Zum Inhalt springen
Strategie

Multichannel 2026: Warum Amazon allein nicht mehr reicht

Amazon verliert 2026 erstmals Marktanteile in Deutschland. Warum Händler jetzt auf Otto und Kaufland setzen sollten — und wie eine Multichannel-Strategie gelingt.

✍️ Jorginho Engelmeyer📅 17. Juni 20269 Min. Lesezeit
Multichannel 2026: Warum Amazon allein nicht mehr reicht

Amazon ist mit rund 63 Prozent Anteil am deutschen E-Commerce weiterhin der mit Abstand größte Kanal (Quelle: Ostend Digital, 2026). Doch 2026 verliert Amazon in Deutschland erstmals strukturell Marktanteile — Otto, Kaufland und eBay holen auf (Quelle: Xpert.Digital, April 2026). Für Händler heißt das: Wer ausschließlich auf Amazon setzt, trägt ein wachsendes Klumpenrisiko.

Die Antwort darauf ist keine Abkehr von Amazon, sondern eine professionelle Multichannel-Strategie: Amazon als Anker behalten, zusätzliche Kanäle gezielt erschließen. In diesem Artikel lesen Sie, warum 2026 der richtige Zeitpunkt dafür ist, welcher Marktplatz zu welchem Sortiment passt und wie Sie den Aufbau ohne Chaos meistern.

Amazon dominiert — verliert 2026 aber erstmals Anteile

Der deutsche E-Commerce wächst 2026 weiter, auf rund 86 Milliarden Euro (+3,8 Prozent) (Quelle: Ostend Digital, 2026). Über die Hälfte davon — etwa 56 Prozent beziehungsweise rund 46 Milliarden Euro — läuft über Online-Marktplätze (Quelle: INOVANET, 2026).

Amazon bleibt dabei der Riese. Aber das Wachstum verteilt sich 2026 erstmals spürbar breiter: Kaufland punktet mit europäischer Expansion und Cross-Border-Potenzial, Otto mit kaufkräftigen Kunden und besseren Margen, eBay mit Nischen und Recommerce (Quelle: Xpert.Digital, April 2026).

Für Sie als Händler ist das eine doppelte Botschaft: Amazon bleibt unverzichtbar — aber die Wachstumschancen liegen 2026 zunehmend daneben.

Das Klumpenrisiko: Warum Amazon-only gefährlich wird

Händler allein im dunklen Büro, dessen Geschäft von einem einzigen Verkaufskanal abhängt

Wenn 80, 90 oder 100 Prozent Ihres Umsatzes über einen einzigen Kanal laufen, hängt Ihr gesamtes Geschäft an dessen Regeln. Eine Kontosperre, eine Richtlinienänderung, eine Gebührenerhöhung oder ein abgestuftes Listing — und Ihr Umsatz bricht über Nacht ein, ohne dass Sie etwas dagegen tun können.

Dieses Konzentrationsrisiko ist 2026 realer denn je, weil der Wettbewerb auf Amazon dichter und teurer wird. Ein zweiter und dritter Kanal ist deshalb nicht nur eine Wachstums-, sondern auch eine Absicherungsstrategie.

Wichtig: Diversifizieren heißt nicht, Amazon zu vernachlässigen. Amazon bleibt für die meisten Händler der Ankerkanal mit der größten Reichweite. Es geht darum, zusätzliche Standbeine aufzubauen.

Die Kanäle im Überblick — welcher passt zu Ihnen?

Nicht jeder Marktplatz passt zu jedem Sortiment. Ein kurzer Überblick, wofür sich die wichtigsten Alternativen 2026 eignen:

  • Otto — Stark bei Mode, Möbeln, Wohnen und Lifestyle. Kaufkräftige, markenaffine Kunden und tendenziell bessere Margen als auf Amazon. Geeignet für Händler mit eigener Marke und erklärungsbedürftigeren Produkten.
  • Kaufland — Breites Sortiment, schnell wachsend, mit europäischer Expansion. Interessant für preisbewusste Sortimente und Händler, die früh Cross-Border-Potenzial heben wollen.
  • eBay — Relevant für Nischen, Ersatzteile, Sammlerstücke und Recommerce (Gebrauchtware). Stark bei gezielter Suchintention.

