Supply Chain by Amazon 2026: Lohnt sich das Rundum-Paket?
Amazon Supply Chain Services 2026: Was Global Ocean, Amazon Warehousing & Distribution und Partnered Carrier leisten, für wen sich das End-to-End-Logistikprogramm lohnt.

Die kurze Antwort: Amazon hat sein Logistiknetzwerk 2026 unter dem Namen Amazon Supply Chain Services (ASCS) für Unternehmen aller Branchen geöffnet – nicht nur für Amazon-Verkäufer. Das Programm bündelt Frachttransport über Ozean, Luft, Schiene und Straße, Lagerhaltung über Amazon Warehousing & Distribution (AWD), Zollabwicklung und die letzte Meile über das bestehende Amazon-Netzwerk zu einer durchgängigen Lieferkette. Für Amazon-Händler ist vor allem AWD relevant: ein kostengünstiges Bulk-Lager, das FBA-Bestand automatisch auffüllt und optional auch andere Vertriebskanäle beliefert. Das Programm lohnt sich besonders für Händler mit schwankendem Bedarf, internationalem Wareneinkauf oder Multichannel-Vertrieb – kleine Sortimente mit stabilem, geringem Volumen profitieren dagegen kaum von der zusätzlichen Komplexität.
Dieser Beitrag ordnet ein, was hinter Supply Chain by Amazon steckt, welche Bausteine für Marktplatz-Händler wirklich relevant sind und wann sich der Einstieg lohnt.
Inhaltsverzeichnis
- Was Supply Chain by Amazon ist
- Die vier zentralen Bausteine
- In 5 Schritten prüfen, ob sich ASCS für Sie lohnt
- Für wen sich das Programm eignet – und für wen nicht
- Rechenbeispiel: Bulk-Lager vs. klassisches FBA-Inbound
- Was Sie jetzt tun können
- FAQ
Was Supply Chain by Amazon ist
Amazon hat mit Amazon Supply Chain Services eine Plattform gestartet, die Frachttransport, Lagerhaltung, Fulfillment und Paketzustellung in einem einzigen globalen Logistiknetzwerk zusammenführt. Das Unternehmen öffnet damit Infrastruktur, die bislang vor allem dem eigenen Handelsgeschäft diente, für externe Unternehmen aus Branchen wie Gesundheitswesen, Automotive, Fertigung und Einzelhandel.
Für den Frachttransport stehen Ozean-, Luft-, Schienen- und Straßenverkehr über eine Flotte von mehr als 80.000 Trailern und rund 100 Flugzeugen zur Verfügung. Enthalten sind Zollabwicklung, Buchung und durchgängige Sendungsverfolgung über die gesamte Strecke – von der Fabrik bis zur letzten Meile.
Frühe Nutzer des breiteren Supply-Chain-Angebots sind laut Berichterstattung unter anderem Procter & Gamble, 3M, Lands' End und American Eagle Outfitters – ein Hinweis darauf, dass sich Amazon hier zunächst an größere Markenunternehmen mit komplexen, internationalen Lieferketten richtet.
Für klassische Amazon-Marktplatz-Händler ist vor allem ein Baustein aus diesem größeren Ökosystem unmittelbar praxisrelevant: Amazon Warehousing & Distribution.
Die vier zentralen Bausteine
Amazon Global Logistics (Frachttransport): Übernimmt den internationalen Warentransport per Schiff, Flugzeug, Bahn oder LKW inklusive Zollabwicklung. Für Händler mit Produktion in Asien ersetzt das potenziell mehrere separate Spediteure durch einen zentralen Ansprechpartner.
Amazon Warehousing & Distribution (AWD): Ein kostengünstiges Bulk-Lager, in das Sie größere Wareneinkäufe auf einmal einlagern. AWD verteilt den Bestand automatisch und bedarfsgerecht an Ihre FBA-Fulfillmentcenter weiter – inklusive automatischer Nachbestückung, damit Ihr FBA-Bestand nicht leerläuft. Die Gebühren decken die spätere FBA-Inbound-Platzierung bereits mit ab.
