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Amazon Wettbewerbsanalyse 2026: Konkurrenz auswerten

Amazon Wettbewerbsanalyse 2026: Welche Datenquellen legal verfügbar sind, wie Sie Preise, Listings und Werbung auswerten und daraus Maßnahmen ableiten.

✍️ Jorginho Engelmeyer📅 15. August 202611 min Lesezeit
Amazon Wettbewerbsanalyse 2026: Konkurrenz auswerten

Die kurze Antwort: Eine belastbare Amazon Wettbewerbsanalyse besteht aus fünf Blöcken — Angebot und Preis, Listing-Qualität, Bewertungen, Werbepräsenz und Verfügbarkeit. Die wichtigsten Datenquellen sind kostenlos und liegen in Ihrem eigenen Konto: Brand Analytics mit dem Bericht zur Suchbegriff-Performance, der Produkt-Chancen-Explorer, Ihre Suchbegriff-Berichte aus Amazon Ads und der Impression-Share-Wert.

Alles Weitere kommt aus öffentlich sichtbaren Produktseiten. Was Sie nicht tun dürfen: fremde Konten einsehen, Bewertungen manipulieren oder Wettbewerber in Ihren eigenen Listings herabsetzen. Der Aufwand für eine erste vollständige Analyse liegt bei etwa acht bis zwölf Stunden — danach reichen zwei Stunden im Monat.

Inhalt

Was eine Wettbewerbsanalyse leisten muss

Die meisten Auswertungen, die uns bei AMZ+ Consulting vorgelegt werden, sind Sammlungen von Screenshots. Sie zeigen, dass ein Wettbewerber günstiger ist oder mehr Bewertungen hat — und enden dort.

Eine Amazon Wettbewerbsanalyse ist erst dann etwas wert, wenn am Ende eine Entscheidung steht. Preis anpassen, Listing überarbeiten, Kampagne umbauen, Produkt auslisten.

Deshalb definieren wir vorab, welche Frage die Analyse beantworten soll. Drei Fragestellungen decken fast alle Fälle ab:

  • Verlustanalyse: Warum sinkt mein Anteil an einem Suchbegriff, den ich früher dominiert habe?
  • Eintrittsanalyse: Lohnt sich ein neues Produkt in dieser Nische — und gegen wen trete ich an?
  • Preisanalyse: Ist mein Preis wirklich das Problem oder ist es die Conversion?

⚠️ Achtung: Wer alle drei Fragen gleichzeitig beantworten will, produziert eine 40-seitige Datei, die niemand liest. Eine Frage, eine Analyse.

Die Datengrundlage unterscheidet sich je Frage kaum — die Auswertung dagegen erheblich. Bei einer Verlustanalyse interessiert die Veränderung über die Zeit, bei einer Eintrittsanalyse der aktuelle Zustand des Marktes.

Die fünf Datenblöcke im Detail

Für jeden relevanten Wettbewerber erfassen Sie dieselben fünf Blöcke. Nur so werden Vergleiche belastbar.

1. Angebot und Preis

Erfasst werden Verkaufspreis, Versandart (Prime, Verkauf durch Amazon, Händlerversand), Gebindegröße und Grundpreis. Der Grundpreis je Kilogramm oder Liter ist der ehrlichere Vergleichswert, weil er Gebindetricks entlarvt.

2. Listing-Qualität

Titelstruktur, Anzahl und Qualität der Bilder, Video vorhanden, A+ Content, Bulletpoints, hinterlegte Attribute. Hier finden Sie die meisten schnell umsetzbaren Lücken — bei sich selbst wie beim Wettbewerber.

3. Bewertungen

Anzahl, Durchschnitt, Entwicklung der letzten Monate und vor allem der Inhalt der Ein- und Zwei-Sterne-Bewertungen. Dort steht, welches Problem Ihr Produkt lösen müsste, um zu gewinnen.

4. Werbepräsenz

Auf welchen Suchbegriffen taucht der Wettbewerber gesponsert auf? Bewirbt er Sponsored Brands mit eigenem Store? Findet Produkt-Targeting auf Ihrer Detailseite statt? Ihre eigenen Berichte zeigen den Gegeneffekt.

