ElektroG & WEEE auf Amazon 2026: Pflichten für Händler
ElektroG und WEEE auf Amazon 2026: Registrierung bei der Stiftung EAR, WEEE-Nummer im Konto, ElektroG4-Neuerungen und wie Sie Sperrungen sicher vermeiden.

Die kurze Antwort: Wer auf Amazon Elektro- oder Elektronikgeräte verkauft und dabei als Hersteller im Sinne des ElektroG gilt, muss sich vor dem ersten Verkauf bei der Stiftung EAR registrieren, eine WEEE-Registrierungsnummer erhalten und diese im Amazon-Konto hinterlegen. Seit dem 1. Juli 2023 sind Marktplätze nach § 6 Abs. 2 ElektroG verpflichtet, diese Registrierung aktiv zu prüfen — Amazon sperrt Angebote ohne gültige Nummer. Seit dem 1. Januar 2026 gilt zusätzlich das novellierte ElektroG4 mit erweiterten Melde- und Rücknahmepflichten. Verstöße können mit Bußgeldern von bis zu 100.000 Euro je Verstoß geahndet werden (Stand: August 2026, Quelle: ElektroG). Die gute Nachricht: Der Prozess ist einmalig aufwendig, danach vor allem eine Frage sauberer Mengenmeldungen.
Warum das ElektroG für Amazon-Händler zum Sperrgrund wurde
Das Elektro- und Elektronikgerätegesetz regelt, wer die Entsorgung von Altgeräten bezahlt. Die Logik: Wer ein Gerät als Erster in Deutschland in Verkehr bringt, finanziert später dessen Rücknahme und Recycling.
Lange war das ein Papierthema. Das änderte sich mit § 6 Abs. 2 ElektroG: Seit dem 1. Juli 2023 dürfen Marktplätze wie Amazon Angebote nur noch anzeigen, wenn der Verkäufer ordnungsgemäß registriert ist.
Amazon hat diese Prüfung technisch umgesetzt. Ohne gültige WEEE-Registrierungsnummer im Seller Central werden betroffene ASINs deaktiviert — teilweise ohne Vorwarnung, wenn eine Nummer abläuft oder die Geräteart nicht passt.
⚠️ Der häufigste Fehler in der Praxis: Händler hinterlegen die WEEE-Nummer ihres Lieferanten. Das ist nur zulässig, wenn dieser tatsächlich der registrierte Hersteller für genau diese Marke und Geräteart ist.
Dieselbe Prüfmechanik greift inzwischen auch auf anderen Plattformen. Die Pflicht gilt analog für Otto und Kaufland, die ebenfalls Nachweise abfragen, bevor Elektroartikel freigeschaltet werden — wer multichannel verkauft, braucht die Daten also ohnehin einmal sauber.
Bei AMZ+ Consulting sehen wir regelmäßig Konten, in denen einzelne ASINs still deaktiviert wurden, weil eine Geräteart fehlte. Der Umsatzverlust fällt oft erst Wochen später auf.
Wer nach dem ElektroG als Hersteller gilt
Der Begriff "Hersteller" ist im ElektroG deutlich weiter gefasst, als es der Alltagssprache entspricht. Sie gelten als Hersteller, wenn Sie Geräte unter eigener Marke anbieten, wenn Sie Geräte aus dem Ausland nach Deutschland importieren oder wenn Sie aus einem anderen EU-Land per Fernabsatz direkt an deutsche Endkunden verkaufen.
Praktisch heißt das: Kaufen Sie Ware bei einem deutschen Großhändler ein, der bereits registriert ist, sind Sie in der Regel Vertreiber und brauchen keine eigene Registrierung. Importieren Sie dieselbe Ware selbst aus China, sind Sie Hersteller — mit voller Registrierungs-, Melde- und Finanzierungspflicht.
Auch der Begriff "Elektrogerät" ist weiter, als viele denken. Erfasst sind unter anderem Leuchtmittel, Kabel, Powerbanks, beleuchtete Deko-Artikel, Spielzeug mit Elektronik, Möbel mit LED-Elementen und Kleidung mit Heizfunktion.
💡 Faustregel: Sobald etwas Strom braucht, um seine Hauptfunktion oder eine Zusatzfunktion zu erfüllen, prüfen Sie das ElektroG. Auch bei fest verbauten Batterien kommt zusätzlich das Batteriegesetz ins Spiel.
