Amazon FBM-Angebot deaktiviert 2026: 4 Kennzahlen zählen
Amazon deaktiviert ab Ende August 2026 bei Verstößen nur noch einzelne FBM-Angebote statt des ganzen Kontos. So prüfen Sie Ihr Risiko rechtzeitig.

Die kurze Antwort: Seit Ende August 2026 hat Amazon seine Durchgriffslogik bei Account-Health-Verstößen im US-Marktplatz verändert. Statt wie bisher automatisch das gesamte Verkäuferkonto zu belasten, deaktiviert Amazon bei Verstößen gegen vier zentrale Kennzahlen zunächst nur das einzelne betroffene FBM-Angebot. Betroffene Verkäufer erhalten vorab eine Warn-E-Mail, und die Deaktivierung wird im Account Health Dashboard unter "Other Policy Violations" sichtbar. Die vier relevanten Kennzahlen sind Stornoquote, Late Shipment Rate, Order Defect Rate und On-Time Delivery Rate. Für Deutschland und die EU hat Amazon diese neue Einzelangebots-Logik bislang nicht offiziell bestätigt – sie gilt als plausibel, aber unbestätigt. In diesem Artikel erklären wir, was die Änderung konkret bedeutet, wie Sie Ihr Risiko prüfen und was Sie jetzt tun können, um ein FBM-Angebot deaktiviert zu vermeiden.
Inhaltsverzeichnis
- Was sich bei Amazon Account Health ab Ende August 2026 ändert
- Welche vier Kennzahlen jetzt über Ihr FBM-Angebot entscheiden
- So prüfen Sie Schritt für Schritt, ob Ihr FBM-Angebot gefährdet ist
- Rechenbeispiel: Ein deaktiviertes FBM-Angebot in der Praxis
- Was Sie jetzt tun können: Ihr Aktionsplan
- FAQ
Was sich bei Amazon Account Health ab Ende August 2026 ändert
Amazon hat die Änderung Ende August 2026 über eine Ankündigung im US-Seller-Forum unter dem Titel "Review Account Health updates for FBM offers" bekannt gegeben. Wirksam wurde die neue Logik laut dieser Mitteilung ab dem 31. August 2026. Berichtet hat darüber unter anderem das Branchenmedium ppc.land unter dem Titel "Amazon blocks the failing FBM offer, not the account, from August 31". Der Kern der Änderung: Amazon trennt bei bestimmten Account-Health-Verstößen erstmals zwischen dem einzelnen Angebot und dem Gesamtkonto.
Bisher war das Muster bei vielen Händlern ähnlich. Ein einzelnes Produkt lief im Versand durch FBM aus dem Ruder, Lieferungen verspäteten sich, Kunden stornierten gehäuft, und am Ende stand nicht nur das eine Angebot, sondern der gesamte Account-Health-Score auf der Kippe. Für Verkäufer mit einem breiten Sortiment bedeutete ein einziges problematisches FBM-Angebot mitunter ein Risiko für alle anderen, eigentlich unauffälligen Angebote im selben Konto.
Mit der neuen Regel schottet Amazon diesen Effekt teilweise ab. Verstößt ein FBM-Angebot gegen eine der vier definierten Kennzahlen, greift Amazon zunächst gezielt bei diesem Angebot ein, statt automatisch das Gesamtkonto zu sanktionieren. Vor der eigentlichen Deaktivierung verschickt Amazon laut Forenankündigung eine Warn-E-Mail, sodass Händler theoretisch Zeit haben, nachzusteuern. Die Deaktivierung selbst wird anschließend im Account Health Dashboard unter der Kategorie "Other Policy Violations" protokolliert und ist von dort aus einsehbar.
Für Händler in Deutschland und der übrigen EU ist wichtig: Amazon hat diese Änderung bislang ausschließlich für den US-Marktplatz über das US-Seller-Forum kommuniziert. Eine offizielle Bestätigung, dass die gleiche Einzelangebots-Logik auch für amazon.de, amazon.fr oder andere EU-Marktplätze gilt, liegt bis zur Veröffentlichung dieses Artikels nicht vor. Es wäre naheliegend, dass Amazon eine solche technische Umstellung mittelfristig global ausrollt, da die Account-Health-Infrastruktur marktplatzübergreifend ähnlich aufgebaut ist. Belegt ist das aber nicht, und Händler sollten diese Annahme nicht als gesicherten Fakt behandeln, sondern ihr FBM-Geschäft unabhängig davon beobachten.
