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Ratgeber

Amazon Abrechnungsbericht 2026: Settlement-Report lesen

Settlement-Report richtig lesen: Abrechnungszeitraum, Transaktionstypen, DD+7-Auszahlung und der saubere Abgleich mit Buchhaltung und DATEV.

✍️ Jorginho Engelmeyer📅 22. August 202610 Min. Lesezeit
Amazon Abrechnungsbericht 2026: Settlement-Report lesen

Die kurze Antwort: Der Settlement-Report – im deutschen Seller Central meist als Abrechnungs- oder Auszahlungsbericht bezeichnet – ist die einzige vollständige Abrechnung zwischen Ihnen und Amazon. Er fasst pro Abrechnungszeitraum, üblicherweise 14 Tage, alle Erlöse, Erstattungen, Gebühren, Werbekosten und Verrechnungen zusammen und endet mit dem Betrag, der tatsächlich auf Ihr Bankkonto geht.

Wer nur auf den Auszahlungsbetrag schaut, arbeitet mit einer Nettozahl und verliert die Sicht auf die Kostenstruktur. Für eine GoBD-konforme Buchhaltung müssen alle Positionen einzeln verbucht werden. Zwei Punkte haben sich 2026 geändert: Amazon stellt den Bericht seit dem 25. März 2026 ausschließlich im Format Flat File V2 bereit, und seit März 2026 gilt europaweit die DD+7-Auszahlungsregel (Stand: August 2026, Quellen: Amazon Seller Central, Händlerbund, wortfilter.de).

Inhaltsverzeichnis

Was im Settlement-Report steht

Sie finden den Bericht im Seller Central unter "Berichte" und dort im Bereich der Zahlungen. Jeder Bericht trägt eine eigene Abrechnungs-ID, einen Start- und Endzeitpunkt sowie den ausgewiesenen Auszahlungsbetrag. Diese Abrechnungs-ID ist Ihr Ordnungsmerkmal für die gesamte Buchhaltung – notieren Sie sie in jedem Buchungssatz.

Inhaltlich ist der Report eine Zeilenliste. Jede Zeile beschreibt eine einzelne Transaktion mit Datum, Bestellnummer, Transaktionstyp, Betrag, Währung und einer Beschreibung. Erlöse stehen mit positivem Vorzeichen, Gebühren und Erstattungen negativ.

Der Report enthält nicht nur Verkäufe. Auch Werbekosten, Lagergebühren, Erstattungen an Kunden, Gutschriften von Amazon, Rückerstattungen für verlorene Ware, Abo-Gebühren für den Verkäufertarif und Verrechnungen aus dem europäischen Netzwerk laufen darüber.

💡 Ein häufiges Missverständnis: Der Auszahlungsbetrag am Ende ist keine Erfolgsgröße. Er ist ein Saldo aus sehr unterschiedlichen Vorgängen mit teilweise abweichender umsatzsteuerlicher Behandlung. Eine Deckungsbeitragsrechnung lässt sich daraus erst nach Aufschlüsselung ableiten.

Seit dem 25. März 2026 stellt Amazon den Bericht nur noch im Format Flat File V2 bereit. Die früheren XML-Berichte und das alte Standard-Flat-File wurden abgeschaltet. Wenn Ihre Buchhaltungsschnittstelle noch auf ein Altformat konfiguriert war, ist sie spätestens zu diesem Zeitpunkt ausgefallen – prüfen Sie das rückwirkend, falls Sie seither Lücken in Ihren Importen sehen.

Bei AMZ+ Consulting empfehlen wir, jeden Report unmittelbar nach Bereitstellung herunterzuladen und revisionssicher zu archivieren. Amazon hält die Berichte nicht unbegrenzt vor, und eine nachträgliche Rekonstruktion ist mühsam.

Abrechnungszeitraum und DD+7-Auszahlung 2026

Der klassische Abrechnungszeitraum umfasst 14 Tage. Nach Ablauf schließt Amazon den Bericht ab, stellt ihn bereit und überweist den Saldo. Auf diesen Grundrhythmus setzt seit 2026 eine zusätzliche Logik auf.

Amazon hat die Auszahlungsrichtlinie DD+7 ("Delivery Date plus 7") eingeführt: In Deutschland zum 5. März 2026, für die weiteren EU-Marktplätze zum 12. März 2026. Bis Anfang Mai 2026 wurden auch die letzten Bestandskonten auf diese Regel umgestellt (Stand: August 2026, Quellen: Händlerbund, wortfilter.de, QUANT Consulting).

