Zum Inhalt springen
Ratgeber

EAN & GTIN 2026: Barcodes für Marktplätze richtig verwalten

EAN, GTIN, GTIN-Exemption, GS1-Vergabe und die 2D-Barcode-Umstellung 2027: So verwalten Sie Ihre Produktnummern für Amazon, Otto und Kaufland sauber.

✍️ Jorginho Engelmeyer📅 15. Juli 202610 Min. Lesezeit
EAN & GTIN 2026: Barcodes für Marktplätze richtig verwalten

Die kurze Antwort: Eine GTIN (Global Trade Item Number, oft als EAN sichtbar) ist die weltweit eindeutige Produktnummer, über die Amazon, Otto und Kaufland Ihr Angebot ihrem Katalog zuordnen. Diese Nummern vergibt ausschließlich die GS1 — entweder als Einzel-GTIN oder über einen Firmenpräfix für viele Produkte. Wer stattdessen billige EANs aus dubiosen Quellen kauft, riskiert die Sperrung seiner Listings, weil die Nummer auf einen fremden Firmennamen registriert ist. Für Eigenmarken ohne Barcode bietet Amazon eine GTIN-Exemption. Und ab 2027 kommt mit der GS1-Sunrise-Initiative der 2D-Barcode. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie Ihre Produktnummern sauber aufsetzen — kanalübergreifend und zukunftssicher.

Inhalt

GTIN, EAN, ASIN: Was ist der Unterschied?

Bevor Sie Nummern verwalten, sollten Sie wissen, was jede davon leistet. Die Begriffe werden im Alltag oft vermischt, meinen aber Verschiedenes.

Die GTIN ist der Oberbegriff für die weltweit eindeutige Produktnummer. Die 13-stellige EAN ist die in Europa übliche Erscheinungsform der GTIN. Beide identifizieren dasselbe Produkt eindeutig.

Die ASIN dagegen ist eine reine Amazon-interne Nummer. Sie entsteht, wenn Amazon Ihr Produkt anlegt, und existiert nur innerhalb von Amazon. Otto und Kaufland arbeiten mit eigenen Artikel-IDs, ordnen Ihr Angebot aber ebenfalls über die GTIN dem Katalog zu.

Der entscheidende Punkt: Die GTIN ist Ihr kanalübergreifender Ankerpunkt. Nur wenn dieselbe Nummer überall korrekt hinterlegt ist, matchen die Marktplätze Ihr Produkt sauber und Sie vermeiden Dubletten. Sauber gepflegte Produktdaten sind die Grundlage für jeden Multichannel-Vertrieb — mehr dazu in unserem Beitrag zu PIM und Produktdaten im Multichannel.

GS1-Vergabe: Einzel-GTIN oder Firmenpräfix?

GTINs bekommen Sie nur von einer offiziellen Stelle. In Deutschland ist das GS1 Germany. Dort haben Sie zwei Wege — und die Wahl hängt von Ihrer Sortimentsgröße ab.

Der Firmenpräfix ist die klassische Lösung für Hersteller mit vielen Produkten. Sie lizenzieren einen Nummernblock und vergeben daraus selbst so viele GTINs, wie Sie brauchen. Das lohnt sich ab einer zweistelligen Produktzahl.

Die Einzel-GTIN ist neuer und richtet sich an kleine Marken. Sie kaufen genau so viele Nummern, wie Sie Produkte haben — ohne laufende Lizenzgebühr für einen ganzen Block. Für einen Händler mit fünf Eigenprodukten ist das oft die günstigere Variante.

⚠️ Finger weg von "Billig-EANs": Im Netz werden EAN-Nummern für wenige Cent verkauft, oft aus alten Firmenpräfixen weiterverkauft. Diese Nummern sind bei GS1 auf einen fremden Firmennamen registriert. Amazon gleicht die GTIN gegen die GS1-Datenbank ab — stimmt der Markenname nicht überein, wird das Listing abgelehnt oder nachträglich gesperrt. Diesen Konflikt sehen wir bei AMZ+ Consulting regelmäßig, wenn Händler zu uns kommen, deren Listings ohne erkennbaren Grund deaktiviert wurden.

Der Aufbau einer sauberen GTIN-Struktur ist Fleißarbeit, aber einmalig. Genau hier setzt die Arbeit einer Marktplatz-Agentur an: Wir richten das Nummernsystem so ein, dass es über Amazon, Otto und Kaufland konsistent bleibt.

GTIN-Pflicht und Ausnahmen je Marktplatz

Ob Sie überhaupt eine GTIN brauchen, hängt vom Marktplatz und vom Produkt ab. Die Regeln unterscheiden sich deutlich.

Amazon verlangt grundsätzlich eine GTIN, gleicht sie gegen die GS1-Datenbank ab und lässt Ausnahmen nur über die GTIN-Exemption zu. Diese greift für Eigenmarken ohne Barcode, handgefertigte Produkte, Ersatzteile ohne Produkt-ID, Bundles und generische Ware ohne Marke.

