Amazon Preisauszeichnung 2026: PAngV richtig umsetzen
PAngV auf Amazon 2026: Grundpreis-Pflicht, Streichpreise und die 30-Tage-Regel nach § 11 PAngV — inklusive typischer Abmahnfallen und Umsetzung im Listing.

Die kurze Antwort: Zwei Pflichten sorgen auf Amazon für den Großteil der Abmahnungen. Erstens der Grundpreis nach § 4 PAngV: Wer Ware nach Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche anbietet, muss neben dem Gesamtpreis den Preis je Mengeneinheit angeben — klar erkennbar auf der Produktdetailseite, nicht versteckt in der Beschreibung.
Zweitens die 30-Tage-Regel nach § 11 PAngV: Wer mit einer Preisermäßigung wirbt, muss den niedrigsten Gesamtpreis nennen, den er in den 30 Tagen vor der Ermäßigung verlangt hat. Der Europäische Gerichtshof hat am 26. September 2024 im Verfahren C-330/23 entschieden, dass sich auch Prozentangaben wie „minus 23 Prozent" auf diesen 30-Tage-Tiefstpreis beziehen müssen — nicht auf einen kurz zuvor angehobenen Preis.
Dieser Beitrag ordnet die Anforderungen praktisch ein und ersetzt keine Rechtsberatung.
Inhalt
- Grundpreis: Wann er Pflicht ist und wie Amazon ihn erzeugt
- Streichpreise und die 30-Tage-Regel nach § 11 PAngV
- Die sieben häufigsten Abmahnfallen auf Amazon
- In 8 Schritten zur rechtssicheren Preisauszeichnung
- Rechenbeispiel: Was eine Abmahnung wirklich kostet
- Was Sie jetzt tun können
- FAQ: Häufige Fragen zur PAngV auf Amazon
Grundpreis: Wann er Pflicht ist und wie Amazon ihn erzeugt
Die Grundpreispflicht trifft Waren, die nach Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche angeboten werden. Praktisch betrifft das Lebensmittel, Getränke, Drogerie, Reinigungsmittel, Farben, Kabel, Folien, Textilien nach Metern und viele Sortimente mehr.
Der Grundpreis muss zusammen mit dem Gesamtpreis erscheinen — klar erkennbar, gut lesbar und ohne dass der Kunde erst eine Beschreibung aufklappen muss. Genau daran scheitern viele Listings.
Auf Amazon berechnen Sie den Grundpreis nicht selbst. Sie hinterlegen die Mengenangaben in den Produktattributen, und Amazon erzeugt daraus die Anzeige:
- Anzahl der Einheiten (Stückzahl oder Füllmenge)
- Maßeinheit (Gramm, Kilogramm, Milliliter, Liter, Meter, Quadratmeter)
- bei Mehrfachpackungen zusätzlich die Anzahl der Packungseinheiten
⚠️ Achtung: Genau hier entstehen die meisten Fehler. Wird die Maßeinheit falsch gewählt — etwa Gramm statt Kilogramm — steht auf der Detailseite ein Grundpreis, der um den Faktor 1.000 daneben liegt. Rechtlich ist das ein falscher Grundpreis, nicht ein fehlender.
Ein zweiter typischer Fehler betrifft Varianten. Wenn eine Variantenfamilie mehrere Füllmengen enthält, muss jede Variante ihre eigene korrekte Mengenangabe tragen. Wird sie vom Elternartikel geerbt, stimmt sie für die meisten Kinder nicht.
💡 Tipp: Amazon blendet in bestimmten Kategorien Angebote ohne Mengenangaben aus der Anzeige aus. Ein plötzlicher Sichtbarkeitsverlust ohne erkennbare andere Ursache ist deshalb oft ein Grundpreisproblem.
Wichtig für die Verantwortlichkeit: Anbieter im Sinne der Verordnung sind Sie, nicht Amazon. Auch wenn die Anzeige technisch von der Plattform erzeugt wird, tragen Sie das Risiko für falsche oder fehlende Angaben. Bei AMZ+ Consulting prüfen wir diese Attribute deshalb bei jedem Listing-Audit als festen Punkt.