DD+7 bedeutet: Guthaben aus einer Bestellung wird erst sieben Tage nach bestätigter Zustellung freigegeben. Bei Sendungen ohne Sendungsverfolgung zählen sieben Tage ab dem geschätzten Zustelldatum. In der Praxis vergehen dadurch häufig acht bis neun Tage nach Lieferung, bis der Betrag auszahlungsfähig ist.

⚠️ Die Regel ist laut Amazon die Standard-Reserverichtlinie für alle Verkäufer. Ein Opt-out ist nicht vorgesehen. Beträge, die den Freigabezeitpunkt noch nicht erreicht haben, erscheinen als Kontoreserve und sind im Report als nicht auszahlungsfähig gekennzeichnet.

Für Ihre Liquiditätsplanung heißt das: Der Abstand zwischen Bestelleingang und Geldeingang hat sich strukturell verlängert. Besonders spürbar ist das bei Eigenversand mit langer Laufzeit und in Phasen mit stark steigendem Absatz, weil dann überproportional viel Umsatz gleichzeitig in der Reserve liegt.

Wie Sie diesen Effekt planerisch abfangen, haben wir in unserem Beitrag zu Cashflow und Liquidität bei Amazon im Detail beschrieben.

Die wichtigsten Transaktionstypen im Detail

Der Flat-File-Bericht unterscheidet Vorgänge über das Feld für den Transaktionstyp. Wer diese Typen kennt, kann den Bericht in wenigen Minuten sinnvoll gliedern statt Zeile für Zeile zu lesen.

Order kennzeichnet Verkäufe. Zu jeder Bestellnummer finden Sie den Produktpreis, gegebenenfalls Versandkosten und Geschenkverpackung sowie die zugehörigen Amazon-Gebühren. Diese Zeilen bilden die Grundlage Ihrer Erlöskonten.

Refund kennzeichnet Erstattungen an Kunden. Wichtig ist hier, dass Amazon einen Teil der ursprünglich einbehaltenen Verkaufsgebühr zurückerstattet, aber häufig eine Bearbeitungsgebühr einbehält. Diese Differenz muss getrennt erfasst werden, sonst stimmt Ihr Gebührenkonto nicht.

ServiceFee sammelt Gebühren ohne direkten Bestellbezug. Dazu zählen die monatliche Verkäufergebühr, Lagergebühren, Gebühren für Langzeitlagerung, Entsorgungs- und Rücksendekosten sowie Kosten aus Amazon-Programmen.

Weitere Typen betreffen Anpassungen und Verrechnungen: Gutschriften aus Erstattungen für verlorene oder beschädigte Ware, Ausgleichsbuchungen, Gebühren für eingelöste Coupons und Übertragungen zwischen europäischen Marktplätzen. Die Detailtiefe des Gebührenteils erklären wir zusätzlich in unserem Beitrag zu den Amazon-Verkaufsprovisionen und Gebühren.

💰 Besonders fehleranfällig sind Werbekosten. Je nach Konfiguration werden sie entweder direkt vom Guthaben abgezogen und tauchen im Report auf, oder sie werden separat per Kreditkarte abgerechnet. Wer beides parallel laufen hat, bucht Werbekosten leicht doppelt.

Ein zweiter Klassiker sind Fremdwährungen. Verkäufe auf nicht-deutschen Marktplätzen erscheinen in Landeswährung, die Umrechnung erfolgt zum Amazon-Kurs. Die Kursdifferenz zwischen Umsatzbuchung und Zahlungseingang gehört auf ein eigenes Konto.

Abgleich mit Buchhaltung und DATEV

Der Grundgedanke jeder sauberen Amazon-Buchhaltung ist ein Verrechnungskonto. Sie buchen nicht die Auszahlung als Umsatz, sondern zerlegen den Report in Einzelpositionen gegen dieses Konto. Am Ende jedes Abrechnungszeitraums gleicht sich das Konto durch die Banküberweisung aus.

Vereinfacht sieht das so aus: Erlöse und Erstattungen laufen über das Verrechnungskonto, Gebühren und Werbekosten ebenfalls, und die Bankbuchung schließt den Saldo. Bleibt ein Rest stehen, haben Sie eine Position übersehen – meist eine Reserve oder eine Ausgleichsbuchung.

Genau hier liegt die häufigste Fehlerquelle. Weil DD+7 Beträge über den Abrechnungszeitraum hinausschiebt, stimmen Umsatzperiode und Zahlungsperiode nicht mehr überein. Der Umsatz gehört in die Periode der Leistungserbringung, die Reserve ist zum Stichtag eine Forderung gegen Amazon.

