Pfandpflicht auf Amazon 2026: Getränke rechtssicher verkaufen
Pfand, Rücknahme und Kennzeichnung beim Getränkeverkauf über Amazon: Was seit dem VerpackDG und der PPWR ab August 2026 gilt und wie Sie Abmahnungen vermeiden.

Die kurze Antwort: Wer befüllte Einweg-Getränkeverpackungen über Amazon verkauft, muss ein Pfand von mindestens 0,25 Euro einschließlich Umsatzsteuer je Verpackung erheben, die Verpackung mit dem DPG-Kennzeichen versehen, im Angebot transparent auf das Pfand hinweisen und eine Rücknahmemöglichkeit im gesamten Versandgebiet sicherstellen. Seit dem 12. August 2026 gilt zusätzlich die EU-Verpackungsverordnung PPWR (VO (EU) 2025/40) unmittelbar in allen Mitgliedstaaten; das deutsche Verpackungsgesetz ist mit Ablauf des 11. August 2026 außer Kraft getreten und wurde durch das Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz (VerpackDG) ersetzt. Die Pfandsystematik selbst bleibt inhaltlich weitgehend erhalten, die Rechtsgrundlage und die Kennzeichnungs- und Konformitätspflichten haben sich aber verschoben.
Für Sie als Händler heißt das: Ihre Prozesse aus dem Jahr 2025 funktionieren technisch weiter, Ihre Rechtsverweise, Ihre Angebotstexte und Ihre Konformitätsunterlagen tun das nicht automatisch. Genau an dieser Lücke setzen Abmahnungen an.
Was sich zum 12. August 2026 geändert hat: PPWR und VerpackDG
Die Verordnung (EU) 2025/40 über Verpackungen und Verpackungsabfälle — kurz PPWR — wurde am 19. Dezember 2024 verabschiedet, trat am 11. Februar 2025 in Kraft und gilt seit dem 12. August 2026 unmittelbar in allen EU-Mitgliedstaaten. Weil eine EU-Verordnung keine nationale Umsetzung braucht, hat der deutsche Gesetzgeber das Verpackungsgesetz nicht angepasst, sondern abgelöst: Das VerpackG ist mit Ablauf des 11. August 2026 außer Kraft getreten. An seine Stelle tritt das Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz (VerpackDG), verkündet im Bundesgesetzblatt Teil I 2026 Nr. 207 vom 17. Juli 2026 (Stand: August 2026, Quelle: recht.bund.de).
Praktisch relevant sind drei Neuerungen. Erstens die Konformitätserklärung: Die PPWR verlangt für jede einzelne in Verkehr gebrachte Verpackung eine Konformitätserklärung nach EU-Muster. Das betrifft grundsätzlich den Hersteller im Rechtssinn — und Hersteller ist nach dem Verpackungsrecht nicht nur die Abfüllerei, sondern auch derjenige, der eine Verpackung erstmals in Deutschland in Verkehr bringt. Wenn Sie Getränke selbst importieren oder unter eigener Marke abfüllen lassen, sind Sie das.
Zweitens die vereinheitlichte Kennzeichnung: Die PPWR schreibt EU-weit harmonisierte Symbole zur Materialzusammensetzung und Entsorgung vor. Für die Umstellung gelten Übergangsfristen, die je nach Verpackungsart unterschiedlich lang sind. Das DPG-Pfandkennzeichen bleibt davon unberührt, kommt aber zusätzlich hinzu.
Drittens erste Anforderungen an Mehrwegsysteme für bestimmte Verpackungsformate. Für den klassischen Getränkeversand über Amazon spielt das aktuell eine untergeordnete Rolle, weil Mehrwegkästen im Paketversand kaum praktikabel sind — für Händler mit eigenem Regionalversand ist der Punkt aber zu beobachten.
Was sich nicht geändert hat: Die Registrierungspflicht im Verpackungsregister LUCID und die Systembeteiligungspflicht für Verkaufsverpackungen bestehen fort. Wer hier nicht registriert ist, darf in Deutschland keine Verpackung in Verkehr bringen — Amazon prüft das im Rahmen der Compliance-Abfragen im Seller Central aktiv ab. Dasselbe gilt analog für Otto und Kaufland.
Welche Getränke pfandpflichtig sind — und welche nicht
Die Pfandpflicht knüpft an drei Merkmale gleichzeitig an: Einwegverpackung, Getränk als Inhalt und Füllvolumen zwischen 0,1 und 3,0 Litern. Erfasst sind PET-Flaschen, Dosen, Getränkekartons und Glas-Einwegflaschen im genannten Volumenbereich.