Partnered Carrier Program: Ermöglicht vergünstigte, mit Amazon abgestimmte Frachtraten für den Transport von Ihrem Lieferanten oder Ihrem eigenen Lager zu Amazon-Einrichtungen – über bereits geprüfte Speditionspartner.
Multi-Channel Fulfillment (MCF): Erlaubt es, Bestellungen von außerhalb Amazons – etwa aus Ihrem eigenen Onlineshop oder von anderen Marktplätzen wie Otto oder Kaufland – aus demselben FBA-Bestand zu erfüllen. AWD kann diesen bestandsseitig zusätzlich unterstützen, indem es auch Non-Amazon-Kanäle mit Bestand versorgt.
In Kombination ergibt sich eine durchgängige Kette: Ware kommt per Global Logistics ins Land, landet zunächst im günstigen AWD-Bulk-Lager, wird von dort automatisiert an FBA-Fulfillmentcenter verteilt und kann über MCF zusätzlich andere Vertriebskanäle beliefern.
Amazon hat außerdem einen grenzüberschreitenden Service namens Global Warehousing and Distribution eingeführt, der Händlern eine direkte Anbindung von einem Warenlager in Shenzhen an das US-Fulfillmentnetzwerk bietet. Sie liefern Ihre Ware in großen Mengen an das Amazon-Lager in Shenzhen, Amazon übernimmt anschließend Zollabwicklung, internationalen Frachttransport und die Verteilung in die US-Fulfillmentcenter über das eigene Amazon-Global-Logistics-Netzwerk. Für Händler mit Produktion in China verkürzt das die Zahl der eigenen Koordinationsschritte deutlich, auch wenn die Grundlogik dieselbe bleibt wie bei den europäischen Bausteinen.
In 5 Schritten prüfen, ob sich ASCS für Sie lohnt
- Einkaufsvolumen analysieren: Prüfen Sie, ob Sie regelmäßig größere Wareneinkäufe auf einmal tätigen, die aktuell in einem externen Lager oder direkt und in mehreren Tranchen bei Amazon eingelagert werden.
- Aktuelle Logistikkosten dokumentieren: Stellen Sie Ihre bestehenden Kosten für Spedition, Zwischenlager und FBA-Inbound-Platzierung zusammen, um später vergleichen zu können.
- Bedarf an Multichannel-Fulfillment prüfen: Verkaufen Sie neben Amazon auch über Otto, Kaufland, eBay, Temu oder einen eigenen Shop? Dann kann MCF in Kombination mit AWD sinnvoll sein, um Bestand zentral vorzuhalten.
- Testlauf mit einem Produkt starten: Beginnen Sie mit einer einzelnen Produktlinie im AWD-Bulk-Lager, statt gleich das komplette Sortiment umzustellen.
- Ergebnisse nach 8 bis 12 Wochen auswerten: Vergleichen Sie Lagerkosten, Bestandsreichweite und Out-of-Stock-Quote vor und nach der Umstellung, bevor Sie weitere Produktlinien einbinden.
Für wen sich das Programm eignet – und für wen nicht
✅ Gut geeignet: Händler mit internationalem Einkauf, saisonal schwankendem Bedarf oder Multichannel-Vertrieb über mehrere Marktplätze profitieren von der zentralen Bestandssteuerung und den automatisierten Nachbestückungen.
✅ Gut geeignet: Marken mit großen, planbaren Einkaufsvolumina können durch das günstigere Bulk-Lager gegenüber direkter FBA-Einlagerung Lagerkosten senken.
⚠️ Weniger relevant: Kleinere Sortimente mit gleichbleibend niedrigem, gut planbarem Volumen haben oft wenig Spielraum, um von der zusätzlichen Komplexität des Programms zu profitieren – hier reicht häufig klassisches FBA-Inbound.
⚠️ Zu beachten: Wer bereits feste, vertraglich gebundene Speditionspartner hat, sollte die Umstellung sorgfältig gegen bestehende Konditionen rechnen, bevor er wechselt.