Streichpreise und die 30-Tage-Regel nach § 11 PAngV
Seit der PAngV-Novelle 2022 gilt: Wer gegenüber Verbrauchern eine Preisermäßigung bekannt gibt, muss den niedrigsten Gesamtpreis angeben, den er innerhalb der letzten 30 Tage vor der Ermäßigung verlangt hat.
Der entscheidende Punkt ist die Bezugsgröße. Nicht der Preis von gestern zählt, sondern der günstigste Preis des Vormonats.
Der Europäische Gerichtshof hat diese Auslegung im Verfahren C-330/23 am 26. September 2024 bestätigt und ausdrücklich auf Prozentwerbung und Blickfangangaben erstreckt. Im zugrunde liegenden Fall wurde ein Rabatt beworben, obwohl der beworbene „neue" Preis wenige Wochen zuvor bereits gegolten hatte.
Was das für die Praxis bedeutet:
| Situation | Zulässige Bezugsgröße | |---|---| | Preis war 30 Tage konstant, dann Senkung | der konstante Vorpreis | | Preis schwankte im Monat | der niedrigste Preis der 30 Tage | | Mehrere Senkungen ohne Unterbrechung | der Ausgangspreis vor der ersten Senkung | | Neues Produkt, unter 30 Tage im Sortiment | keine Ermäßigungswerbung |
Davon zu trennen ist die Werbung mit einer unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers. Sie ist keine Preisermäßigung im Sinne von § 11 PAngV, setzt aber voraus, dass die Empfehlung tatsächlich existiert, aktuell ist und ernsthaft kalkuliert wurde.
⚠️ Achtung: Amazon prüft Streichpreise mit eigenen Regeln und blendet sie aus, wenn der hinterlegte Referenzpreis nicht plausibel ist. Diese Plattformlogik ist kein Rechtsprüfungsergebnis. Ein von Amazon angezeigter Streichpreis kann trotzdem gegen § 11 PAngV verstoßen — und umgekehrt kann eine korrekte Angabe von Amazon unterdrückt werden.
Wer Repricing einsetzt, hat ein zusätzliches Problem: Automatische Preisanpassungen erzeugen laufend neue 30-Tage-Tiefstpreise. Rabattkommunikation und Repricing müssen deshalb aufeinander abgestimmt sein, sonst wirbt das System mit einer Ersparnis, die es rechtlich nicht gibt.
Wie Sie Preisstrategie und Rabattkommunikation zusammenbringen, haben wir in Amazon Preisstrategie beschrieben.
Die sieben häufigsten Abmahnfallen auf Amazon
Diese Punkte finden wir bei AMZ+ Consulting in Listing-Audits am häufigsten:
- Grundpreis fehlt vollständig, weil Mengenattribute nie gepflegt wurden.
- Falsche Maßeinheit — Gramm statt Kilogramm, Milliliter statt Liter.
- Mehrfachpackungen falsch erfasst — sechs Flaschen à 0,75 Liter werden als 0,75 Liter angegeben.
- Varianten erben falsche Mengen vom Elternartikel.
- Streichpreis ohne 30-Tage-Bezug, meist bei Aktionen, die kurz nach einer Preiserhöhung starten.
- UVP ohne existierende Herstellerempfehlung oder mit einer, die seit Jahren nicht mehr gilt.
- Prozentwerbung im Bild oder Titel, die sich nicht auf den Tiefstpreis der letzten 30 Tage bezieht.
✅ Punkt 1 bis 4 lassen sich über einen Datenabgleich in wenigen Stunden für das gesamte Sortiment prüfen. Punkt 5 bis 7 brauchen eine Preishistorie — die Sie führen sollten, unabhängig von Abmahnrisiken.
Gilt analog für Otto und Kaufland: Die PAngV gilt kanalunabhängig, nur die Felder heißen anders. Details in Otto Preisauszeichnung PAngV und Kaufland Preisauszeichnung PAngV.
In 8 Schritten zur rechtssicheren Preisauszeichnung
Ein praktikabler Ablauf, den Sie einmal aufsetzen und dann quartalsweise wiederholen:
- Sortiment segmentieren. Welche ASINs sind grundpreispflichtig? Alles, was nach Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche angeboten wird, kommt auf die Liste.