5. Verfügbarkeit

Ist der Wettbewerber dauerhaft lieferbar oder gibt es Lücken? Wer regelmäßig ausverkauft ist, verliert Ranking — und öffnet ein Zeitfenster.

| Block | Aufwand je ASIN | Aktualisierung | |---|---|---| | Angebot und Preis | 5 Minuten | wöchentlich | | Listing-Qualität | 15 Minuten | quartalsweise | | Bewertungen | 20 Minuten | monatlich | | Werbepräsenz | 20 Minuten | monatlich | | Verfügbarkeit | 2 Minuten | wöchentlich |

💡 Tipp: Beschränken Sie sich auf fünf bis acht Wettbewerber je Produktgruppe. Mehr bringt keinen Erkenntnisgewinn, kostet aber Zeit.

Der wertvollste Teil einer Amazon Wettbewerbsanalyse kommt aus Ihrem eigenen Konto — kostenlos, aber nur mit Markenregistrierung.

Brand Analytics liefert vier Berichte, die alle relevant sind:

  • Suchbegriff-Performance — für Ihre Suchbegriffe die vollständige Kette von Impressionen über Klicks und Warenkorb bis zum Kauf, jeweils im Vergleich zum Gesamtmarkt des Suchbegriffs. Hier sehen Sie, an welcher Stelle des Trichters Sie verlieren.
  • Produktvergleich — welche ASINs Kunden neben Ihrer angesehen haben.
  • Alternatives Kaufverhalten — was Kunden stattdessen gekauft haben. Das ist Ihre echte Wettbewerberliste, nicht die, die Sie vermuten.
  • Warenkorbanalyse — welche Produkte zusammen gekauft werden, relevant für Bundles und Cross-Selling.

Wie Sie diese Berichte im Alltag lesen, haben wir in Amazon Brand Analytics ausführlicher beschrieben.

Der Produkt-Chancen-Explorer ergänzt die Marktsicht: Suchvolumen, Preisspannen, Anzahl der Anbieter und Saisonverläufe je Nische. Für Eintrittsentscheidungen ist das der schnellste Einstieg.

Amazon Ads liefert zwei unterschätzte Werte: den Anteil an Impressionen und die Suchbegriff-Berichte. Beide zeigen, wo Wettbewerber Ihnen Sichtbarkeit abnehmen, ohne dass Sie den Namen kennen müssen.

Erlaubt: öffentlich sichtbare Produktdaten auswerten, Bewertungen lesen, Preise beobachten, Marktdaten aus Ihren eigenen Berichten nutzen, Preishistorien-Dienste verwenden.

⚠️ Nicht erlaubt: fremde Konten oder Berichte einsehen, Bewertungen manipulieren, Wettbewerber in Ihren Listings namentlich herabsetzen, Testkäufe zur Erzeugung falscher Signale. Der letzte Punkt führt regelmäßig zu Kontosperrungen — und wettbewerbsrechtlich zu Abmahnungen.

Die rechtliche Einordnung ist hier bewusst als Orientierung formuliert. Bei konkreten Zweifeln, etwa zu automatisiertem Auslesen fremder Seiten, holen Sie bitte anwaltlichen Rat ein.

Gilt analog für Otto und Kaufland: Die Datentiefe ist geringer, das Vorgehen identisch. Den kanalübergreifenden Rahmen finden Sie in Marktplatz-Wettbewerbsanalyse.

In 8 Schritten zur Amazon Wettbewerbsanalyse

Dieses Vorgehen nutzen wir bei AMZ+ Consulting beim Onboarding neuer Kunden. Es ist bewusst schlank gehalten.