Hat Ihr Unternehmen keine Niederlassung in Deutschland, brauchen Sie einen Bevollmächtigten nach ElektroG, der die Pflichten im Inland übernimmt. Das betrifft viele Händler mit Sitz in Österreich, der Schweiz oder Polen, die den deutschen Markt beliefern.
Die Registrierung erfolgt immer je Kombination aus Marke und Geräteart. Verkaufen Sie drei Eigenmarken in je zwei Gerätearten, sind das sechs Registrierungen — ein Punkt, an dem in der Praxis viele Lücken entstehen.
Besonders tückisch sind Sortimentserweiterungen. Ein Händler ist für seine Marke in der Geräteart "Kleine Geräte" registriert und nimmt anschließend eine Tischleuchte ins Programm. Damit ist eine zweite Geräteart betroffen, für die keine Registrierung besteht.
Der Verkauf startet trotzdem, weil Amazon die vorhandene Nummer zunächst akzeptiert. Auffällig wird es erst, wenn die Plattform bei einem der regelmäßigen Abgleiche mit dem EAR-Register die fehlende Zuordnung bemerkt.
Zwischen Verkaufsstart und Deaktivierung liegen in solchen Fällen häufig mehrere Monate. Der Händler hat dann bereits Bestand aufgebaut, Werbebudget investiert und Ranking gewonnen — und verliert alles auf einen Schlag.
Was das ElektroG4 seit Januar 2026 ändert
Zum 1. Januar 2026 ist die vierte Novelle des Gesetzes in Kraft getreten. Für Onlinehändler sind vor allem drei Punkte relevant.
Erstens wurden die Rücknahmepflichten im Handel neu zugeschnitten. Für die Frage, wer zurücknehmen muss, wird nicht mehr nur die reine Grundfläche herangezogen, sondern die tatsächlich für Elektrogeräte genutzte Lager- und Versandfläche. Dadurch fallen mehr Betriebe unter die Rücknahmepflicht als bisher.
Zweitens steigen die Dokumentationsanforderungen. Zurückgenommene Altgeräte müssen genauer erfasst und gemeldet werden, damit die Sammelquoten transparenter werden.
Drittens wurden die Informationspflichten gegenüber Verbrauchern ausgeweitet. Hinweise zur kostenlosen Rückgabe müssen dort sichtbar sein, wo der Kunde kauft — im Onlinehandel also im Angebot beziehungsweise im Bestellprozess, nicht erst in einer PDF im Impressum.
Zusätzlich ist ab dem 1. Juli 2026 eine kostenfreie Rücknahme von Einweg-E-Zigaretten an Verkaufsstellen vorgesehen — für die betroffene Produktgruppe ein spürbarer Eingriff (Stand: August 2026, Quelle: ElektroG4 / IHK-Informationen zum Elektrogesetz).
✅ Praxisfolge: Prüfen Sie 2026 nicht nur, ob Sie registriert sind, sondern auch, ob Ihre Rücknahme- und Hinweistexte noch dem aktuellen Stand entsprechen.
In 7 Schritten zur sauberen ElektroG-Compliance auf Amazon
- Sortiment inventarisieren. Ziehen Sie einen vollständigen Bestandsbericht aus Seller Central und markieren Sie jede ASIN, die Strom, Batterien oder Akkus enthält. Auch Zubehör wie Ladekabel gehört dazu.
- Herstellerrolle klären. Prüfen Sie je Artikel, ob Sie Hersteller (Eigenmarke, Import, EU-Fernabsatz) oder nur Vertreiber sind. Lassen Sie sich bei Vertreiber-Ware die WEEE-Nummer des Vorlieferanten schriftlich bestätigen.
- Geräteart bestimmen. Ordnen Sie jedes Produkt einer der gesetzlichen Kategorien zu. Falsche Zuordnungen sind der zweithäufigste Grund für abgelehnte Nachweise.
- Bei der Stiftung EAR registrieren. Beantragen Sie die Registrierung je Marke und Geräteart, inklusive Garantie für B2C-Geräte. Planen Sie mehrere Wochen Bearbeitungszeit ein.
- WEEE-Nummer in Seller Central hinterlegen. Tragen Sie die Nummer in den Compliance-Einstellungen ein und ordnen Sie sie den betroffenen ASINs zu. Prüfen Sie danach, ob alle Angebote wieder aktiv sind.
- Rücknahme- und Informationstexte aktualisieren. Ergänzen Sie die Hinweise zur kostenlosen Altgeräterückgabe und zum Symbol der durchgestrichenen Mülltonne dort, wo der Kunde sie sieht.