Mehr zur grundsätzlichen Logik des Account-Health-Scores und wie er sich 2026 verändert hat, finden Sie in unserem Artikel zur Amazon Account Health Rating 2026.
Welche vier Kennzahlen jetzt über Ihr FBM-Angebot entscheiden
Laut der Amazon-Ankündigung sind es vier Kennzahlen, die darüber entscheiden, ob ein FBM-Angebot deaktiviert wird. Alle vier sind Ihnen aus dem Account Health Dashboard bereits bekannt, werden künftig aber offenbar auch auf Angebotsebene streng ausgewertet, nicht nur auf Kontoebene.
Die erste Kennzahl ist die Stornoquote, also der Anteil an Bestellungen, die vor dem Versand vom Verkäufer storniert werden. Eine hohe Stornoquote signalisiert Amazon, dass Bestand oder Lieferfähigkeit nicht zuverlässig abgebildet sind. Wie Sie diese Kennzahl im Detail senken, haben wir bereits in unserem Beitrag zur Amazon Stornierungsrate 2026 beschrieben.
Die zweite Kennzahl ist die Late Shipment Rate, also der Anteil verspätet versandter Bestellungen gegenüber dem bestätigten Versanddatum. Gerade bei FBM-Angeboten mit manueller Lagerlogistik oder externen Fulfillment-Dienstleistern ist diese Kennzahl besonders anfällig für Schwankungen, etwa durch Personalausfälle oder Lieferkettenprobleme. Details dazu finden Sie im Artikel zur Amazon Late Shipment Rate 2026.
Die dritte Kennzahl ist die Order Defect Rate, die negative Bewertungen, A-bis-z-Garantieansprüche und Rückbuchungen zusammenfasst. Sie gilt traditionell als eine der sensibelsten Kennzahlen im gesamten Account-Health-System, weil sie mehrere Problemquellen gleichzeitig abbildet. Eine ausführliche Einordnung bietet unser Artikel zur Amazon Order Defect Rate 2026.
Die vierte Kennzahl ist die On-Time Delivery Rate, die misst, wie zuverlässig Pakete bis zum zugesagten Lieferdatum beim Kunden ankommen. Sie unterscheidet sich von der Late Shipment Rate dadurch, dass sie den gesamten Versandweg bis zur Zustellung berücksichtigt, nicht nur den Versandzeitpunkt selbst.
Entscheidend für Händler ist: Diese vier Kennzahlen werden künftig offenbar nicht mehr nur als Kontodurchschnitt betrachtet, sondern können einzelnen FBM-Angeboten gezielt zugeordnet werden. Ein Angebot mit überdurchschnittlich vielen Stornierungen oder Verspätungen kann also isoliert betroffen sein, während der Rest des Sortiments unangetastet bleibt. Das reduziert zwar das Risiko für das Gesamtkonto, erhöht aber den Druck, jedes einzelne FBM-Angebot sauber zu führen, da Amazon nun genauer hinschaut.
So prüfen Sie Schritt für Schritt, ob Ihr FBM-Angebot gefährdet ist
Damit ein FBM-Angebot deaktiviert wird, müssen in der Regel mehrere Schwellenwerte über einen längeren Zeitraum überschritten sein. Mit folgender Vorgehensweise behalten Sie den Überblick, bevor Amazon selbst eingreift.
- Öffnen Sie das Account Health Dashboard in Seller Central und prüfen Sie zunächst die Kategorie "Other Policy Violations". Dort werden laut Amazon künftig auch angebotsspezifische Warnungen und Deaktivierungen zu den vier Kennzahlen aufgeführt.
- Filtern Sie die Kennzahlen Stornoquote, Late Shipment Rate, Order Defect Rate und On-Time Delivery Rate nach einzelnen ASINs oder SKUs, nicht nur nach dem Kontodurchschnitt. Viele Händler schauen nur auf die Gesamtzahl und übersehen so einzelne Problem-Angebote.