Für wen weniger geeignet: Frisch gestartete Händler mit noch unklarem Bestellvolumen sollten zunächst mit klassischem FBA-Inbound Erfahrung sammeln, bevor sie ein zusätzliches Bulk-Lager in ihre Prozesse integrieren.
Was Supply Chain by Amazon von klassischen Speditionen unterscheidet
Für Händler, die bislang mit mehreren separaten Dienstleistern arbeiten – einer Spedition für den Seetransport, einem Zolldienstleister, einem Zwischenlager und Amazon selbst für das FBA-Fulfillment –, liegt der zentrale Unterschied in der Anzahl der Schnittstellen. Statt vier oder fünf verschiedene Ansprechpartner zu koordinieren und bei Verzögerungen an unterschiedlichen Stellen nachzufassen, läuft die gesamte Kette bei ASCS über ein einziges System mit durchgängiger Sendungsverfolgung.
Das reduziert nicht zwangsläufig die absoluten Kosten, senkt aber den Koordinationsaufwand spürbar – gerade bei Lieferverzögerungen, die sich sonst über mehrere Dienstleister hinweg oft nur schwer zurückverfolgen lassen. Wer beispielsweise während einer Peak-Saison wie dem Weihnachtsgeschäft plötzlich Lieferengpässe hat, profitiert davon, alle relevanten Statusinformationen an einer zentralen Stelle einsehen zu können, statt mehrere Systeme parallel zu prüfen.
Ein Nachteil, den Händler vor der Umstellung einkalkulieren sollten: Die Bindung an ein einziges Ökosystem reduziert die Verhandlungsmacht gegenüber einzelnen externen Anbietern. Wer aktuell günstige, individuell ausgehandelte Konditionen bei einer bestehenden Spedition hat, sollte diese explizit gegen die ASCS-Konditionen für sein Volumen rechnen, statt allein aus Bequemlichkeit zu wechseln.
Zusammenspiel mit anderen Marktplätzen
Für Händler, die neben Amazon auch auf Otto, Kaufland, eBay oder Temu verkaufen, ist die Multi-Channel-Fulfillment-Komponente besonders relevant. Statt für jeden Marktplatz separaten Bestand in unterschiedlichen Lagern vorzuhalten, lässt sich ein zentraler FBA-Bestand über MCF auch für Bestellungen außerhalb Amazons nutzen.
Das setzt allerdings eine saubere, kanalübergreifende Bestandsplanung voraus: Reservieren Sie zu wenig Bestand für die anderen Kanäle, drohen dort Out-of-Stock-Situationen, während gleichzeitig auf Amazon selbst noch Ware verfügbar ist. Reservieren Sie zu viel, bindet das unnötig Kapital in bereits eingelagerter Ware. Gerade in Kombination mit AWD, das den Bestand ohnehin schon vorausschauend zwischen Fulfillmentcentern verteilt, lohnt sich deshalb eine zusätzliche, marktplatzübergreifende Bestandssteuerung, die Nachfrageschwankungen auf allen angebundenen Kanälen gleichzeitig im Blick behält.
Rechenbeispiel: Bulk-Lager vs. klassisches FBA-Inbound
Rechenbeispiel: Angenommen, ein Händler kauft zweimal im Jahr eine Großcharge von 10.000 Einheiten eines Produkts in Asien ein. Ohne AWD müsste er diese Charge entweder direkt in mehrere FBA-Fulfillmentcenter aufteilen und einzeln einlagern lassen oder ein externes Zwischenlager beauftragen und selbst organisieren, wann welche Menge nachgeliefert wird.
Mit AWD lagert der Händler die komplette Charge zentral im Bulk-Lager ein und lässt Amazon automatisiert kleinere Mengen bedarfsgerecht an die passenden FBA-Fulfillmentcenter verteilen – abgestimmt auf Verkaufsgeschwindigkeit und regionale Nachfrage. Fällt dadurch beispielsweise eine externe Zwischenlagerung von 400 EUR pro Monat weg und sinkt gleichzeitig die Zahl kostspieliger Express-Nachlieferungen bei drohendem Out-of-Stock, ergibt sich über zwölf Monate ein spürbarer Einspareffekt.
