verschiebt das die tatsächliche Marge deutlich.

Achten Sie außerdem auf den Zeitversatz. Gebühren, Erstattungen und Werbekosten fallen nicht zwingend im selben Abrechnungszeitraum an wie der zugehörige Verkauf. Für Monatsvergleiche sollten Sie deshalb immer dieselbe Abgrenzungslogik verwenden.

Aus diesen Daten entsteht die eigentliche Steuerungsgröße: der Deckungsbeitrag je ASIN. Erst wenn Einkaufspreis, Amazon-Gebühren, Werbekosten und Retourenkosten einem Artikel zugeordnet sind, wissen Sie, welche Produkte Ihr Geschäft tragen und welche es bremsen.

Genau an dieser Stelle scheitern viele Reportings. Die Daten liegen in unterschiedlichen Berichten und werden nie zusammengeführt. Die AMZ+ Consulting GmbH baut deshalb bei Kunden zuerst die Verbindung zwischen Business Report, Abrechnungsbericht und Werbeberichten auf, bevor überhaupt über weitere Kennzahlen gesprochen wird.

Wie ein sauberes Marktplatz-Controlling strukturiert wird, haben wir unter Marktplatz-Controlling ausführlich beschrieben. Der Aufwand dafür ist einmalig, der Nutzen wiederkehrend: Ab diesem Punkt ist jede Sortimentsentscheidung eine Rechnung statt eines Bauchgefühls.

Bestands-, Retouren- und Markenberichte richtig lesen

Die FBA-Lagerbestandsberichte zeigen Bestand, Listungsstatus, eingehende Sendungen und gealterten Bestand. Sie sind die Grundlage für Nachbestellungen und für die Vermeidung von Langzeitlagergebühren.

Eine Einschränkung sollten Sie kennen: Diese Berichte sind Momentaufnahmen, keine Live-Datenströme. Zwischen Erstellung und Auswertung kann sich der Bestand bereits verschoben haben. Für die Wochenplanung reicht das, für stündliche Entscheidungen nicht.

Die Retourenberichte werden im deutschen Marktplatzhandel systematisch unterschätzt. Sie enthalten die vom Kunden angegebenen Retourengründe je ASIN — also eine direkte Rückmeldung darüber, wo Listing, Größenangabe oder Produktqualität nicht zur Erwartung passen. Konkrete Maßnahmen dazu finden Sie unter Retouren reduzieren.

Markeninhaber haben zusätzlich Zugriff auf Brand Analytics mit Suchbegriff-Berichten, Wiederkaufverhalten und demografischen Auswertungen. Diese Daten beantworten Fragen, die kein anderer Bericht beantworten kann — etwa welche Suchbegriffe tatsächlich zu Käufen führen und bei welchen Wettbewerbern Ihre Kunden sonst kaufen. Eine Einordnung liefert der Beitrag zu Brand Analytics.

Dazu kommen die Werbeberichte aus der Kampagnenverwaltung mit Suchbegriffen, Platzierungen und Targeting-Daten. Sie gehören zwingend in dieselbe Auswertung wie die Business Reports, weil Werbekosten und organische Entwicklung sich gegenseitig beeinflussen.

Für die Kontogesundheit gibt es eigene Auswertungen zu Bestellmängeln, verspäteten Sendungen und Stornoquoten. Diese Zahlen gehören nicht ins Wochenreporting im engeren Sinn, sollten aber einen festen Schwellenwert haben, ab dem sie automatisch auf den Tisch kommen.

Steuerberichte runden das Bild ab. Umsatzsteuer- und Abrechnungsauswertungen sind primär für die Buchhaltung relevant, liefern aber auch Hinweise auf Länderverteilung und Lagerstandorte. In grenzüberschreitenden Setups ist das ein oft übersehener Datenpunkt.

Ein Hinweis für mehrkanalige Händler: Otto und Kaufland liefern eigene Berichte in anderer Struktur, sodass ein direkter Vergleich manuell aufwendig wird. Wer die Kanäle in einer Sicht zusammenführen will, kommt um eine Plattformlösung kaum herum — etwa über MarketplAIce, das Verkaufs-, Bestands- und Preisdaten kanalübergreifend zusammenzieht.

Bis dahin gilt eine pragmatische Regel: Führen Sie je Kanal dieselben vier Kernkennzahlen und verzichten Sie auf kanalspezifische Sonderauswertungen. Nur so bleiben die Zahlen vergleichbar, und nur vergleichbare Zahlen führen zu Entscheidungen über die Budgetverteilung zwischen den Marktplätzen.

In 7 Schritten ein schlankes Reporting aufbauen

Der folgende Aufbau reicht für die allermeisten Händler aus und lässt sich an einem Vormittag einrichten.

  1. Fragen vor Berichten definieren — Legen Sie fest, welche drei Entscheidungen Sie wöchentlich treffen müssen. Alles, was dafür nicht gebraucht wird, bleibt draußen.
  2. Business Report als Basis exportieren — Ziehen Sie wöchentlich "Detailseiten-Verkäufe und Traffic nach untergeordneter ASIN" und archivieren Sie den Export mit Datum.
  3. Abrechnungsbericht monatlich anfügen — Übernehmen Sie Gebühren, Erstattungen und Werbekosten je Zeitraum, um vom Umsatz zum Ergebnis zu kommen.
  4. Deckungsbeitrag je ASIN berechnen — Verbinden Sie Einkaufspreis, Gebühren, Werbekosten und Retourenkosten auf ASIN-Ebene in einer einzigen Tabelle.
  5. Bestandsbericht für die Nachbestellung nutzen — Prüfen Sie wöchentlich Reichweite und gealterten Bestand, bevor Lagergebühren auflaufen.
  6. Retourengründe je Quartal auswerten — Sortieren Sie nach Häufigkeit und leiten Sie daraus konkrete Listing-Anpassungen ab.
  7. Ein Blatt für die Entscheidung erstellen — Verdichten Sie alles auf eine Übersicht mit Ampellogik, damit die Zahlen wöchentlich in fünf Minuten lesbar sind.