✅ Praktisch bedeutet das: Zum Monats- und Jahresabschluss müssen Sie den offenen Reservebetrag als Forderung ausweisen. Wer das unterlässt, verschiebt Umsatz zwischen Perioden und riskiert Beanstandungen bei einer Prüfung.

Für den Transfer nach DATEV setzen die meisten Händler auf spezialisierte Schnittstellen, die aus dem Flat File V2 GoBD-konforme Buchungssätze und Ersatzbelege erzeugen. Welche Anforderungen Ihr Steuerberater dabei üblicherweise stellt, haben wir in Marktplatz-Buchhaltung mit DATEV zusammengestellt.

Umsatzsteuerlich ist der Report allein nicht ausreichend. Er sagt nichts darüber, welche Lieferung in welchem Land steuerbar ist. Dafür brauchen Sie die Umsatzsteuertransaktionsberichte und – bei B2B-Verkäufen – die korrekte Rechnungsstellung, etwa über den Rechnungsservice. Die Zusammenhänge erklären wir in Amazon-Rechnungen und Umsatzsteuer.

In 5 Schritten den Report sauber abgleichen

  1. Bericht herunterladen und archivieren. Laden Sie nach jedem Abrechnungszeitraum das Flat File V2 herunter und legen Sie es unverändert in einer revisionssicheren Ablage ab. Benennen Sie die Datei nach Abrechnungs-ID und Zeitraum. Diese Rohdatei ist Ihr Beleg – bearbeiten Sie ausschließlich Kopien davon.

  2. Nach Transaktionstyp gruppieren. Bilden Sie Summen je Transaktionstyp und je Gebührenart. Damit erhalten Sie in wenigen Minuten ein Bild der Periode: wie viel Erlös, wie viel Erstattung, wie viel Gebühr, wie viel Werbung. Auffällige Abweichungen zum Vormonat prüfen Sie sofort und nicht erst im Jahresabschluss.

  3. Auszahlungsbetrag gegenrechnen. Bilden Sie die Summe aller Zeilen und vergleichen Sie sie mit dem ausgewiesenen Auszahlungsbetrag und mit dem tatsächlichen Bankeingang. Alle drei Werte müssen übereinstimmen. Eine Differenz weist fast immer auf eine Reserve, eine offene Verrechnung oder einen Importfehler hin.

  4. Reserve zum Stichtag erfassen. Ermitteln Sie den Betrag, der aufgrund von DD+7 noch nicht freigegeben war, und weisen Sie ihn als Forderung gegen Amazon aus. Dieser Schritt wird am häufigsten vergessen und ist gleichzeitig der, der bei Prüfungen zuerst auffällt.

  5. Buchungssätze übergeben und dokumentieren. Übertragen Sie die Positionen über Ihre Schnittstelle nach DATEV oder in Ihre Buchhaltungssoftware und dokumentieren Sie die verwendete Zuordnungslogik schriftlich. Ändert sich Ihr Kontenrahmen oder kommt ein neuer Gebührentyp hinzu, aktualisieren Sie diese Dokumentation sofort.

Rechenbeispiel: Wie viel Kapital DD+7 bindet

Rechenbeispiel: Angenommen, Sie erzielen 300.000 Euro Umsatz im Monat, also rund 10.000 Euro pro Tag. Vor DD+7 lag die durchschnittliche Zeit zwischen Bestellung und Auszahlung bei etwa zehn Tagen, was einem gebundenen Kapital von rund 100.000 Euro entspricht.

Nehmen wir weiter an, dass sich die Spanne durch DD+7 auf durchschnittlich 17 Tage verlängert. Dann liegen rechnerisch 170.000 Euro dauerhaft in der Pipeline statt 100.000 Euro. Die zusätzliche Kapitalbindung beträgt 70.000 Euro.

Finanzieren Sie diese Lücke über eine Kontokorrentlinie zu 9 Prozent Jahreszins, kostet das rechnerisch 6.300 Euro im Jahr. Wächst Ihr Umsatz um 30 Prozent, steigt die Lücke proportional mit – der Kapitalbedarf wächst also genau dann, wenn Sie ihn am wenigsten gebrauchen können.

⚠️ Alle Werte sind hypothetisch und dienen der Veranschaulichung. Die tatsächliche Kapitalbindung hängt von Versandart, Lieferzeit, Retourenquote und Ihrem konkreten Auszahlungsrhythmus ab. Rechnen Sie den Wert unbedingt mit Ihren eigenen Zahlen nach – die Größenordnung überrascht viele Händler.