- Attributdaten exportieren. Über den Lagerbestandsbericht die Mengen- und Einheitenfelder für alle ASINs ziehen.
- Auf Plausibilität prüfen. Errechneten Grundpreis mit dem Verkaufspreis gegenrechnen. Abweichungen um Faktor 10, 100 oder 1.000 sind Einheitenfehler.
- Varianten einzeln kontrollieren. Für jede Kind-ASIN die eigene Füllmenge prüfen, nicht die des Elternartikels.
- Korrekturen einspielen und die Anzeige auf der Detailseite nach 24 bis 48 Stunden stichprobenartig kontrollieren.
- Preishistorie aufsetzen. Tägliche Aufzeichnung des Verkaufspreises je ASIN, mindestens 90 Tage rückwirkend verfügbar.
- Rabattfreigabe regeln. Vor jeder Aktion prüfen: Was war der niedrigste Preis der letzten 30 Tage? Dieser Wert ist die Bezugsgröße für jede Kommunikation.
- Repricing-Grenzen setzen. Aktionszeiträume von automatischen Preisanpassungen ausnehmen oder die Untergrenze so setzen, dass die beworbene Ersparnis bestehen bleibt.
💡 Tipp: Schritt 6 ist der Punkt, an dem die meisten Händler scheitern — nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil niemand die Historie systematisch festhält. Ohne sie können Sie im Streitfall nicht belegen, dass Ihre Angabe korrekt war.
Rechenbeispiel: Was eine Abmahnung wirklich kostet
Rechenbeispiel: Angenommen, ein Händler mit 500.000 EUR Jahresumsatz erhält eine wettbewerbsrechtliche Abmahnung wegen fehlender Grundpreise bei 40 ASINs.
Die direkten Kosten setzen sich typischerweise zusammen aus:
- Abmahnkosten der Gegenseite auf Basis des Gegenstandswerts
- eigene anwaltliche Prüfung und Antwort
- gegebenenfalls eine strafbewehrte Unterlassungserklärung
💰 Der weit größere Posten kommt danach: Eine abgegebene Unterlassungserklärung wirkt unbefristet. Jeder spätere Verstoß — auch ein versehentlicher, etwa durch ein fehlerhaftes Datenfeed-Update — löst eine Vertragsstrafe aus.
Das ist der eigentliche Grund, warum Preisauszeichnung kein Nebenthema ist. Ein einzelner Fehler kostet überschaubar. Eine bestehende Unterlassungserklärung plus ein automatisiertes Preissystem ohne Kontrolle kann über Jahre teuer werden.
Der Aufwand für die Absicherung ist dagegen gering: Der Datenabgleich für ein Sortiment mit 200 ASINs dauert erfahrungsgemäß einen halben Tag, die Einrichtung der Preishistorie einmalig wenige Stunden.
Wenn Sie nicht sicher sind, ob Ihre Listings sauber sind, schauen wir gemeinsam drauf.
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Was Sie jetzt tun können
Diese Woche
- Liste aller grundpreispflichtigen ASINs erstellen
- Mengen- und Einheitenfelder exportieren und gegenrechnen
- Zehn Detailseiten stichprobenartig im Kundenblick prüfen
Dieser Monat
- Alle gefundenen Einheitenfehler korrigieren
- Variantenfamilien einzeln durchgehen
- Preishistorie einrichten, mindestens 90 Tage
Dauerhaft
- Rabattfreigabe nur mit dokumentiertem 30-Tage-Tiefstpreis
- Quartalsweiser Abgleich nach jedem größeren Katalog-Update
- Bei Unsicherheit zu konkreten Formulierungen: anwaltliche Prüfung einholen
✅ Wann Sie keine Agentur brauchen: Bei einem überschaubaren Sortiment ohne Rabattaktionen und ohne automatisches Repricing ist die Grundpreisprüfung eine einmalige Aufgabe, die Sie selbst erledigen können. Externe Unterstützung lohnt sich, wenn Sie mehrere Kanäle bespielen, laufend Aktionen fahren oder mit Feeds arbeiten, die Attribute überschreiben.