- Identifizieren Sie FBM-Angebote mit besonders hohem Bestellvolumen und gleichzeitig unterdurchschnittlicher Lieferzuverlässigkeit. Diese Kombination fällt bei einer angebotsbezogenen Prüfung am schnellsten auf.
- Prüfen Sie Ihr E-Mail-Postfach und das Benachrichtigungscenter in Seller Central regelmäßig auf Warn-E-Mails zu einzelnen Angeboten, idealerweise täglich, solange Sie sich im kritischen Bereich einer der vier Kennzahlen bewegen.
- Vergleichen Sie Ihre aktuellen Werte mit den von Amazon veröffentlichten Zielwerten je Kennzahl und markieren Sie intern, welche Angebote sich der Grenze nähern, nicht erst, wenn sie überschritten ist.
- Dokumentieren Sie bei jedem Grenzwertüberschreiten sofort die Ursache, etwa einen Lieferantenausfall oder ein Lagerproblem, damit Sie im Zweifel einen fundierten Plan of Action einreichen können.
- Richten Sie, sofern noch nicht vorhanden, ein internes Monitoring ein, das Sie wöchentlich automatisch über Ausreißer bei einzelnen FBM-Angeboten informiert, statt sich allein auf den monatlichen Blick ins Dashboard zu verlassen.
Wer diese sieben Schritte konsequent verfolgt, erkennt ein gefährdetes FBM-Angebot in der Regel deutlich vor der eigentlichen Deaktivierung.
Rechenbeispiel: Ein deaktiviertes FBM-Angebot in der Praxis
Das folgende Szenario ist hypothetisch und dient ausschließlich der Veranschaulichung, keine reale Fallstudie. Ein Händler verkauft ein Haushaltsprodukt über FBM mit rund 40 Bestellungen pro Tag. Durch einen kurzfristigen Lieferantenausfall verzögert sich der Versand bei etwa 15 Prozent der Bestellungen über zwei Wochen, die Late Shipment Rate für dieses eine Angebot steigt deutlich über den amazonseitigen Zielwert.
Nach der neuen Einzelangebots-Logik würde in diesem Szenario zunächst nur dieses eine FBM-Angebot betroffen sein, nicht der gesamte Account. Bei 40 Bestellungen täglich entspricht ein zweiwöchiger Ausfall rund 560 Bestellungen, die in diesem Zeitraum nicht ausgeliefert werden können, sobald das Angebot deaktiviert ist. Bei einem durchschnittlichen Bestellwert von 25 Euro ergibt das einen hypothetischen Umsatzausfall von etwa 14.000 Euro allein für dieses Angebot über zwei Wochen.
Der entscheidende Unterschied zur alten Logik: Die übrigen Angebote desselben Kontos, etwa 30 weitere Produkte mit insgesamt deutlich höherem Tagesumsatz, blieben in diesem Szenario unberührt, sofern sie selbst innerhalb der Zielwerte liegen. Vor der Umstellung wäre im ungünstigsten Fall der komplette Account-Health-Score betroffen gewesen, mit Risiko für das gesamte Verkaufsrecht. Das zeigt: Die neue Regel begrenzt den Schaden auf das einzelne Angebot, nimmt Händlern aber nicht die Verantwortung, jedes FBM-Angebot einzeln im Blick zu behalten.
Was Sie jetzt tun können: Ihr Aktionsplan
Für Amazon-Händler mit FBM-Angeboten bedeutet die neue Regel vor allem eins: Die Prüfungstiefe muss von der Kontoebene auf die Angebotsebene herunterskaliert werden. Ein guter Durchschnittswert im Account Health Dashboard reicht nicht mehr aus, wenn einzelne Angebote darunter versteckt kritische Werte aufweisen.
Praktisch heißt das: Bauen Sie sich eine Routine auf, in der Sie die vier Kennzahlen Stornoquote, Late Shipment Rate, Order Defect Rate und On-Time Delivery Rate je Angebot auswerten, nicht nur im Kontodurchschnitt. Reagieren Sie auf Warnsignale frühzeitig, etwa durch Lagerpuffer bei kritischen Produkten oder durch eine Rückstufung auf FBA, wenn FBM-Logistik dauerhaft an ihre Grenzen stößt.