Otto und Kaufland arbeiten stärker über das Katalog-Matching. Für viele Markenprodukte müssen Sie Ihr Angebot an einen bestehenden Katalogeintrag anhängen — dafür ist die korrekte GTIN Pflicht. Bei Eigenmarken legen Sie einen neuen Katalogeintrag an und liefern die GTIN gleich mit.

Wichtig ist der Grundsatz: Ein Produkt, eine GTIN. Jede Variante — jede Farbe, jede Größe — braucht eine eigene Nummer. Wer eine GTIN für mehrere Varianten wiederverwendet, produziert Matching-Fehler und riskiert Vertriebssperren.

Wann sich der Aufwand einer Agentur nicht lohnt: Wenn Sie fünf klar strukturierte Produkte auf einem einzigen Marktplatz verkaufen, bekommen Sie die GTIN-Pflege selbst hin. Kanalübergreifend, mit Varianten und dutzenden SKUs, wird es dagegen schnell fehleranfällig — dann spart die Beratung mehr, als sie kostet.

In 6 Schritten zur GTIN-Exemption bei Amazon

Wenn Sie eine Eigenmarke ohne Barcode verkaufen, ersparen Sie sich mit der GTIN-Exemption den Kauf von GS1-Nummern. So gehen Sie vor.

  1. Markenregistrierung prüfen. Ihre Marke sollte im Amazon Brand Registry eingetragen sein. Das setzt in der Regel eine eingetragene Wortmarke voraus.
  2. Kategorie öffnen. Rufen Sie in Seller Central unter "Katalog" den Punkt "Ausnahme von der Produkt-ID beantragen" auf und wählen Sie Ihre Produktkategorie und Marke.
  3. Fotos vorbereiten. Amazon verlangt 2 bis 9 echte Produktfotos. Entscheidend: Auf Produkt und Verpackung darf KEIN GS1-Barcode sichtbar sein — sonst lehnt Amazon sofort ab.
  4. Antrag einreichen. Laden Sie die Bilder hoch und bestätigen Sie, dass das Produkt keine eigene GTIN besitzt.
  5. Bestätigung abwarten. Amazon entscheidet nach eigenen Angaben meist innerhalb von etwa 48 Stunden.
  6. Listing anlegen. Nach Freigabe erstellen Sie das Angebot ohne Produkt-ID. Amazon vergibt eine ASIN.

💡 Wichtige Einschränkung: Die Exemption ist nicht für Marken gedacht, die bereits GS1-Barcodes auf ihren Produkten führen. Wer schon Barcodes nutzt, muss die GTIN regulär hinterlegen (Stand: Juli 2026, Quelle: Amazon Seller Central Hilfe / SellerApp).

Der größte Umbruch bei Barcodes seit Jahrzehnten steht bevor. Die GS1-Sunrise-2027-Initiative bringt den 2D-Barcode an die Kasse.

Bisher steckt in einem EAN-Strichcode nur die GTIN. Der neue GS1 Digital Link — meist als QR-Code — verbindet die GTIN mit einer strukturierten URL. Derselbe Code liefert an der Kasse den Preis und führt Kunden gleichzeitig zu Produktinformationen online.

Die Sunrise-2027-Marke bedeutet: Ab 2027 sollen Händler und Kassensysteme in der Lage sein, 2D-Barcodes am Point of Sale zu verarbeiten. Während der Übergangsphase tragen Produkte oft beide Codes parallel — den klassischen EAN und den 2D-Code (Stand: Juli 2026, Quelle: GS1 US, Sunrise 2027).

Für Marktplatz-Händler ist das zunächst kein Pflichttermin, sondern ein Trend, den Sie im Blick behalten sollten. Die eindeutige GTIN bleibt der Kern — der 2D-Code ist die modernere Verpackung drumherum. Wer heute seine GTIN-Struktur sauber aufsetzt, ist für diese Umstellung automatisch gut vorbereitet.

Rechenbeispiel: GS1-Präfix vs. Einzel-GTINs

Ein hypothetisches Beispiel zeigt, wann sich welche GS1-Variante rechnet. Die Zahlen sind Annahmen zur Veranschaulichung, keine offiziellen GS1-Preise.

Rechenbeispiel (hypothetisch): Ein Händler mit 8 Eigenprodukten überlegt zwischen Einzel-GTINs und einem Firmenpräfix.

  • Variante A — 8 Einzel-GTINs: einmalige Kosten pro Nummer, keine laufende Blocklizenz. Bei 8 Produkten überschaubar und ohne jährliche Grundgebühr für einen ganzen Präfix.
  • Variante B — Firmenpräfix: höhere Grund- und Jahresgebühr, dafür aus dem Block hunderte GTINs frei vergebbar.

Das Ergebnis: Bei 8 Produkten und stabilem Sortiment fährt der Händler mit Einzel-GTINs meist günstiger. Plant er dagegen, in zwei Jahren auf 80 Varianten zu wachsen, amortisiert sich der Präfix schnell — dann zahlt er einmal die Blockgebühr statt 80 Einzelnummern. Die richtige Entscheidung hängt also nicht am heutigen Sortiment, sondern an der Wachstumsplanung.