Wer auf mehreren Marktplätzen automatisch bepreist, braucht ein System, das Preisuntergrenzen, Aktionszeiträume und die 30-Tage-Logik zusammen denkt. Genau dafür haben wir MarketplAIce entwickelt — eine vorausschauende KI, die Repricing, Bestände und Gebote kanalübergreifend steuert und Preisgrenzen dabei als feste Leitplanke behandelt.
Zu den weiteren Abmahnrisiken auf Amazon haben wir in Amazon Abmahnung und Wettbewerbsrecht einen eigenen Überblick veröffentlicht.
FAQ: Häufige Fragen zur PAngV auf Amazon
Die folgenden Antworten sind praktische Orientierung und ersetzen keine anwaltliche Beratung im Einzelfall.
Wer haftet, wenn Amazon den Grundpreis falsch anzeigt?
Anbieter gegenüber dem Verbraucher sind Sie. Auch wenn die Anzeige technisch von der Plattform erzeugt wird, tragen Sie das Risiko für die Richtigkeit der zugrunde liegenden Angaben. Deshalb sollten Sie die Detailseite nach jeder Attributänderung kontrollieren.
Auf welche Mengeneinheit muss ich den Grundpreis beziehen?
Grundsätzlich auf eine Mengeneinheit wie ein Kilogramm, ein Liter, ein Meter oder einen Quadratmeter. Für bestimmte Warengruppen mit kleinen Nennfüllmengen sieht die Verordnung abweichende Bezugsgrößen vor. Bei Zweifeln zur konkreten Kategorie lassen Sie das prüfen.
Gilt die 30-Tage-Regel auch für Amazon-Coupons?
Sie gilt für jede Bekanntgabe einer Preisermäßigung gegenüber Verbrauchern. Ob eine konkrete Coupon-Darstellung darunterfällt, hängt von der Ausgestaltung ab. Prüfen Sie im Zweifel, ob Ihre Aktion als Ermäßigung gegenüber einem früheren eigenen Preis wahrgenommen wird. Hintergründe zu den Aktionsformaten stehen in Amazon Coupons und Rabatte.
Darf ich mit einer UVP werben?
Ja, wenn die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers tatsächlich existiert, aktuell ist und ernsthaft kalkuliert wurde. Eine UVP ist keine eigene frühere Preisstellung und fällt daher nicht unter die 30-Tage-Regel — sie muss aber als Herstellerempfehlung erkennbar sein.
Was gilt bei mehreren Preissenkungen hintereinander?
Bei einer ohne Unterbrechung fortlaufenden schrittweisen Ermäßigung darf auf den Ausgangspreis vor der ersten Senkung Bezug genommen werden. Wird die Aktion unterbrochen und später neu gestartet, beginnt die 30-Tage-Betrachtung wieder von vorn.
Wie lange muss ich meine Preishistorie aufbewahren?
Eine feste Aufbewahrungsfrist für diesen Zweck gibt es nicht. Praktisch sollten Sie mindestens 90 Tage lückenlos nachweisen können, besser zwölf Monate — Auseinandersetzungen erreichen Sie oft erst Wochen nach der beanstandeten Aktion.
Betrifft die PAngV auch B2B-Angebote?
Die Verordnung schützt Verbraucher. Bei reinen B2B-Angeboten greifen die Pflichten in dieser Form nicht. Auf Amazon ist die Abgrenzung allerdings unscharf, weil dieselbe Detailseite häufig beide Kundengruppen erreicht — im Zweifel wie im Verbrauchergeschäft auszeichnen.
Über den Autor
Jorginho Engelmeyer ist Geschäftsführer der AMZ+ Consulting GmbH und arbeitet seit über acht Jahren mit Marktplatz-Händlern in DACH. Die Agentur betreut Listing- und Content-Optimierung, PPC-Management, Repricing und Controlling für Amazon, Otto, Kaufland, eBay und Temu.
AMZ+ Consulting prüft Preisauszeichnung als festen Bestandteil jedes Listing-Audits — nicht als juristische Beratung, sondern als operative Fehlerprüfung im Katalog. Für rechtliche Bewertungen arbeiten wir mit spezialisierten Kanzleien zusammen.
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Zuletzt aktualisiert: 15. August 2026
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