Amazon Stückkosten 2026: Vollkostenrechnung je ASIN
So bauen Sie 2026 eine Vollkostenrechnung je ASIN: alle Gebühren, Retouren, Werbung und Kapitalbindung sauber auf die verkaufte Einheit heruntergerechnet.

Die kurze Antwort: Eine belastbare Stückkostenrechnung auf Amazon besteht 2026 aus sieben Blöcken: Landed Cost der Ware, Verkaufsprovision, FBA-Versandgebühr, Lagerkosten inklusive Saison- und Langzeitanteil, Retourenkosten, Werbekosten und Kapitalbindung. Wer nur Einkaufspreis, Provision und Versandgebühr rechnet, überschätzt seine Marge regelmäßig um mehrere Prozentpunkte. Die Verkaufsprovision liegt je nach Kategorie meist zwischen 7 und 15 Prozent, FBA-Versandgebühren beginnen bei rund 1,83 Euro, und die Lagergebühr beträgt 27,46 Euro je Kubikmeter außerhalb der Hochsaison sowie 39,60 Euro von Oktober bis Dezember (Stand: August 2026, Quelle: Amazon Gebührenübersicht Deutschland, Auswertung spacegoats). Rechnen Sie je ASIN, nicht je Sortiment.
Warum Deckungsbeitragsrechnung allein nicht mehr reicht
Die meisten Händler arbeiten mit einer Deckungsbeitragsrechnung. Verkaufspreis minus variable Kosten ergibt den Beitrag zur Deckung der Fixkosten — sauber und für Sortimentsentscheidungen sinnvoll.
Auf Amazon führt diese Sicht aber systematisch in die Irre, weil ein wachsender Teil der Kosten weder rein variabel noch rein fix ist.
Lagergebühren fallen pro Kubikmeter und Monat an, unabhängig davon, ob ein Artikel verkauft wird. Sie sind bestandsabhängig, nicht absatzabhängig. Wer sie nur als Gemeinkosten führt, sieht nie, welcher Artikel sein Lager blockiert.
Werbekosten verhalten sich ähnlich. Sie fallen pro Klick an, nicht pro Verkauf. Bei einer Conversion-Rate von 8 Prozent zahlen Sie zwölf Klicks für einen Verkauf, und alle zwölf gehören auf die Einheit gerechnet.
Retourenkosten sind statistisch, nicht individuell. Ein Artikel mit 22 Prozent Retourenquote hat andere Stückkosten als einer mit 4 Prozent, obwohl beide dieselbe Versandgebühr tragen.
Die Vollkostenrechnung je ASIN löst dieses Problem, indem sie alle Kostenarten auf die tatsächlich verkaufte Einheit herunterbricht. Sie beantwortet nicht die Frage „Was bleibt vom Preis übrig?", sondern „Verdiene ich an diesem Artikel Geld?".
Die Grundlagen zur Deckungsbeitragsmethodik finden Sie im Beitrag zum Deckungsbeitrag berechnen. Dieser Artikel geht einen Schritt weiter.
Bei AMZ+ Consulting sehen wir bei Neumandaten regelmäßig zwei bis vier ASINs im Top-20-Umsatz, die unter Vollkosten negativ sind. Sie fallen nie auf, weil das Sortiment insgesamt profitabel ist.
Die sieben Kostenblöcke im Detail
Block eins: Landed Cost. Nicht der Einkaufspreis, sondern der Einkaufspreis plus Fracht, Zoll, Einfuhrnebenkosten, Verpackung und Vorbereitungsarbeiten. Bei Importware liegt die Landed Cost oft 15 bis 25 Prozent über dem reinen Warenwert.
Block zwei: Verkaufsprovision. Sie liegt kategorieabhängig meist zwischen 7 und 15 Prozent des Gesamtpreises, in einzelnen Kategorien höher (Stand: August 2026, Quelle: Amazon Gebührenübersicht). Wichtig: Bemessungsgrundlage ist in der Regel der Gesamtpreis inklusive Versandanteil, nicht der Nettopreis.
Block drei: FBA-Versandgebühr. Sie beginnt bei rund 1,83 Euro für kleine Umschläge und reicht bis über 15 Euro für schwere Übergrößen. Seit April 2026 erhebt Amazon zusätzlich einen Aufschlag von 1,5 Prozent auf die FBA-Versandgebühren im deutschen Store (Stand: August 2026, Quelle: Amazon Gebührenankündigung, Auswertung metaprice).
Zwischen dem 15. Oktober 2026 und dem 14. Januar 2027 gelten erhöhte Versandgebühren für Pakete außerhalb der Kategorie Bekleidung. Ein Standardpaket bis 900 Gramm kostet dann 3,66 Euro statt 3,44 Euro.