Die konkreten Gebühren erfahren Sie direkt bei GS1 Germany. Wir bei AMZ+ Consulting helfen Ihnen, die Variante zu wählen, die zu Ihrer Sortiments- und Wachstumsplanung passt.

Unsicher, ob Ihre Produktnummern sauber aufgesetzt sind? Wir prüfen Ihre GTIN-Struktur über Amazon, Otto und Kaufland und richten sie fehlerfrei ein. → Kostenloses Erstgespräch buchen

Was Sie jetzt tun können

Fassen wir die wichtigsten Schritte zusammen, mit denen Sie Ihre Barcode-Verwaltung heute auf saubere Füße stellen.

Prüfen Sie zuerst, ob alle GTINs in Ihrem Sortiment auf Ihren eigenen Firmennamen bei GS1 registriert sind. Aussortieren sollten Sie alle "gekauften Billig-EANs" — sie sind tickende Zeitbomben für Ihre Listings.

Sorgen Sie dafür, dass jede Variante ihre eigene GTIN hat und dass dieselbe Nummer auf allen Marktplätzen identisch hinterlegt ist. Für Eigenmarken ohne Barcode nutzen Sie die GTIN-Exemption statt teurer Nummern.

Behalten Sie den 2D-Barcode ab 2027 im Blick, aber ohne Hektik. Wenn Ihre GTIN-Basis stimmt, ist die Umstellung kein Bruch. Wer die kanalübergreifende Pflege nicht selbst stemmen will, holt sich eine Marktplatz-Agentur wie AMZ+ Consulting an Bord. Für die laufende Preis- und Bestandssteuerung über alle Kanäle setzen wir zusätzlich auf die vorausschauende KI von MarketplAIce, die Repricing, Bestand und Gebote über Amazon, Otto und Kaufland automatisch synchron hält.

FAQ: EAN & GTIN auf Marktplätzen

Sind EAN und GTIN dasselbe?

GTIN ist der Oberbegriff für die eindeutige Produktnummer. Die 13-stellige EAN ist die in Europa gängige Erscheinungsform der GTIN. In der Praxis meinen beide Begriffe dieselbe Nummer, die Ihr Produkt weltweit identifiziert.

Darf ich günstige EANs online kaufen?

Davon raten wir dringend ab. Solche Nummern stammen meist aus fremden Firmenpräfixen und sind bei GS1 auf einen anderen Firmennamen registriert. Amazon gleicht die GTIN gegen die GS1-Datenbank ab und sperrt Listings, deren Markenname nicht übereinstimmt.

Was ist eine GTIN-Exemption?

Die GTIN-Exemption ist eine Ausnahmegenehmigung von Amazon, mit der Sie Produkte ohne Barcode listen dürfen. Sie gilt für Eigenmarken, handgefertigte Ware, Ersatzteile, Bundles und generische Produkte. Voraussetzung sind meist eine Markenregistrierung und echte Produktfotos ohne sichtbaren Barcode.

Brauchen Otto und Kaufland auch eine GTIN?

Ja. Beide Marktplätze ordnen Ihr Angebot über die GTIN dem Katalog zu. Bei Markenprodukten hängen Sie sich an einen bestehenden Katalogeintrag an, bei Eigenmarken legen Sie einen neuen an und liefern die GTIN mit.

Braucht jede Produktvariante eine eigene GTIN?

Ja. Der Grundsatz lautet: ein Produkt, eine GTIN. Jede Farbe und jede Größe ist eine eigene Variante und braucht eine eigene Nummer. Wer GTINs mehrfach verwendet, erzeugt Matching-Fehler und riskiert Sperren.

Was bedeutet die GS1-Sunrise 2027?

Sunrise 2027 ist der Zeitpunkt, ab dem Händler und Kassensysteme 2D-Barcodes wie den GS1 Digital Link verarbeiten sollen. Der 2D-Code kombiniert die GTIN mit einer URL und weiteren Daten. Für Sie ist das vorerst ein Trend, kein Pflichttermin (Stand: Juli 2026, Quelle: GS1 US).

Lohnt sich für kleine Händler ein GS1-Firmenpräfix?

Das hängt vom Sortiment ab. Bei wenigen Produkten sind Einzel-GTINs meist günstiger, weil keine Blocklizenz anfällt. Wer schnell auf viele Varianten wachsen will, fährt mit einem Präfix langfristig besser. Entscheidend ist Ihre Wachstumsplanung, nicht die heutige Produktzahl.

Über den Autor

Jorginho Engelmeyer ist Geschäftsführer der AMZ+ Consulting GmbH und seit über 8 Jahren auf Amazon, Otto und Kaufland für Händler aktiv.

Kostenloses Erstgespräch buchen

Zuletzt aktualisiert: 15. Juli 2026

Lohnt sich eine Agentur für Ihr Geschäft?

Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir uns Ihre Zahlen gemeinsam an — unverbindlich und ehrlich.

Kostenloses Erstgespräch buchen
Kostenfreies Erstgespräch buchen