Marktplatz-Expansion 2026: Nach UK & in die Schweiz verkaufen
Marktplatz-Expansion 2026: UK und Schweiz richtig erschließen — VAT, MwSt, Registrierungsschwellen und warum beide nicht im EU-OSS sind. In 6 Schritten expandieren.

Die kurze Antwort: UK und die Schweiz sind attraktive Expansionsmärkte — aber steuerlich Sonderfälle, weil beide nicht zum EU-One-Stop-Shop (OSS) gehören. Wer dorthin verkauft, braucht eine separate Betrachtung von Umsatzsteuer, Registrierung und Verzollung. Das gilt zusätzlich zu Ihren EU-Pflichten, nicht als Ersatz.
Konkret: In UK gilt eine Standard-VAT von 20 Prozent. Bei Verkäufen über einen Marktplatz an UK-Verbraucher zieht der Marktplatz bei Sendungen bis 135 Pfund die Umsatzsteuer ein. In der Schweiz liegt die Standard-MwSt 2026 bei 8,1 Prozent, die Registrierungsschwelle bei 100.000 Franken weltweitem Umsatz.
Inhaltsverzeichnis
- Warum UK und Schweiz Sonderfälle sind
- UK verstehen: VAT, Schwellen und Marktplatz-Regeln
- Schweiz verstehen: MwSt und Plattformregeln
- In 6 Schritten nach UK und in die Schweiz expandieren
- Multichannel-Steuerung über Ländergrenzen
- Rechenbeispiel: UK-Verkauf kalkulieren
- Was Sie jetzt tun können
- FAQ
Warum UK und Schweiz Sonderfälle sind
Innerhalb der EU vereinfacht der One-Stop-Shop (OSS) die Umsatzsteuer beim grenzüberschreitenden Verkauf an Verbraucher erheblich. Sie melden zentral, statt sich in jedem Land einzeln zu registrieren.
Genau dieser Mechanismus greift bei UK und der Schweiz nicht. Beide sind keine EU-Mitglieder — der OSS deckt sie nicht ab. Für diese Märkte gelten eigene Regeln zu Registrierung, Umsatzsteuer und Zoll.
Das ist die wichtigste Abgrenzung: Wer den innergemeinschaftlichen Handel über OSS beherrscht, darf nicht annehmen, dass dieselbe Logik für UK und die Schweiz gilt. Die Grundlagen zum EU-Fall lesen Sie im Beitrag Cross-Border verkaufen in Europa 2026 sowie zu OSS und DAC7 in Marktplatz-Steuern OSS & DAC7 2026.
UK verstehen: VAT, Schwellen und Marktplatz-Regeln
Die Standard-VAT im Vereinigten Königreich beträgt 20 Prozent. Wer an UK-Verbraucher verkauft, muss diese Steuer im Preis berücksichtigen.
Für Nicht-UK-Verkäufer, die über einen Marktplatz an UK-Verbraucher verkaufen, gilt eine wichtige Sonderregel: Bei Sendungen mit einem Warenwert bis 135 Pfund zieht der Marktplatz die Umsatzsteuer ein und führt sie ab. Oberhalb von 135 Pfund fällt Einfuhr-VAT an, die im Import-Prozess abgewickelt wird.
Beachten Sie die Registrierungsschwelle: Die UK-Schwelle von 90.000 Pfund gilt für in UK ansässige Unternehmen. Als Nicht-UK-Verkäufer greifen für Sie andere Registrierungspflichten — die Schwelle für Inländer ist nicht Ihr Maßstab.
⚠️ Achtung: Verwechseln Sie die 90.000-Pfund-Schwelle nicht mit Ihrer eigenen Situation. Als ausländischer Händler kann eine Registrierungspflicht unabhängig von dieser Schwelle bestehen. Klären Sie das vor dem ersten Verkauf mit einer Steuerberatung.
Schweiz verstehen: MwSt und Plattformregeln
In der Schweiz beträgt die Standard-Mehrwertsteuer 2026 8,1 Prozent, der reduzierte Satz liegt bei 2,6 Prozent. Diese Sätze müssen Sie in Ihrer Preiskalkulation für den Schweizer Markt abbilden.
Die Registrierungsschwelle liegt bei 100.000 Franken weltweitem Umsatz. Erreichen Sie diese Grenze, kann eine Registrierungspflicht in der Schweiz entstehen — auch als ausländischer Händler.
Zusätzlich hat sich die Plattformregelung geändert: Seit 2025 können Plattformen im Versandhandel unter bestimmten Voraussetzungen selbst steuerpflichtig werden. Das verschiebt Pflichten zwischen Marktplatz und Händler — prüfen Sie daher genau, wer im konkreten Fall die MwSt abführt.
Wichtig bleibt: Die Schweiz ist Drittland. Jede Sendung durchläuft die Verzollung, mit den entsprechenden Formalitäten und möglichen Kosten.
In 6 Schritten nach UK und in die Schweiz expandieren
So gehen Sie die Expansion strukturiert an:
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Zielmarkt priorisieren. Entscheiden Sie datenbasiert, ob UK, die Schweiz oder beide zuerst erschlossen werden — je nach Nachfrage und Sortiment.
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Steuerliche Pflichten klären. Lassen Sie vor dem ersten Verkauf Registrierungspflichten, VAT/MwSt und Marktplatz-Regeln durch eine Steuerberatung prüfen.
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Verzollung vorbereiten. Richten Sie den Import-Prozess ein, inklusive Zolltarifnummern und der Frage, wer als Importeur auftritt.
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Preise neu kalkulieren. Rechnen Sie Umsatzsteuer, Zoll und Versand in den Zielmarkt-Preis ein — die EU-Kalkulation lässt sich nicht eins zu eins übertragen.