Block vier: Lagerkosten. 27,46 Euro je Kubikmeter und Monat in der Nebensaison, 39,60 Euro von Oktober bis Dezember. Hinzu kommen Langzeitlagergebühren, sobald Ware die definierte Lagerdauer überschreitet.
Block fünf: Retourenkosten. Sie bestehen aus der Rückgabeverarbeitungsgebühr in betroffenen Kategorien, dem Wertverlust nicht wiederverkäuflicher Ware und dem internen Bearbeitungsaufwand. Rechnen Sie den Erwartungswert je verkaufter Einheit, also Retourenquote mal Kosten je Retoure.
Block sechs: Werbekosten. Der ehrlichste Ansatz ist TACoS, also Werbeausgaben im Verhältnis zum Gesamtumsatz des Artikels. Wie Sie diese Kennzahl steuern, zeigt der Beitrag zu TACoS.
Block sieben: Kapitalbindung. Zwischen Anzahlung beim Lieferanten und Auszahlung durch Amazon liegen bei Importware häufig vier Monate. Bei 8 Prozent kalkulatorischem Zins sind das rund 2,7 Prozent auf die Landed Cost — kein großer, aber ein realer Posten.
💡 Diese sieben Blöcke sind das Minimum. Wer zusätzlich Entsorgung, Abholaufträge und Bestandsräumung erfasst, kommt der Wahrheit noch näher.
So bauen Sie die Rechnung in 8 Schritten auf
Die Vollkostenrechnung ist keine Software-Frage, sondern eine Datenfrage. Mit einer Tabelle und den richtigen Berichten kommen Sie weit.
- Artikelstamm anlegen. Erstellen Sie eine Zeile je SKU mit ASIN, Verkaufspreis brutto, Umsatzsteuersatz, Kategorie und Maßen sowie Gewicht der Versandeinheit.
- Landed Cost ermitteln. Tragen Sie Einkaufspreis, anteilige Fracht, Zoll, Nebenkosten und Prep-Aufwand ein und bilden Sie daraus die Landed Cost je Stück.
- Gebühren aus dem Bericht ziehen. Nutzen Sie den Bericht zu geschätzten Gebühren sowie die Transaktionsübersicht, um Verkaufsprovision und FBA-Versandgebühr je ASIN mit echten Werten zu belegen statt zu schätzen.
- Lagerkosten umlegen. Berechnen Sie das Volumen je Einheit in Kubikmetern, multiplizieren Sie mit dem Monatssatz und teilen Sie durch die durchschnittliche monatliche Absatzmenge. So entsteht ein Lagerkostenanteil je verkaufter Einheit.
- Retourenerwartung einrechnen. Ziehen Sie die Retourenquote der letzten zwölf Monate je ASIN, bewerten Sie die Kosten je Retoure und multiplizieren Sie beides zu einem Erwartungswert.
- Werbekosten zuordnen. Ordnen Sie die Werbeausgaben je ASIN zu und teilen Sie sie durch die verkaufte Menge im selben Zeitraum. Nutzen Sie den gleichen Zeitraum wie bei den Retouren.
- Kapitalbindung ansetzen. Bestimmen Sie die durchschnittliche Bindungsdauer in Tagen und setzen Sie einen kalkulatorischen Zinssatz an, den Sie im gesamten Sortiment gleich verwenden.
- Ergebnis prüfen und sortieren. Bilden Sie Nettoerlös minus Summe aller Blöcke, sortieren Sie das Sortiment nach absolutem Ergebnisbeitrag und markieren Sie alle Artikel mit negativem Wert.
Der achte Schritt ist der eigentliche Zweck der Übung. Alles davor ist Datenarbeit.
Ein vollständiges Rechenbeispiel
Zahlen machen die Wirkung deutlicher als jede Erklärung.
Rechenbeispiel: Angenommen, ein Händler verkauft einen Küchenartikel für 29,99 Euro brutto. Bei 19 Prozent Umsatzsteuer bleiben 25,20 Euro netto.
Die Landed Cost liegt bei 6,80 Euro je Stück, also Einkaufspreis 5,40 Euro plus 1,10 Euro anteilige Fracht und Zoll plus 0,30 Euro Verpackung.
Die Verkaufsprovision beträgt bei 15 Prozent auf den Gesamtpreis 4,50 Euro. Die FBA-Versandgebühr liegt bei 3,44 Euro, mit dem Aufschlag von 1,5 Prozent bei rund 3,49 Euro.
Der Artikel misst 0,0035 Kubikmeter je Einheit. Bei einem Mischsatz von 30 Euro je Kubikmeter und Monat und einer Umschlagsdauer von zwei Monaten ergibt das 0,21 Euro Lagerkosten je verkaufter Einheit.