Die Zahl der Ausnahmen ist über die Jahre systematisch geschrumpft. Seit Januar 2024 sind auch Milch und Milchmischgetränke mit einem Milchanteil von mindestens 50 Prozent pfandpflichtig; die frühere Bereichsausnahme ist damit entfallen. Ebenso wurden Verpackungen für alkoholfreie Fertiggetränke in die Pflicht einbezogen, die zuvor ausgenommen waren.
Nicht pfandpflichtig bleiben insbesondere Mehrwegverpackungen (die haben ihr eigenes, vertraglich geregeltes Pfand), Getränke außerhalb des Volumenkorridors von 0,1 bis 3,0 Litern sowie bestimmte diätetische Getränke und Erzeugnisse, die keine Getränke im Sinne des Verpackungsrechts sind — etwa flüssige Lebensmittelzubereitungen oder Sirupe, die nicht trinkfertig sind. Diese Abgrenzung ist in der Praxis die häufigste Fehlerquelle: Ein trinkfertiger Eistee in der 0,5-Liter-PET-Flasche ist pfandpflichtig, ein Sirupkonzentrat in derselben Flasche in der Regel nicht.
Ehrlicherweise: Bei Grenzfällen — Smoothies mit hohem Fruchtanteil, trinkbare Molkereiprodukte, Mischgetränke mit Zusatzstoffen — lässt sich die Einordnung nicht generisch beantworten. Hier ist eine schriftliche Einzelfallprüfung sinnvoll, idealerweise dokumentiert. Wenn Sie das Produkt fremdbeziehen, holen Sie sich die Pfandeinordnung schriftlich vom Lieferanten und legen Sie sie ab.
Wenn Sie ohnehin im Lebensmittelbereich unterwegs sind, greifen zusätzlich die Kennzeichnungspflichten der LMIV. Wir haben die Anforderungen an Lebensmittel-Listings separat aufgearbeitet: Lebensmittel auf Amazon verkaufen.
Pfandkennzeichnung und DPG-Teilnahme: die technischen Pflichten
Das Einwegpfandsystem in Deutschland wird über die DPG Deutsche Pfandsystem GmbH abgewickelt. Die DPG selbst ist keine Behörde und kein Entsorger, sondern die zentrale Clearingstelle: Sie sorgt dafür, dass Pfanderstattungsansprüche zwischen Herstellern, Händlern und Rücknahmestellen abgerechnet werden können.
Wer als Hersteller oder Importeur pfandpflichtige Einweg-Getränkeverpackungen erstmals in Deutschland in Verkehr bringt, muss sich bei der DPG registrieren und die Teilnahmebedingungen unterzeichnen. Dazu gehört die Beantragung einer Global Location Number (GLN), die Registrierung in der DPG-Stammdatenbank und die Hinterlegung der Artikeldaten mit einer 8- oder 13-stelligen GTIN. Die Verpackung selbst muss das DPG-Logo tragen, kombiniert mit einem maschinenlesbaren Strichcode auf Basis der GTIN. Nur so erkennt der Rücknahmeautomat die Verpackung und nur so funktioniert die Erstattung.
Ein häufiges Missverständnis: Wenn Sie ausschließlich fertig gekennzeichnete Handelsware eines deutschen Großhändlers weiterverkaufen, sind Sie in der Regel nicht selbst DPG-Systemteilnehmer — die Erstinverkehrbringung hat bereits jemand anders erledigt. Sobald Sie aber direkt aus dem Ausland importieren, greift die Herstellerstellung. Importierte Ware ohne DPG-Kennzeichnung darf in Deutschland nicht ohne Weiteres verkauft werden; sie muss entweder korrekt vorgekennzeichnet sein oder mit zugelassenen Nachlabels versehen werden.
Für das Angebot auf Amazon gilt: Im Versandhandel müssen die Hinweise auf das Pfand in den jeweils verwendeten Darstellungsmedien gegeben werden. Konkret bedeutet das ein klar erkennbarer Hinweis auf Pfandpflicht und Pfandhöhe in der Angebotsdarstellung — nicht versteckt in einer Fußnote und nicht erst im Warenkorb. Der Gesamtpreis inklusive Pfand muss für den Kunden vor Vertragsschluss transparent sein. Genau hier setzen wettbewerbsrechtliche Abmahnungen regelmäßig an, weil der Punkt technisch leicht zu prüfen ist.
Rücknahmepflicht im Versandhandel: der kritische Punkt für Amazon-Händler
Vertreiber von befüllten Einweg-Getränkeverpackungen sind verpflichtet, restentleerte Verpackungen unentgeltlich zurückzunehmen und das Pfand zu erstatten — am Ort der tatsächlichen Übergabe oder in dessen unmittelbarer Nähe, zu den geschäftsüblichen Öffnungszeiten. Für den stationären Handel ist das trivial: Der Automat steht im Markt.