- Mengenmeldung im Kalender verankern. Melden Sie die in Verkehr gebrachten Mengen fristgerecht. Eine versäumte Meldung kann die Registrierung gefährden — und damit alle Angebote der betroffenen Marke.
Wenn Sie diesen Ablauf einmal sauber dokumentieren, wird aus einem Risikothema eine Routineaufgabe. Genau an dieser Stelle unterstützt AMZ+ Consulting Händler regelmäßig: nicht als Rechtsberatung, sondern als operative Struktur im Konto.
Rechenbeispiel: Was eine fehlende WEEE-Nummer wirklich kostet
Rechenbeispiel: Angenommen, ein Händler mit 45 Elektro-ASINs erzielt damit 60.000 Euro Umsatz pro Monat, also rund 1.333 Euro je ASIN. Sein Deckungsbeitrag nach Amazon-Gebühren, Wareneinsatz und Werbung liegt bei 18 Prozent.
Nun wird eine Eigenmarke mit 12 ASINs deaktiviert, weil für eine zweite Geräteart keine Registrierung vorliegt. Diese 12 ASINs stehen für rund 16.000 Euro Monatsumsatz.
Die Klärung mit der Stiftung EAR und die Reaktivierung dauern in diesem Beispiel sechs Wochen. Der entgangene Umsatz beträgt damit etwa 24.000 Euro, der entgangene Deckungsbeitrag rund 4.320 Euro.
Dazu kommen zwei Effekte, die in keiner Tabelle stehen. Erstens verliert die ASIN während der Sperrung Ranking und Verkaufshistorie; der Wiederanlauf dauert erfahrungsgemäß mehrere Wochen und kostet zusätzliches Werbebudget. Zweitens läuft der FBA-Bestand weiter — Lagergebühren fallen an, obwohl kein Verkauf möglich ist. Wie sich das aufsummiert, zeigt unser Überblick zu den Amazon Lagergebühren 2026.
💰 Setzt man 12 Wochen Ranking-Wiederaufbau mit nur 25 Prozent Umsatzeinbuße an, kommen weitere rund 12.000 Euro entgangener Umsatz zusammen. Der ursprüngliche Registrierungsaufwand von wenigen Arbeitstagen steht dem in keinem Verhältnis gegenüber.
Und im ungünstigsten Fall kommt ein Bußgeld obendrauf: Das ElektroG sieht Rahmen von bis zu 100.000 Euro je Verstoß vor (Stand: August 2026, Quelle: ElektroG). Abmahnungen durch Wettbewerber sind der praktisch häufigere Fall.
Compliance ist kein Projekt, sondern ein Prozess
Der Fehler, den wir am häufigsten sehen: Händler behandeln ElektroG als einmalige Aufgabe. Tatsächlich verändert sich Ihr Sortiment ständig — jedes neue Produkt kann eine neue Geräteart auslösen.
Deshalb gehört die Compliance-Prüfung in den Produktanlage-Prozess, nicht in eine jährliche Aufräumaktion. Bevor eine ASIN live geht, muss geklärt sein: Herstellerrolle, Geräteart, Registrierung, Batteriegesetz, Verpackungsgesetz.
Genau dieselbe Logik gilt für die weiteren Regelwerke, die Marktplätze inzwischen automatisiert abfragen — etwa die Produktsicherheitsverordnung, die wir in unserem Beitrag zur GPSR auf Amazon ausführlich erklären.
Wir haben diese Prüflogik in unsere eigene KI-Plattform MarketplAIce übernommen: Sie gleicht Listings gegen hinterlegte Pflichtangaben ab und meldet Lücken, bevor der Marktplatz sie findet. Das ersetzt keine juristische Prüfung, verhindert aber die stillen Deaktivierungen.
Sie sind unsicher, ob Ihr Elektro-Sortiment vollständig registriert ist? Wir schauen uns Ihr Konto gemeinsam an und zeigen Ihnen konkret, welche ASINs ein Risiko tragen. Kostenloses Erstgespräch buchen — unverbindlich und in 30 Minuten.
Was Sie jetzt tun können
✅ Diese Woche: Exportieren Sie Ihren Bestandsbericht und markieren Sie alle ASINs mit Strom, Batterie oder Akku. Diese Liste ist die Grundlage für alles Weitere.
✅ Diese Woche: Prüfen Sie in Seller Central unter den Compliance-Einstellungen, welche WEEE-Nummern hinterlegt sind und ob sie alle relevanten Gerätearten abdecken.