Gerade weil der manuelle Aufwand für ein angebotsgenaues Monitoring erheblich ist, setzen immer mehr Händler auf KI-gestützte Systeme wie MarketplAIce, die Account-Health-Kennzahlen automatisiert je Angebot überwachen und frühzeitig warnen, bevor Amazon selbst eingreift. So lässt sich das Risiko eines deaktivierten FBM-Angebots deutlich reduzieren, ohne dass Sie jeden Tag selbst jede ASIN einzeln durchgehen müssen.
Wenn Sie nicht sicher sind, wie gefährdet Ihr aktuelles FBM-Sortiment ist, oder Unterstützung beim Aufbau eines belastbaren Account-Health-Monitorings suchen, hilft Ihnen AMZ+ Consulting gerne weiter. Vereinbaren Sie dafür ein kostenloses Erstgespräch, in dem wir Ihre aktuelle Account-Health-Situation gemeinsam durchgehen. Einen Überblick über unsere weiteren Leistungen rund um Amazon-Compliance und Marktplatz-Betreuung finden Sie zudem unter Leistungen.
FAQ
Was bedeutet "FBM-Angebot deaktiviert" bei Amazon konkret?
Es bedeutet, dass Amazon ein einzelnes, über Fulfillment by Merchant versandtes Angebot vom Verkauf ausschließt, weil es gegen eine der vier Account-Health-Kennzahlen verstößt. Andere Angebote im selben Konto bleiben laut der neuen Regel ab Ende August 2026 davon zunächst unberührt.
Seit wann gilt die neue Einzelangebots-Logik bei Amazon?
Amazon hat die Änderung Ende August 2026 im US-Seller-Forum angekündigt, wirksam ab dem 31. August 2026. Die Information bezieht sich laut verfügbaren Quellen ausschließlich auf den US-Marktplatz.
Gilt die Regel auch für Amazon Deutschland und die EU?
Das ist bislang nicht offiziell bestätigt. Amazon hat die Änderung nur über das US-Seller-Forum kommuniziert, eine Ausweitung auf EU-Marktplätze ist denkbar, aber kein belegter Fakt. Händler sollten dies im Blick behalten, ohne sich darauf zu verlassen.
Welche vier Kennzahlen können zu einer Deaktivierung führen?
Relevant sind Stornoquote, Late Shipment Rate, Order Defect Rate und On-Time Delivery Rate. Alle vier sind im Account Health Dashboard einsehbar und werden künftig offenbar auch auf Angebotsebene ausgewertet.
Bekomme ich eine Warnung, bevor ein FBM-Angebot deaktiviert wird?
Ja, laut Amazons Forenankündigung verschickt das Unternehmen vorab eine Warn-E-Mail an den betroffenen Verkäufer. Die Deaktivierung selbst wird anschließend im Account Health Dashboard unter "Other Policy Violations" sichtbar.
Betrifft die Deaktivierung eines FBM-Angebots auch mein FBA-Geschäft?
Nach aktuellem Kenntnisstand betrifft die neue Regel ausschließlich über FBM versandte Angebote. FBA-Angebote folgen einer eigenen Logik und sind von dieser speziellen Änderung nicht direkt erfasst.
Wie kann ich mein FBM-Risiko dauerhaft im Blick behalten?
Am zuverlässigsten gelingt das mit einem automatisierten Monitoring der vier Kennzahlen auf Angebotsebene, etwa über ein System wie MarketplAIce, oder in Zusammenarbeit mit einer spezialisierten Agentur wie AMZ+ Consulting, die Ihre Account-Health-Werte regelmäßig prüft.
Über den Autor
Jorginho Engelmeyer ist Geschäftsführer von AMZ+ Consulting und berät seit über acht Jahren Händler auf Amazon, Otto, Kaufland, eBay und Temu im DACH-Raum. AMZ+ Consulting unterstützt Verkäufer dabei, Account-Health-Risiken frühzeitig zu erkennen und Marktplatz-Compliance nachhaltig abzusichern.
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