Die Retourenquote beträgt 9 Prozent, die Kosten je Retoure liegen bei 6,20 Euro. Der Erwartungswert ist damit 0,56 Euro je verkaufter Einheit.
Bei einem TACoS von 11 Prozent auf den Nettoumsatz fallen 2,77 Euro Werbekosten an. Die Kapitalbindung über 120 Tage bei 8 Prozent Zins ergibt 0,18 Euro.
Summe aller Kosten: 6,80 plus 4,50 plus 3,49 plus 0,21 plus 0,56 plus 2,77 plus 0,18 gleich 18,51 Euro. Der Ergebnisbeitrag beträgt 25,20 minus 18,51 gleich 6,69 Euro je Einheit, also 26,5 Prozent vom Nettoerlös.
Hätte der Händler nur Einkauf, Provision und Versandgebühr gerechnet, wäre er bei 25,20 minus 14,79 gleich 10,41 Euro gelandet, also 41,3 Prozent. Die Differenz von 14,8 Prozentpunkten ist keine Rundungsungenauigkeit, sondern der Unterschied zwischen einer Investitionsentscheidung und einem Fehler. Alle Werte sind hypothetisch und dienen nur der Veranschaulichung.
Wenn Sie diese Rechnung für Ihr Sortiment aufsetzen lassen wollen: Kostenloses Erstgespräch buchen.
Was die Gebührenänderungen 2026 für die Kalkulation bedeuten
2026 bewegt sich die Gebührenlandschaft in beide Richtungen. Das macht eine einmalige Kalkulation wertlos.
Auf der Entlastungsseite hat Amazon europäische Verkaufsprovisionen und FBA-Gebühren teilweise gesenkt. Im Durchschnitt wird eine Entlastung von rund 0,17 Euro je verkauftem Artikel genannt (Stand: August 2026, Quelle: Amazon Gebührenankündigung Europa, Auswertung metaprice).
Zusätzlich wurde Low-Price-FBA auf Produkte bis 20 Euro Verkaufspreis ausgeweitet, mit einer durchschnittlichen Ersparnis von etwa 0,40 bis 0,45 Euro je Einheit für berechtigte Artikel.
Auf der Belastungsseite stehen der Aufschlag von 1,5 Prozent auf FBA-Versandgebühren im deutschen Store seit April 2026 und die Peak-Zuschläge zwischen dem 15. Oktober 2026 und dem 14. Januar 2027.
Netto heißt das: Artikel im unteren Preissegment profitieren, schwere und großvolumige Artikel werden teurer. Die Einordnung im Detail finden Sie in den Beiträgen zu den FBA-Gebühren 2026 und zur Verkaufsprovision.
⚠️ Praktische Folge: Ihre Preisuntergrenze verschiebt sich zweimal im Jahr. Wer sie einmal festlegt und dann zwölf Monate stehen lässt, verkauft im vierten Quartal Artikel unter Vollkosten.
Für Händler, die Preise, Gebühren und Bestandsdaten laufend zusammenführen wollen, statt sie einmal im Quartal manuell abzugleichen, haben wir bei AMZ+ Consulting die KI-Plattform MarketplAIce entwickelt. Sie rechnet Stückkosten und Preisuntergrenzen je ASIN fortlaufend nach.
Der Haupthebel bleibt aber die Disziplin, nicht das Werkzeug. Eine Tabelle, die monatlich gepflegt wird, schlägt jedes Dashboard, das niemand ansieht.
Was Sie mit den Ergebnissen anfangen
Eine Vollkostenrechnung ist kein Selbstzweck. Sie liefert Entscheidungen in vier Bereichen.
Erstens Preis. Sobald Sie die Vollkosten kennen, kennen Sie Ihre echte Preisuntergrenze. Sie ist fast immer höher, als Händler vermuten. Wie Sie darauf eine Strategie aufbauen, zeigt der Beitrag zur Preisstrategie.
Zweitens Werbung. Artikel mit dünnem Ergebnisbeitrag vertragen keinen hohen TACoS. Die Vollkostenrechnung liefert die maximale Werbequote je ASIN, statt eine pauschale Zielvorgabe über alles zu legen.
Drittens Sortiment. Artikel, die unter Vollkosten dauerhaft negativ sind und keine strategische Funktion erfüllen, gehören ausgelistet oder neu verhandelt.
Viertens Bestand. Artikel mit hohem Lagerkostenanteil je Einheit sind Kandidaten für kleinere Anlieferungen und häufigere Nachbestellungen.
Was Sie jetzt tun können
Fangen Sie klein an. Zwanzig ASINs reichen, um das Verfahren zu testen und die ersten Überraschungen zu finden.
✅ Wählen Sie die zwanzig umsatzstärksten SKUs und legen Sie eine Tabelle mit den sieben Kostenblöcken an.