Für den Versandhandel ist der "Ort der tatsächlichen Übergabe" die Haustür des Kunden. Das ist der Grund, warum die Rücknahmepflicht im Onlinehandel praktisch so unangenehm ist: Sie müssen eine Rücknahmemöglichkeit im gesamten Versandgebiet sicherstellen. In der Praxis lösen Händler das über eine der folgenden Konstruktionen:
Erstens die Abholung bei Nachlieferung — der Fahrer nimmt das Leergut der Vorlieferung mit. Das funktioniert nur bei eigener Zustellung oder bei Speditionslieferung mit entsprechender Vereinbarung, nicht im Paketversand über KEP-Dienstleister.
Zweitens die Rückgabe per Paket mit vorfrankiertem Rücksendeetikett. Rechtlich vertretbar, wirtschaftlich in vielen Fällen ruinös, weil die Portokosten das Pfand deutlich übersteigen.
Drittens die Kooperation mit einem Rücknahmenetz oder die vertragliche Einbindung von Rücknahmestellen im Versandgebiet.
Ehrlich gesagt: Es gibt hier keine elegante Standardlösung. Genau deshalb verzichten viele Marktplatzhändler bewusst auf pfandpflichtige Einwegware und konzentrieren sich auf pfandfreie Sortimente — Kaffee, Tee, Sirupe, Konzentrate, Trockenprodukte. Das ist eine legitime strategische Entscheidung und häufig die wirtschaftlich vernünftigere.
Wer trotzdem Getränke listen will, sollte den Rücknahmeweg schriftlich dokumentieren, im Angebot und in den AGB benennen und die Erstattungsfälle sauber verbuchen. Wie Sie Versandverpackung und Rücksendelogistik generell aufsetzen, haben wir hier beschrieben: Verpackung und Versandmaterial für Marktplätze.
In 7 Schritten pfandkonform auf Amazon verkaufen
- Sortiment klassifizieren. Listen Sie jede SKU mit Füllvolumen, Verpackungsmaterial und Produktart auf und ordnen Sie sie eindeutig als pfandpflichtig, pfandfrei oder Grenzfall ein. Grenzfälle schriftlich klären lassen.
- Herstellerstellung prüfen. Klären Sie je SKU, ob Sie selbst Erstinverkehrbringer sind (Eigenimport, Eigenmarke) oder nur Handelsware weiterverkaufen. Davon hängen DPG-Teilnahme, LUCID-Registrierung und Konformitätserklärung ab.
- DPG-Registrierung und Kennzeichnung sicherstellen. Bei Herstellerstellung: GLN beantragen, Stammdaten mit GTIN hinterlegen, DPG-Logo und Strichcode auf der Verpackung prüfen. Bei Handelsware: Kennzeichnung stichprobenartig physisch kontrollieren.
- LUCID-Registrierung und Systembeteiligung aktualisieren. Prüfen Sie, ob Ihre Registrierungsdaten und gemeldeten Verpackungsmengen dem tatsächlichen Sortiment 2026 entsprechen, und dass Ihre Amazon-Compliance-Angaben damit übereinstimmen.
- Konformitätserklärung nach PPWR aufbauen. Fordern Sie die Erklärungen für jede Verpackung bei Ihren Lieferanten an oder erstellen Sie sie selbst, wenn Sie Erstinverkehrbringer sind. Zentral ablegen, versioniert.
- Angebotstexte und Preisdarstellung anpassen. Pfandhinweis und Pfandhöhe sichtbar in Titel oder Bulletpoints, Gesamtpreis inklusive Pfand nachvollziehbar, Rücknahmeweg in AGB und Angebot beschrieben.
- Rücknahmeprozess operativ verankern. Rückgabeweg festlegen, Erstattungen buchhalterisch als Entgeltminderung abbilden und die Fälle monatlich abgleichen — sonst laufen Pfandkonto und Umsatzsteuer auseinander.
Rechenbeispiel: Was Pfand, Fonds und Rücknahme wirklich kosten
Rechenbeispiel: Angenommen, Sie verkaufen ein 12er-Pack Erfrischungsgetränk in 0,5-Liter-PET-Flaschen über Amazon FBA. Pro Flasche fallen 0,25 Euro Pfand an, also 3,00 Euro je Pack, die Sie erheben und die im Endkundenpreis erscheinen. Das Pfand ist für Sie kein Ertrag — es ist ein durchlaufender Posten, solange die Rückgabe funktioniert.