Welcher Kanal sich konkret lohnt, hängt von Sortiment, Marge und Zielgruppe ab — nicht von einer pauschalen Empfehlung.

So bauen Sie eine Multichannel-Strategie auf

Team verbindet im Operations-Room mehrere Marktplatz-Dashboards zu einer Multichannel-Steuerung

Ein zweiter Kanal scheitert selten am Verkaufspotenzial, sondern an der operativen Umsetzung. Diese fünf Schritte halten den Aufbau sauber:

  1. Kanal priorisieren. Wählen Sie einen zweiten Kanal, der zu Sortiment und Marge passt — nicht alle gleichzeitig. Lieber ein Kanal richtig als drei halb.
  2. Sortiment selektieren. Nicht jedes Produkt gehört auf jeden Marktplatz. Starten Sie mit den Artikeln, die dort die beste Marge und Nachfrage erwarten lassen.
  3. Listings plattformgerecht aufbauen. Jede Plattform hat eigene Anforderungen an Titel, Attribute und Bilder. Ein 1:1-Kopieren der Amazon-Listings funktioniert selten.
  4. Bestand und Preise synchronisieren. Echtzeit-Abgleich von Lager und Preisen über alle Kanäle ist Pflicht, sonst drohen Überverkäufe und Strafen.
  5. Steuerung zentralisieren. Werbung, Repricing und Controlling sollten kanalübergreifend gesteuert werden — sonst verlieren Sie den Überblick über die echte Marge je Kanal.

Genau hier wird Multichannel anspruchsvoll: Je mehr Kanäle, desto mehr Listings, Gebührenmodelle und Datenquellen. Als Marktplatz-Agentur übernimmt die AMZ+ Consulting GmbH diese Steuerung über Amazon, Otto und Kaufland aus einer Hand — unterstützt durch unsere eigene KI-Plattform, die Gebote und Preise vorausschauend statt reaktiv anpasst.

Rechenbeispiel: Was ein zweiter Kanal bringen kann

Unternehmer vor mehreren Bildschirmen mit steigenden Umsätzen über verschiedene Marktplätze

Rechenbeispiel (hypothetisch, zur Illustration): Angenommen, ein Händler macht 60.000 Euro Monatsumsatz auf Amazon. Er erschließt Otto als zweiten Kanal und verlagert dort einen Teil seines Markensortiments.

Erreicht der zweite Kanal nach einigen Monaten nur 15 Prozent zusätzlichen Umsatz, sind das 9.000 Euro im Monat — bei oft besserer Marge als auf Amazon, weil der Wettbewerbs- und Werbedruck geringer ist. Mindestens ebenso wichtig: Fällt Amazon einmal aus, steht nicht mehr das gesamte Geschäft still.

Die ehrliche Kehrseite: Ein zweiter Kanal kostet anfangs Zeit und Aufwand für Setup, Listings und Synchronisation. Er rechnet sich vor allem dann, wenn Ihr Sortiment auf dem Zielkanal echte Nachfrage hat — nicht als Selbstzweck.

Die häufigsten Fehler beim Multichannel-Start

Aus der Praxis wiederholen sich beim Aufbau eines zweiten Kanals immer dieselben Fehler — sie kosten Zeit, Geld und im schlimmsten Fall den Account:

  • Zu viele Kanäle auf einmal. Wer Otto, Kaufland und eBay gleichzeitig startet, betreut am Ende keinen davon richtig. Ein Kanal sauber schlägt drei halb.
  • Listings 1:1 kopieren. Amazon-Texte funktionieren auf Otto oder Kaufland selten. Andere Kategorien, andere Pflichtattribute, andere Suchlogik — die Sichtbarkeit bleibt sonst aus.
  • Bestand nicht synchronisiert. Ohne Echtzeit-Abgleich verkaufen Sie Artikel, die schon weg sind. Überverkäufe führen zu Stornos, schlechten Bewertungen und Plattform-Strafen.
  • Marge nicht je Kanal gerechnet. Jeder Marktplatz hat eigene Gebührenmodelle. Wer nur den Gesamtumsatz sieht, übersieht, welcher Kanal wirklich Gewinn bringt — und welcher Verlust macht.
  • Kein klarer Verantwortlicher. Multichannel scheitert oft daran, dass sich „nebenbei" niemand wirklich kümmert. Entweder ein klar zuständiges Team — oder ein externer Partner.