  1. Frage festlegen. Verlust, Eintritt oder Preis — genau eine Fragestellung pro Analyse.
  2. Produktgruppe abgrenzen. Nicht das ganze Sortiment, sondern eine Gruppe mit gleicher Kundenlogik.
  3. Wettbewerber identifizieren. Nicht aus dem Bauch, sondern über den Bericht zum alternativen Kaufverhalten und die zehn organisch führenden ASINs Ihrer drei wichtigsten Suchbegriffe.
  4. Die fünf Datenblöcke erfassen. Eine Tabellenzeile je ASIN, feste Spalten, keine Fließtexte.
  5. Trichter vergleichen. Über die Suchbegriff-Performance prüfen, ob Ihnen Impressionen, Klicks oder die Conversion fehlen. Jede Stufe hat eine andere Ursache und eine andere Maßnahme.
  6. Werbedruck messen. Anteil an Impressionen je Suchbegriff und Anteil der Klicks aus Produkt-Targeting. So trennen Sie organische von bezahlten Verlusten.
  7. Drei Maßnahmen ableiten. Maximal drei, mit Verantwortlichem und Termin. Alles darüber wird nicht umgesetzt.
  8. Wiedervorlage setzen. Monatlich Preise, Bewertungen und Impression Share, quartalsweise die volle Analyse.

💡 Tipp: Schritt 5 ist der eigentliche Kern. Wer nur Preise vergleicht, landet fast immer bei der Empfehlung „günstiger werden" — und das ist selten die richtige Antwort.

Rechenbeispiel: Was ein Prozentpunkt Impression Share kostet

Rechenbeispiel: Angenommen, ein Händler mit 500.000 EUR Jahresumsatz auf Amazon hat auf seinem wichtigsten Suchbegriff einen Anteil an Impressionen von 22 Prozent. Der Suchbegriff bringt monatlich 40.000 Impressionen im Gesamtmarkt.

22 Prozent bedeuten 8.800 Impressionen für ihn. Bei 0,45 Prozent Klickrate sind das 40 Klicks, bei 12 Prozent Conversion rund 5 Bestellungen zu 45 EUR — etwa 216 EUR Umsatz im Monat aus diesem einen Begriff.

Steigt der Anteil auf 30 Prozent, sind es 12.000 Impressionen, 54 Klicks und rund 6 bis 7 Bestellungen. Der Zuwachs liegt bei etwa 80 bis 90 EUR Umsatz monatlich.

💰 Interessant wird es beim Vergleich der Hebel: Dieselbe Umsatzsteigerung erreicht der Händler auch, wenn er die Conversion von 12 auf 15 Prozent hebt — durch bessere Bilder, klarere Bulletpoints oder das Auflösen eines wiederkehrenden Kritikpunkts aus den Bewertungen.

Der zweite Weg kostet einmalig Arbeitszeit. Der erste kostet jeden Monat Werbebudget.

Genau diese Gegenüberstellung ist das Ergebnis einer guten Wettbewerbsanalyse: Sie zeigt, welcher Hebel bei Ihnen der günstigere ist. Wenn Sie diese Rechnung für Ihr Sortiment aufgestellt haben wollen, sprechen wir darüber.

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Was Sie jetzt tun können

Ein Vorgehen, das Sie ohne zusätzliches Budget in vier Wochen umsetzen können:

Sofort

  • Prüfen, ob Brand Analytics in Ihrem Konto freigeschaltet ist
  • Bericht „Alternatives Kaufverhalten" für Ihre drei umsatzstärksten ASINs ziehen
  • Die tatsächlichen Wettbewerber notieren — oft sind es andere als gedacht

Diese Woche

  • Fünf Wettbewerber je Produktgruppe festlegen
  • Tabelle mit den fünf Datenblöcken anlegen
  • Ein- und Zwei-Sterne-Bewertungen der Wettbewerber durchlesen und Muster notieren

Dieser Monat

  • Suchbegriff-Performance auswerten: Wo bricht der Trichter?
  • Anteil an Impressionen für die zehn wichtigsten Suchbegriffe dokumentieren
  • Drei Maßnahmen definieren, terminieren, umsetzen

Wann Sie sich das sparen können: Wenn Ihr Sortiment weniger als zehn ASINs umfasst und Sie den Markt persönlich kennen, ist eine formale Analyse Overhead. Dann reicht die monatliche Preis- und Bewertungsbeobachtung. Auch eine Agentur bringt in dieser Größenordnung selten genug zusätzlichen Ertrag, um ihre Kosten zu decken — das sagen wir Interessenten offen.