✅ Ersetzen Sie den Einkaufspreis konsequent durch die Landed Cost inklusive Fracht, Zoll und Verpackung.
✅ Ziehen Sie die tatsächlichen Gebühren aus der Transaktionsübersicht statt aus Schätzwerten.
✅ Legen Sie Lagerkosten und Retourenerwartung je verkaufter Einheit um, nicht als Sammelposten.
✅ Ordnen Sie Werbekosten je ASIN zu und berechnen Sie den Anteil je verkaufter Einheit.
✅ Markieren Sie alle Artikel mit einem Ergebnisbeitrag unter zehn Prozent vom Nettoerlös und entscheiden Sie je Artikel über Preis, Werbung oder Auslistung.
✅ Wiederholen Sie die Rechnung im September, bevor die Peak-Gebühren greifen, und im Januar nach Ablauf der Zuschläge.
Wer diesen Rhythmus einhält, hat zwei Kontrollpunkte im Jahr an genau den Stellen, an denen sich die Kostenstruktur ändert. AMZ+ Consulting begleitet diesen Aufbau auch als einmaliges Projekt mit Übergabe an Ihr Team.
FAQ: Häufige Fragen zur Stückkostenrechnung auf Amazon
Was gehört in die Landed Cost und was nicht?
In die Landed Cost gehören alle Kosten, die anfallen, bis die Ware verkaufsfertig im Lager liegt: Einkaufspreis, Fracht, Zoll, Einfuhrnebenkosten, Verpackung und Vorbereitungsarbeiten. Nicht hinein gehört die Einfuhrumsatzsteuer, wenn Sie vorsteuerabzugsberechtigt sind, weil sie wirtschaftlich neutral ist.
Wie rechne ich Lagerkosten je verkaufter Einheit um?
Bestimmen Sie das Volumen einer Versandeinheit in Kubikmetern und multiplizieren Sie es mit dem monatlichen Lagersatz. Teilen Sie das Ergebnis durch die durchschnittliche monatliche Absatzmenge und multiplizieren Sie mit der durchschnittlichen Lagerdauer in Monaten. So landet der bestandsabhängige Kostenblock auf der verkauften Einheit.
Soll ich mit ACoS oder TACoS kalkulieren?
Für die Stückkostenrechnung ist TACoS die ehrlichere Kennzahl, weil er die gesamten Werbeausgaben ins Verhältnis zum Gesamtumsatz eines Artikels setzt. ACoS betrachtet nur den werbegetriebenen Umsatz und blendet organische Verkäufe aus, die durch Werbung mit angestoßen wurden.
Wie oft muss ich die Kalkulation aktualisieren?
Mindestens zweimal jährlich, praktisch vor Beginn des vierten Quartals und nach Ablauf der Peak-Zuschläge im Januar. Zusätzlich immer dann, wenn sich Einkaufspreise, Frachtraten oder Amazon-Gebühren ändern. Eine Kalkulation, die älter als sechs Monate ist, sollte keine Preisentscheidung mehr tragen.
Lohnt sich Vollkostenrechnung auch für kleine Sortimente?
Gerade dort. Bei zehn oder zwanzig Artikeln entscheidet ein einzelner defizitärer Artikel spürbar über das Gesamtergebnis. Der Aufwand ist zudem gering, weil Sie die Daten für alle Artikel in wenigen Stunden zusammentragen können.
Wie berücksichtige ich Artikel mit stark schwankendem Absatz?
Arbeiten Sie mit einem gleitenden Zwölf-Monats-Durchschnitt für Absatz, Retourenquote und Werbekosten. Für saisonale Artikel rechnen Sie zusätzlich eine Saisonvariante, in der Lagerdauer und Peak-Gebühren realistisch angesetzt sind, weil sich sonst der Lagerkostenanteil systematisch verzerrt.
Was mache ich mit Artikeln, die unter Vollkosten negativ sind?
Prüfen Sie in dieser Reihenfolge: Preiserhöhung, Reduktion der Werbeausgaben, Verhandlung des Einkaufspreises, Wechsel der Versandart und erst danach Auslistung. Manche Artikel haben zusätzlich eine strategische Funktion als Einstiegsprodukt oder Sortimentsergänzung, die einen negativen Beitrag zeitweise rechtfertigen kann.
Über den Autor
Jorginho Engelmeyer ist Geschäftsführer der AMZ+ Consulting GmbH und seit über 8 Jahren auf Amazon, Otto und Kaufland für Händler aktiv. Sein Schwerpunkt liegt auf Marktplatz-Controlling, Preisstrategie und der Steuerung von Werbebudgets nach Ergebnisbeitrag.
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Zuletzt aktualisiert: 23. August 2026
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