Diese Fehler sind vermeidbar, wenn der Aufbau von Anfang an strukturiert läuft und die Steuerung zentral bleibt.

Was Sie jetzt tun können

Prüfen Sie zunächst Ihre Abhängigkeit: Wie viel Prozent Ihres Umsatzes laufen heute über Amazon? Liegt der Wert über 80 Prozent, ist ein zweiter Kanal 2026 dringender als zusätzliches Amazon-Wachstum. Schauen Sie dann, welcher Marktplatz zu Ihrem margenstärksten Sortiment passt.

Wenn Sie wissen möchten, welcher zweite Kanal sich für Ihr Sortiment rechnet und wie der Aufbau realistisch aussieht, schauen wir uns Ihre Zahlen gemeinsam an — unverbindlich und ehrlich. Wie eine Agentur-Zusammenarbeit kostenseitig aussieht, lesen Sie im Beitrag Was kostet eine Amazon-Agentur 2026?.

Kostenloses Erstgespräch buchen

FAQ: Häufige Fragen zu Multichannel 2026

Lohnt sich Multichannel 2026 wirklich oder reicht Amazon?

Amazon bleibt mit rund 63 Prozent E-Commerce-Anteil der wichtigste Kanal, verliert 2026 aber erstmals Marktanteile. Ein zweiter Kanal senkt das Klumpenrisiko und erschließt das Wachstum, das sich gerade von Amazon weg verschiebt.

Welcher Marktplatz ist die beste Amazon-Alternative?

Das hängt vom Sortiment ab. Otto passt zu Marken im Bereich Mode, Wohnen und Lifestyle mit kaufkräftigen Kunden, Kaufland zu preisbewussten und Cross-Border-Sortimenten, eBay zu Nischen und Gebrauchtware.

Sollte ich Amazon zugunsten anderer Kanäle aufgeben?

Nein. Für die meisten Händler bleibt Amazon der Ankerkanal mit der größten Reichweite. Multichannel bedeutet, zusätzliche Standbeine aufzubauen, nicht Amazon zu ersetzen.

Wie viele Kanäle sollte ich gleichzeitig starten?

Beginnen Sie mit einem zweiten Kanal und bauen Sie ihn sauber auf. Mehrere Kanäle gleichzeitig zu starten überfordert meist die operativen Prozesse — besonders Listings, Bestand und Preissynchronisation.

Was ist die größte Hürde bei Multichannel?

Nicht das Verkaufspotenzial, sondern die operative Umsetzung: plattformgerechte Listings, Echtzeit-Synchronisation von Bestand und Preisen sowie eine kanalübergreifende Steuerung von Werbung und Marge.

Kann ich meine Amazon-Listings einfach auf Otto und Kaufland kopieren?

Selten erfolgreich. Jede Plattform hat eigene Anforderungen an Titel, Attribute, Kategorien und Bilder. Listings sollten plattformgerecht aufgebaut werden, sonst leidet die Sichtbarkeit.

Brauche ich für Multichannel eine Agentur?

Nicht zwingend — aber je mehr Kanäle, desto komplexer werden Listings, Gebühren und Datensteuerung. Eine Marktplatz-Agentur bündelt die Steuerung über alle Kanäle und nimmt Ihnen den operativen Aufwand ab.

Über den Autor

Jorginho Engelmeyer ist Geschäftsführer der AMZ+ Consulting GmbH und seit über 8 Jahren auf Amazon, Otto und Kaufland für Händler aktiv.

Kostenloses Erstgespräch buchen

Lohnt sich eine Agentur für Ihr Geschäft?

Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir uns Ihre Zahlen gemeinsam an — unverbindlich und ehrlich.

Kostenloses Erstgespräch buchen
Kostenfreies Erstgespräch buchen