Wer parallel auf Otto, Kaufland oder eBay verkauft, braucht Preis- und Bestandsentscheidungen, die alle Kanäle gleichzeitig berücksichtigen. Dafür haben wir MarketplAIce entwickelt: eine vorausschauende KI, die Repricing, Bestände und Gebote kanalübergreifend steuert, statt jeden Marktplatz einzeln zu betrachten. Wie Preisentscheidungen strategisch eingebettet werden, steht in unserem Beitrag zur Amazon Preisstrategie.

FAQ: Häufige Fragen zur Amazon Wettbewerbsanalyse

Diese Fragen kommen in Erstgesprächen bei AMZ+ Consulting regelmäßig auf.

Brauche ich ein kostenpflichtiges Tool?

Nein, nicht für den Anfang. Brand Analytics, der Produkt-Chancen-Explorer und Ihre Ads-Berichte decken die wichtigsten Fragen ab. Externe Werkzeuge lohnen sich, wenn Sie viele ASINs dauerhaft überwachen wollen und Ihnen manuelle Erfassung zu teuer wird.

Darf ich Wettbewerber-Seiten automatisiert auslesen?

Das ist rechtlich und vertraglich heikel und hängt von der konkreten Umsetzung sowie den Nutzungsbedingungen ab. Als Orientierung: Manuelles Ansehen öffentlicher Seiten ist unproblematisch, automatisiertes Massenauslesen sollten Sie vorher rechtlich prüfen lassen.

Wie erkenne ich meine echten Wettbewerber?

Über den Bericht „Alternatives Kaufverhalten" in Brand Analytics. Er zeigt, welche Produkte Kunden gekauft haben, nachdem sie Ihre Detailseite besucht haben. Das ist zuverlässiger als jede Vermutung aus der Kategorie.

Wie oft sollte ich analysieren?

Preise und Verfügbarkeit wöchentlich, Bewertungen und Werbedruck monatlich, die vollständige Analyse einmal pro Quartal. Häufiger führt zu Aktionismus, seltener zu Überraschungen.

Was sagt der Anteil an Impressionen aus?

Er zeigt, welchen Teil der verfügbaren Werbeeinblendungen zu einem Suchbegriff Sie erhalten haben. Ein niedriger Wert bedeutet entweder zu geringes Gebot, zu kleines Budget oder mangelnde Relevanz — die drei Ursachen erfordern unterschiedliche Reaktionen.

Darf ich Wettbewerber im Listing nennen?

Vergleichende Werbung ist in engen Grenzen zulässig, auf Marktplätzen aber praktisch nicht empfehlenswert. Amazon untersagt in seinen Richtlinien die Nennung anderer Anbieter im Listing, und wettbewerbsrechtlich drohen Abmahnungen. Verzichten Sie darauf.

Ist Produkt-Targeting auf Wettbewerber sinnvoll?

Es kann funktionieren, wenn Ihr Produkt ein klares Argument hat — besserer Preis je Einheit, mehr Inhalt, besseres Bewertungsbild. Ohne dieses Argument zahlen Sie für Klicks, die nicht konvertieren. Mehr dazu im Beitrag zu Amazon PPC Produkt-Targeting.

Über den Autor

Jorginho Engelmeyer ist Geschäftsführer der AMZ+ Consulting GmbH und begleitet seit über acht Jahren Händler und Marken auf Amazon, Otto, Kaufland, eBay und Temu. Schwerpunkte sind PPC-Management, Listing- und Content-Optimierung, Repricing, Controlling und Marktplatz-Strategie.

AMZ+ Consulting arbeitet als Agentur mit eigener KI-Technologie. Analysen entstehen dadurch aus echten Kontodaten statt aus Schätzwerten — und münden in konkrete Maßnahmen statt in Präsentationen.

Sie wollen wissen, wo Sie im Wettbewerb tatsächlich stehen? Wir schauen gemeinsam auf Ihre Zahlen.

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Zuletzt aktualisiert: 15. August 2026

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