Ziehen Sie jede Woche Berichte, ohne dass daraus Entscheidungen entstehen? Wir bauen ein Reporting, das auf eine Seite passt und konkrete Maßnahmen auslöst. → Kostenloses Erstgespräch buchen

Rechenbeispiel: Wie die vier Kennzahlen eine Diagnose liefern

Rechenbeispiel: Angenommen, eine ASIN hatte im Mai 8.000 Sitzungen, einen Einheiten-Sitzungs-Prozentsatz von 12 Prozent und einen Prozentsatz Einkaufswagen von 96 Prozent. Das ergibt rund 960 verkaufte Einheiten. Bei 32 Euro Verkaufspreis sind das etwa 30.700 Euro Umsatz.

Im Juni sinkt der Umsatz auf 21.000 Euro. Die naheliegende Erklärung wäre weniger Traffic. Der Bericht zeigt aber 7.800 Sitzungen — praktisch unverändert.

Der Einheiten-Sitzungs-Prozentsatz liegt bei 12,1 Prozent, ebenfalls stabil. Der Prozentsatz Einkaufswagen ist dagegen auf 68 Prozent gefallen. Damit ist die Diagnose eindeutig: kein Traffic- und kein Listing-Problem, sondern ein Wettbewerber, der das prominente Kaufangebot übernommen hat.

Die Maßnahme ist entsprechend anders als bei einem Traffic-Einbruch. Statt Werbebudget zu erhöhen, gehört der Preis auf den Prüfstand. Die Zahlen sind hypothetisch, das Vorgehen ist genau so übertragbar.

Was Sie jetzt tun können

  • Exportieren Sie diese Woche den Business Report nach untergeordneter ASIN und legen Sie ein Archiv mit Datumsstempel an.
  • Prüfen Sie für Ihre zehn umsatzstärksten ASINs, welche der vier Kernkennzahlen sich im Quartalsvergleich verschlechtert hat.
  • Ziehen Sie den letzten Abrechnungsbericht und ordnen Sie alle Gebührenarten einem Kostenblock zu.
  • Berechnen Sie für Ihre Top-Artikel den Deckungsbeitrag je verkaufter Einheit statt nur die Umsatzmarge.
  • Werten Sie die Retourengründe des letzten Quartals aus und leiten Sie daraus mindestens zwei Listing-Änderungen ab.

FAQ: Häufige Fragen zu Amazon Seller Central Berichten

Wo finde ich die Business Reports im Seller Central?

Die Business Reports liegen im Hauptmenü unter "Berichte". Der Zugriff setzt den professionellen Verkaufstarif voraus. Im Einzelverkaufstarif stehen diese Auswertungen nicht zur Verfügung.

Welcher Bericht ist der wichtigste?

Für die operative Steuerung ist es "Detailseiten-Verkäufe und Traffic nach untergeordneter ASIN". Er liefert Sitzungen, Einheiten-Sitzungs-Prozentsatz, Prozentsatz Einkaufswagen und bestellten Produktumsatz auf der Ebene, auf der Kunden tatsächlich kaufen. Für die Marge kommt der Abrechnungsbericht dazu.

Was ist der Einheiten-Sitzungs-Prozentsatz?

Das ist Amazons Conversion-Kennzahl: verkaufte Einheiten geteilt durch Sitzungen. Sie zeigt, wie gut Ihre Detailseite Besucher in Käufer verwandelt. Ein Rückgang bei stabilem Traffic deutet auf Listing-, Preis- oder Bewertungsprobleme hin.

Sind die Lagerbestandsberichte in Echtzeit?

Nein. Die FBA-Lagerbestandsberichte sind Momentaufnahmen zum Zeitpunkt der Erstellung, keine kontinuierlichen Datenströme. Für Wochenplanung und Nachbestellung reicht das, für minutengenaue Entscheidungen sind sie nicht gedacht.

Wie viele Berichte brauche ich wirklich?

In der Praxis genügen fünf: Business Report, Abrechnungsbericht, FBA-Lagerbestand, Retourenbericht und die Werbeberichte. Alles Weitere ist Vertiefung für konkrete Fragestellungen. Mehr Berichte führen selten zu besseren Entscheidungen.

Was bringt Brand Analytics zusätzlich?

Brand Analytics steht Markeninhabern zur Verfügung und liefert Suchbegriff-Daten, Wiederkaufverhalten und demografische Auswertungen. Damit lassen sich Fragen zur Nachfrage und zum Wettbewerbsumfeld beantworten, die kein Standardbericht abdeckt.

Kann ich Berichte automatisiert abrufen?

Ja, über die Amazon-Schnittstellen lassen sich Berichte programmgesteuert abrufen und in eigene Systeme übernehmen. Für Händler ohne Entwicklungsressourcen ist ein wöchentlicher manueller Export in eine strukturierte Tabelle der pragmatischere Weg. Die AMZ+ Consulting GmbH startet bei neuen Kunden bewusst mit der manuellen Variante, bevor automatisiert wird.

Über den Autor

Jorginho Engelmeyer ist Geschäftsführer der AMZ+ Consulting GmbH und seit über 8 Jahren auf Amazon, Otto und Kaufland für Händler aktiv. Mit seinem Team verbindet er Agenturleistung mit eigener KI-Technologie, um Marktplatz-Händler vorausschauend und datengetrieben zu skalieren.

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Zuletzt aktualisiert: 26. Juli 2026

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