✅ Innerhalb von 14 Tagen: Fordern Sie von jedem Lieferanten, bei dem Sie sich auf dessen Registrierung verlassen, eine schriftliche Bestätigung mit Nummer, Marke und Geräteart an.
✅ Innerhalb von 30 Tagen: Beantragen Sie fehlende Registrierungen bei der Stiftung EAR und aktualisieren Sie Ihre Rücknahme- und Informationstexte auf den ElektroG4-Stand.
✅ Dauerhaft: Verankern Sie die Compliance-Prüfung als festen Schritt in Ihrem Produktanlage-Prozess und setzen Sie sich einen wiederkehrenden Termin für die Mengenmeldung.
Wenn Sie diese fünf Punkte abarbeiten, sind Sie besser aufgestellt als der Großteil des Wettbewerbs — und ersparen sich die teuren Reaktivierungsschleifen.
FAQ: Häufige Fragen zu ElektroG und WEEE auf Amazon
Brauche ich eine eigene WEEE-Nummer, wenn ich nur weiterverkaufe?
Nein, wenn Ihr Lieferant seinen Sitz in Deutschland hat und für genau diese Marke und Geräteart registriert ist, sind Sie Vertreiber. Lassen Sie sich die Registrierungsnummer aber schriftlich bestätigen. Importieren Sie selbst aus dem Ausland, werden Sie zum Hersteller und brauchen eine eigene Registrierung.
Wie lange dauert die Registrierung bei der Stiftung EAR?
Rechnen Sie mit mehreren Wochen, abhängig von Geräteart und Vollständigkeit der Unterlagen. Bei B2C-Geräten kommt die Stellung einer insolvenzsicheren Garantie hinzu, was den Prozess zusätzlich verlängert. Planen Sie die Registrierung deshalb vor dem geplanten Verkaufsstart ein, nicht danach.
Was passiert, wenn Amazon meine ASIN wegen ElektroG deaktiviert?
Das Angebot verschwindet aus dem Verkauf, der FBA-Bestand bleibt aber im Lager und verursacht weiter Kosten. Die Reaktivierung erfolgt erst, wenn eine gültige Registrierungsnummer hinterlegt und der Geräteart korrekt zugeordnet ist. Ranking und Verkaufsgeschwindigkeit erholen sich danach nur langsam.
Gilt das ElektroG auch für Zubehör wie Kabel oder Powerbanks?
Ja. Kabel, Ladegeräte, Powerbanks und Leuchtmittel fallen unter das Gesetz. Auch Produkte, bei denen die Elektronik nur eine Nebenfunktion erfüllt — etwa Möbel mit LED-Beleuchtung oder Textilien mit Heizfunktion — sind in der Regel erfasst.
Was ändert sich durch das ElektroG4 konkret für Onlinehändler?
Seit dem 1. Januar 2026 werden Rücknahmepflichten anhand der tatsächlich genutzten Fläche bemessen, die Dokumentation zurückgenommener Geräte wird strenger und die Verbraucherinformation muss sichtbarer erfolgen. Für reine Onlinehändler ist vor allem der letzte Punkt relevant: Die Hinweise gehören dorthin, wo gekauft wird.
Brauche ich zusätzlich eine Batterie- und Verpackungsregistrierung?
In den meisten Fällen ja. Batteriegesetz, Verpackungsgesetz und ElektroG sind drei getrennte Regelwerke mit eigenen Registern und eigenen Meldepflichten. Marktplätze fragen alle drei Nachweise ab, teilweise zeitversetzt.
Gelten dieselben Pflichten auch auf Otto und Kaufland?
Ja, die gesetzlichen Pflichten hängen am Produkt und am Inverkehrbringen, nicht am Marktplatz. Otto und Kaufland prüfen die Nachweise ebenfalls im Onboarding. Wer die Daten einmal sauber aufbereitet hat, kann sie auf allen Kanälen verwenden — mehr dazu in unserem Beitrag zu Multichannel 2026.
Compliance ist unbequem, aber planbar. Der Unterschied zwischen einem entspannten und einem teuren Jahr liegt meist in zwei Arbeitstagen Vorbereitung. Wenn Sie diese Struktur nicht selbst aufbauen wollen, übernimmt AMZ+ Consulting die operative Umsetzung im Konto.
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Über den Autor
Jorginho Engelmeyer ist Geschäftsführer der AMZ+ Consulting GmbH und seit über 8 Jahren auf Amazon, Otto und Kaufland für Händler aktiv. → Kostenloses Erstgespräch buchen
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