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Listings lokalisieren. Passen Sie Sprache, Währung und Pflichtangaben an den jeweiligen Markt an.
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Kennzahlen überwachen. Verfolgen Sie Marge, Retouren und Nachfrage pro Markt getrennt, um die Expansion zu steuern.
Gehen Sie Markt für Markt vor, statt beide gleichzeitig zu überstürzen — so bleibt der Steuer- und Zollaufwand beherrschbar.
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Multichannel-Steuerung über Ländergrenzen
Sobald Sie über mehrere Länder und Marktplätze verkaufen, wächst die Komplexität schnell. Unterschiedliche Steuersätze, Währungen und Preisniveaus lassen sich manuell kaum sauber halten.
Hier hilft eine zentrale Steuerung. Preise, Bestände und Kennzahlen sollten an einer Stelle zusammenlaufen, damit Sie nicht in jedem Kanal einzeln nachpflegen müssen.
Für die kanalübergreifende Preis- und Bestandssteuerung setzen Händler auf KI-gestützte Lösungen wie MarketplAIce. Sie steuern Repricing und Bestände regelbasiert über mehrere Marktplätze hinweg — innerhalb der Leitplanken, die Sie definieren.
AMZ+ Consulting begleitet Händler dabei, diese Multichannel-Struktur so aufzusetzen, dass die Expansion nicht im operativen Chaos endet. Wie das Zusammenspiel der großen deutschen Kanäle funktioniert, zeigt der Beitrag Multichannel 2026: Amazon, Otto, Kaufland.
Rechenbeispiel: UK-Verkauf kalkulieren
Dieses Beispiel ist hypothetisch und dient nur zur Veranschaulichung. Es beruht nicht auf realen Kundenzahlen.
Angenommen, ein deutscher Händler verkauft über einen Marktplatz ein Produkt für 30 Pfund an einen UK-Verbraucher. Da der Warenwert unter 135 Pfund liegt, zieht der Marktplatz die UK-VAT von 20 Prozent ein und führt sie ab.
Von den 30 Pfund entfallen dann rechnerisch 5 Pfund auf die enthaltene VAT (20 Prozent des Nettoanteils), sodass netto rund 25 Pfund verbleiben. Von diesen 25 Pfund muss der Händler seine Einkaufs-, Versand- und Gebührenkosten decken.
Bei einer zweiten Sendung mit 200 Pfund Warenwert greift dagegen die Einfuhr-VAT, die im Import-Prozess anfällt. Die Kalkulation sieht hier anders aus — genau deshalb muss der Händler beide Schwellen-Szenarien getrennt durchrechnen.
Was Sie jetzt tun können
Klären Sie zuerst die steuerliche Seite — vor dem ersten Verkauf, nicht danach. UK und Schweiz sind nicht im OSS, deshalb brauchen Sie für beide eine eigene Betrachtung durch eine Steuerberatung.
Kalkulieren Sie anschließend Ihre Preise für jeden Zielmarkt neu. Umsatzsteuer, Zoll und Versand verändern die Marge spürbar — die EU-Kalkulation lässt sich nicht übertragen.
Bauen Sie parallel eine zentrale Steuerung für Preise und Bestände auf, damit die zusätzlichen Kanäle Sie nicht operativ überfordern. Wenn Sie die Expansion strukturiert und ohne Fehlstart angehen wollen, unterstützt Sie AMZ+ Consulting dabei.
FAQ
Sind UK und die Schweiz im EU-OSS enthalten?
Nein. Beide sind keine EU-Mitglieder und werden vom One-Stop-Shop nicht abgedeckt. Für sie gelten eigene Regeln zu Registrierung, Umsatzsteuer und Verzollung.
Wie hoch ist die VAT in UK 2026?
Die Standard-VAT beträgt 20 Prozent. Bei Marktplatz-Verkäufen an UK-Verbraucher zieht der Marktplatz bei Sendungen bis 135 Pfund die Umsatzsteuer ein; darüber fällt Einfuhr-VAT an.
Gilt die UK-Schwelle von 90.000 Pfund auch für mich?
Diese Schwelle gilt für in UK ansässige Unternehmen. Als Nicht-UK-Verkäufer greifen für Sie andere Registrierungspflichten — die Inländer-Schwelle ist nicht Ihr Maßstab.
Wie hoch ist die MwSt in der Schweiz 2026?
Der Standardsatz liegt bei 8,1 Prozent, der reduzierte Satz bei 2,6 Prozent. Die Registrierungsschwelle beträgt 100.000 Franken weltweiten Umsatz.
Was hat sich bei Schweizer Plattformen 2025 geändert?
Seit 2025 können Plattformen im Versandhandel unter bestimmten Voraussetzungen selbst steuerpflichtig werden. Dadurch kann sich verschieben, wer die MwSt abführt — Marktplatz oder Händler.
Muss ich in die Schweiz verzollen?
Ja. Die Schweiz ist Drittland, jede Sendung durchläuft die Verzollung. Planen Sie den Import-Prozess und mögliche Zollkosten von Anfang an ein.
Sollte ich UK und Schweiz gleichzeitig erschließen?
Meist ist es sinnvoller, Markt für Markt vorzugehen. So bleiben der Steuer- und Zollaufwand beherrschbar und Sie können aus dem ersten Markt lernen.
Über den Autor Jorginho Engelmeyer ist Geschäftsführer der AMZ+ Consulting GmbH und seit über 8 Jahren auf Amazon, Otto und Kaufland für Händler aktiv. → Kostenloses Erstgespräch buchen
Zuletzt aktualisiert: 12. Juli 2026
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