Sie möchten Ihre Abrechnung sauber aufsetzen und die Liquiditätswirkung von DD+7 realistisch planen? Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir gemeinsam auf Ihre Reports und Ihre Zahlen.

Was Sie jetzt tun können

Prüfen Sie zuerst, ob Ihre Buchhaltungsschnittstelle das Format Flat File V2 verarbeitet. Wenn Sie seit dem Frühjahr 2026 Lücken oder Importfehler haben, liegt hier häufig die Ursache.

Führen Sie danach für den letzten abgeschlossenen Monat einen vollständigen Abgleich durch: Summe aller Zeilen gegen Auszahlungsbetrag gegen Bankeingang. Wenn diese Kette stimmt, ist Ihr Prozess grundsätzlich sauber.

Ermitteln Sie anschließend Ihre aktuelle Kontoreserve und tragen Sie den Wert in Ihre Liquiditätsplanung ein. Behandeln Sie ihn als dauerhaft gebundenes Kapital, nicht als kurzfristige Verzögerung.

Legen Sie zuletzt einen festen Turnus fest: Download und Abgleich nach jedem Abrechnungszeitraum, Reserveausweis zum Monatsende. Wenn Sie das auslagern möchten, unterstützt AMZ+ Consulting Sie beim Aufsetzen des Prozesses und bei der Abstimmung mit Ihrem Steuerberater.

FAQ

Wie lang ist der Amazon-Abrechnungszeitraum?

Der Standardzeitraum beträgt 14 Tage. Nach Ablauf wird der Bericht abgeschlossen und der Saldo überwiesen. Seit März 2026 wird zusätzlich pro Bestellung geprüft, ob die DD+7-Frist erreicht ist – nicht freigegebene Beträge bleiben als Reserve stehen.

Was genau bedeutet DD+7?

DD+7 steht für "Delivery Date plus 7". Guthaben aus einer Bestellung wird sieben Tage nach bestätigter Zustellung freigegeben, bei Sendungen ohne Tracking sieben Tage nach dem geschätzten Zustelldatum. In Deutschland gilt die Regel seit dem 5. März 2026, auf den übrigen EU-Marktplätzen seit dem 12. März 2026.

Kann ich mich von DD+7 befreien lassen?

Amazon bezeichnet DD+7 als Standard-Reserverichtlinie für alle Verkäufer, ein reguläres Opt-out ist nicht vorgesehen. Wirksam beeinflussen können Sie vor allem die Zustelldauer: schnelle, nachverfolgbare Versandwege verkürzen die Zeit bis zur Freigabe.

Warum weicht mein Bankeingang vom Report-Saldo ab?

Die häufigsten Ursachen sind noch nicht freigegebene Reserven, offene Verrechnungen aus dem europäischen Netzwerk, separat abgerechnete Werbekosten und Fremdwährungsdifferenzen. Prüfen Sie diese vier Punkte in dieser Reihenfolge, dann findet sich die Differenz meist schnell.

Reicht der Settlement-Report für die Umsatzsteuer?

Nein. Der Report zeigt Zahlungsströme, nicht die steuerliche Behandlung einzelner Lieferungen. Für die Umsatzsteuer brauchen Sie zusätzlich die Umsatzsteuertransaktionsberichte und eine korrekte Zuordnung von Lieferland und Warenbewegung.

Wie lange muss ich die Berichte aufbewahren?

Es handelt sich um steuerlich relevante Unterlagen, für die die handels- und steuerrechtlichen Aufbewahrungsfristen gelten. Speichern Sie die Originaldateien unverändert und maschinell auswertbar. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass Amazon alte Berichte dauerhaft bereithält.

Lohnt sich eine automatisierte Auswertung?

Ab wenigen hundert Bestellungen pro Monat wird die manuelle Auswertung unwirtschaftlich und fehleranfällig. Eine Automatisierung von Import, Gruppierung und Übergabe an die Buchhaltung amortisiert sich meist schnell. Unsere KI-Plattform MarketplAIce wertet Erlöse, Gebühren und Deckungsbeiträge kanalübergreifend aus und macht Abweichungen früh sichtbar.

Wenn Sie Ihre Amazon-Abrechnung strukturiert aufsetzen und die Liquiditätsfolgen von DD+7 in den Griff bekommen wollen, sprechen Sie uns an. Buchen Sie ein kostenloses Erstgespräch.

Über den Autor

Jorginho Engelmeyer ist Geschäftsführer der AMZ+ Consulting GmbH und seit über 8 Jahren auf Amazon, Otto und Kaufland für Händler aktiv.

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Zuletzt aktualisiert: 22.08.2026

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