Hinzu kommt die Abgabe nach dem Einwegkunststofffondsgesetz. Die Abgabesätze sind in der EWKFondsV festgelegt und betragen unter anderem 0,181 Euro je Kilogramm für nicht bepfandete Getränkebehälter und 0,001 Euro je Kilogramm für bepfandete Getränkebehälter (Stand: August 2026, Quelle: EWKFondsV, gesetze-im-internet.de). Für bepfandete PET-Flaschen ist die Fondsabgabe damit praktisch vernachlässigbar — das ist die bewusste Lenkungswirkung. Deutlich teurer wird es bei nicht bepfandeten Behältern und vor allem bei Getränkebechern (1,236 Euro je Kilogramm) oder Folienverpackungen (0,876 Euro je Kilogramm). Die Abgabesätze werden regelmäßig überprüft, erstmals bis Ende 2026 — planen Sie also nicht mit dauerhafter Konstanz.
Der eigentliche Kostentreiber ist die Rücknahme. Wenn Sie Leergut per vorfrankiertem Paket zurücknehmen, kostet Sie ein Rücksendevorgang je nach Tarif ein Vielfaches der 3,00 Euro Pfand. Selbst wenn nur ein kleiner Teil der Kunden das Angebot nutzt, kippt die Marge eines Getränkeartikels schnell. Wir sehen deshalb in der Beratungspraxis regelmäßig, dass die tragfähigen Getränkekonzepte auf Marktplätzen entweder auf pfandfreie Sortimente setzen oder Getränke als Ergänzung zu einem margenstarken Kernsortiment führen — nicht umgekehrt.
Belastbare Branchenzahlen zur tatsächlichen Leergut-Rücklaufquote im deutschen Paketversand liegen uns nicht vor. Wer hier mit konkreten Prozentwerten rechnet, sollte diese aus den eigenen Daten ableiten, nicht aus Sekundärquellen.
Umsatzsteuer auf Pfand: die häufigste Fehlerquelle
Das gesetzliche Mindestpfand von 0,25 Euro versteht sich einschließlich Umsatzsteuer. Nach der Auffassung der Finanzverwaltung, die der BFH bestätigt hat, ist das Pfandgeld für eine Warenumschließung — dazu zählen Flaschen und Getränkekästen — Teil des Entgelts für die Lieferung der umschlossenen Ware. Es folgt damit dem Steuersatz der Hauptleistung.
Bei der Rückgabe der Verpackung und der Rückzahlung des Pfandgeldes liegt eine Entgeltminderung vor. Praktisch heißt das: Sie müssen die Erstattungen als Minderung der Bemessungsgrundlage erfassen, nicht als Aufwand. Wer das falsch bucht, zahlt dauerhaft zu viel Umsatzsteuer oder erklärt sie falsch — beides fällt spätestens in der Betriebsprüfung auf.
Abzugrenzen sind Transporthilfsmittel wie Getränkepaletten oder Rollcontainer. Deren Abgabe wird umsatzsteuerlich als eigenständige Lieferung zum Regelsteuersatz behandelt. Wenn Sie im B2B-Geschäft mit Paletten arbeiten, gelten also andere Regeln als für die Flasche selbst.
Diese Einordnung ist eine allgemeine Darstellung und ersetzt keine steuerliche Beratung im Einzelfall. Sprechen Sie die Buchungslogik mit Ihrem Steuerberater ab, bevor Sie sie im Warenwirtschaftssystem hinterlegen — ein falsch parametrisiertes Pfandkonto lässt sich rückwirkend nur mühsam korrigieren.
Was Sie jetzt tun können
Der wichtigste Schritt ist unspektakulär: Verschaffen Sie sich Klarheit darüber, welche Ihrer SKUs überhaupt betroffen sind. In den meisten Sortimenten sind es weniger, als der Bauch sagt — und die betroffenen sind dann meist umso kritischer.
Danach folgt die Bestandsaufnahme der Unterlagen: LUCID-Registrierung aktuell? DPG-Teilnahme geklärt? Konformitätserklärungen nach PPWR vorhanden? Pfandhinweis im Listing sichtbar? Rücknahmeweg schriftlich beschrieben? Fünf Fragen, die Sie in einer Stunde beantworten können und die den Großteil des Abmahnrisikos abdecken.
Für Händler mit größeren Sortimenten lohnt sich die systematische Prüfung. In unserer eigenen KI-Plattform MarketplAIce prüfen wir Listings unter anderem auf fehlende Pflichtangaben und Compliance-Lücken über den gesamten Katalog hinweg, statt Stichproben zu ziehen. Für Kunden unserer Agentur ist das Teil des laufenden Leistungsumfangs; die inhaltliche Bewertung von Grenzfällen bleibt aber immer eine juristische Frage, keine algorithmische.
Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Getränkesortiment auf Amazon, Otto oder Kaufland sauber aufgestellt ist, schauen wir gemeinsam drauf: Kostenloses Erstgespräch buchen. Wir sagen Ihnen ehrlich, wenn ein Sortiment im Marktplatzversand wirtschaftlich nicht funktioniert — auch wenn es rechtlich zulässig wäre.
FAQ: Häufige Fragen zur Pfandpflicht auf Amazon
Gilt die Pfandpflicht auch, wenn ich nur wenige Getränke im Sortiment habe?
Ja. Die Pfandpflicht knüpft an das Produkt an, nicht an die Sortimentsgröße oder den Umsatz. Es gibt keine Bagatellgrenze für Kleinsthändler. Auch ein einzelnes gelistetes Getränkeprodukt muss vollständig pfandkonform sein.
Muss ich als reiner Wiederverkäufer bei der DPG registriert sein?
In der Regel nicht, wenn Sie ausschließlich in Deutschland bereits in Verkehr gebrachte, korrekt gekennzeichnete Handelsware weiterverkaufen. Die DPG-Teilnahme trifft den Erstinverkehrbringer. Sobald Sie selbst importieren oder unter eigener Marke abfüllen lassen, sind Sie Hersteller im Rechtssinn und damit registrierungspflichtig.
Wie erfülle ich die Rücknahmepflicht im Paketversand?
Es gibt keine gesetzlich vorgegebene Standardlösung. Üblich sind Rücksendeetiketten, Abholung bei Folgelieferung oder die vertragliche Einbindung von Rücknahmestellen im Versandgebiet. Entscheidend ist, dass die Möglichkeit real besteht, im Angebot beschrieben ist und im Versandgebiet flächendeckend funktioniert.
Ändert die PPWR die Höhe des Pfands?
Nach dem uns bekannten Stand (August 2026) bleibt das Mindestpfand von 0,25 Euro einschließlich Umsatzsteuer je Einweg-Getränkeverpackung unverändert. Geändert haben sich vor allem die Rechtsgrundlage sowie die Kennzeichnungs- und Konformitätspflichten. Prüfen Sie den aktuellen Wortlaut des VerpackDG, bevor Sie Preisangaben systemseitig ändern.
Was passiert, wenn im Listing der Pfandhinweis fehlt?
Ein fehlender oder unklarer Pfandhinweis kann wettbewerbsrechtlich abgemahnt werden, weil die Preisangabe dann unvollständig ist. Zusätzlich kann Amazon das Angebot bei Compliance-Prüfungen sperren. Der Aufwand für die Korrektur ist gering, das Risiko ohne Korrektur unnötig hoch.
Gilt das alles auch für Otto, Kaufland und eBay?
Ja, die verpackungsrechtlichen Pflichten hängen am Produkt und am Inverkehrbringen, nicht am Marktplatz. Die Anforderungen gelten analog für Otto, Kaufland, eBay und Temu. Unterschiedlich sind lediglich die Felder und Nachweise, die der jeweilige Marktplatz im Händlerkonto abfragt.
Kann ich Pfand über Amazon FBA sauber abbilden?
FBA versendet die Ware, übernimmt aber nicht Ihre verpackungsrechtlichen Pflichten. Pfandhöhe, Kennzeichnung, Hinweispflicht und vor allem die Rücknahme bleiben bei Ihnen. Gerade die Leergutrücknahme lässt sich über FBA nicht abbilden — das müssen Sie separat organisieren.
Über den Autor
Jorginho Engelmeyer ist Geschäftsführer der AMZ+ Consulting GmbH und seit über acht Jahren im Marktplatzgeschäft tätig. Er betreut Händler bei Listing, Werbung, Logistik und Compliance auf Amazon, Otto, Kaufland, eBay und Temu. Mehr über die Agentur und das Team erfahren Sie hier.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Orientierung und keine Rechtsberatung. Für verbindliche Aussagen zu Ihrem konkreten Sortiment ziehen Sie bitte eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt hinzu. Wenn Sie die operative Seite sortieren wollen — Listings, Compliance-Felder, Prozesse — sprechen Sie uns an: Kostenloses Erstgespräch buchen.
Weiterführend zu angrenzenden Compliance-Themen: Gefahrgut und Hazmat auf Amazon, ElektroG- und WEEE-Registrierung sowie Kategorien-Freischaltung und Ungating.
Zuletzt aktualisiert: 24. August 2026
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