Dieses Beispiel dient ausschließlich der Veranschaulichung der Rechenlogik. Die tatsächliche Ersparnis hängt von Produktgröße, Lagerdauer und individuellen AWD-Gebühren ab und sollte vor einer Umstellung konkret durchgerechnet werden.
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</div>Was Sie jetzt tun können
Prüfen Sie zunächst, welchen Anteil Ihres Bestands Sie aktuell in großen Chargen einkaufen und wie diese Ware heute zwischengelagert wird. Vergleichen Sie diese Kosten mit den AWD-Konditionen für Ihr Sortiment, bevor Sie eine Entscheidung treffen.
Verkaufen Sie bereits auf mehreren Marktplätzen, lohnt sich zusätzlich ein Blick auf Multi-Channel Fulfillment: Statt für jeden Kanal separaten Bestand vorzuhalten, lässt sich ein zentraler FBA-Bestand kanalübergreifend nutzen. Damit das über Amazon, Otto und Kaufland hinweg zuverlässig funktioniert, braucht es allerdings eine saubere, vorausschauende Bestandssteuerung – genau hier setzt MarketplAIce an und behält Bestandsreichweite und Nachbestellbedarf über alle angebundenen Marktplätze im Blick.
Starten Sie mit einem überschaubaren Testlauf, bevor Sie Ihr komplettes Sortiment umstellen, und werten Sie nach den ersten Wochen aus, ob sich Lagerkosten und Lieferfähigkeit tatsächlich verbessert haben.
FAQ: Häufige Fragen zu Supply Chain by Amazon 2026
Was ist der Unterschied zwischen Supply Chain by Amazon und klassischem FBA?
Klassisches FBA deckt Lagerung und Versand innerhalb des Amazon-Marktplatzes ab. Supply Chain by Amazon erweitert das um internationalen Frachttransport, ein zentrales Bulk-Lager (AWD) und Fulfillment für Bestellungen außerhalb von Amazon.
Was ist Amazon Warehousing & Distribution (AWD) genau?
AWD ist ein kostengünstiges Bulk-Lager, in das Sie größere Wareneinkäufe einlagern. Amazon verteilt den Bestand von dort automatisiert und bedarfsgerecht an Ihre FBA-Fulfillmentcenter weiter, inklusive automatischer Nachbestückung.
Brauche ich für AWD ein separates Konto?
Nein, AWD ist über Ihr bestehendes Seller-Central-Konto zugänglich und lässt sich direkt mit Ihrem FBA-Bestand verknüpfen.
Kann ich mit Supply Chain by Amazon auch andere Marktplätze wie Otto oder Kaufland beliefern?
Ja, über Multi-Channel Fulfillment lässt sich Bestand aus dem Amazon-Netzwerk auch für Bestellungen anderer Vertriebskanäle nutzen, sofern Sie MCF entsprechend einrichten.
Für welche Unternehmensgröße ist Supply Chain by Amazon gedacht?
Das Programm richtet sich sowohl an große Markenunternehmen mit komplexen internationalen Lieferketten als auch an mittelständische Marktplatz-Händler mit planbarem, größerem Einkaufsvolumen. Kleine Sortimente mit geringem, stabilem Bedarf profitieren meist weniger.
Spart AWD gegenüber direktem FBA-Inbound automatisch Geld?
Nicht automatisch. Die Ersparnis hängt von Einkaufsvolumen, Lagerdauer und den individuellen AWD-Gebühren ab und sollte vor der Umstellung konkret durchgerechnet werden.
Wer nutzt Supply Chain by Amazon aktuell bereits?
Zu den frühen Nutzern des breiteren Angebots zählen laut Berichterstattung große Markenunternehmen wie Procter & Gamble, 3M, Lands' End und American Eagle Outfitters.
Über den Autor Jorginho Engelmeyer ist Geschäftsführer der AMZ+ Consulting GmbH und seit über 8 Jahren auf Amazon, Otto und Kaufland für Händler aktiv. → Kostenloses Erstgespräch buchen
Zuletzt aktualisiert am 12. August 2026
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