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Recht

Temu Werbeaussagen 2026: Garantien rechtssicher angeben

Temu Werbeaussagen 2026 rechtssicher formulieren: Garantieerklärung nach § 479 BGB, Rabattangaben nach § 11 PAngV und die häufigsten Abmahnfallen.

✍️ Jorginho Engelmeyer📅 27. August 202610 Min. Lesezeit
Temu Werbeaussagen 2026: Garantien rechtssicher angeben

Die kurze Antwort: Sobald Sie in Ihren Temu Werbeaussagen das Wort „Garantie" verwenden, lösen Sie Informationspflichten nach § 479 BGB aus — und zwar unabhängig davon, ob Sie die Garantie selbst geben oder auf eine Herstellergarantie verweisen.

Sie müssen dann eine vollständige Garantieerklärung bereitstellen: einfach und verständlich formuliert, mit Dauer, räumlichem Geltungsbereich, Bedingungen, Ihrem Namen und Ihrer Anschrift sowie dem ausdrücklichen Hinweis, dass die gesetzlichen Mängelrechte des Verbrauchers daneben bestehen bleiben und durch die Garantie nicht eingeschränkt werden.

Fehlt einer dieser Punkte, ist das nicht nur ein BGB-Verstoß, sondern über § 3a UWG regelmäßig auch ein Wettbewerbsverstoß — und damit abmahnfähig.

Dasselbe Prinzip gilt für Rabatt- und Preisaussagen. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung; lassen Sie Ihre konkreten Formulierungen anwaltlich prüfen.

Warum Temu Werbeaussagen ein überdurchschnittliches Abmahnrisiko tragen

Temu ist ein preis- und aktionsgetriebener Marktplatz. Genau die Werbemittel, die dort funktionieren — Streichpreise, Prozentangaben, Countdown-Aktionen, Zufriedenheitsversprechen — sind rechtlich die sensibelsten.

Das erzeugt eine unangenehme Kombination: hoher Anreiz zu starken Aussagen bei gleichzeitig hoher Kontrolldichte durch Mitbewerber und Verbände.

⚠️ Der erste Risikoblock ist die Garantie. Die Werbung mit einer Garantie ohne vollständige Garantieerklärung gehört seit Jahren zu den häufigsten Abmahngründen im Onlinehandel.

Dabei unterschätzen viele Händler, wie weit der Garantiebegriff reicht. Auch eine „Zufriedenheitsgarantie" oder eine „Geld-zurück-Garantie" ist eine Garantie im Sinne des Gesetzes und löst die Informationspflichten aus.

Der zweite Risikoblock betrifft Herstellergarantien. Der Europäische Gerichtshof hat am 5. Mai 2022 entschieden (Rechtssache C-179/21), dass ein Händler, der fremde Ware anbietet, über eine Herstellergarantie informieren muss, wenn er diese zu einem zentralen oder entscheidenden Merkmal seines Angebots macht (Stand: August 2026, Quelle: EuGH, Urteil vom 05.05.2022, C-179/21).

Eine pauschale Informationspflicht für jede irgendwo existierende Herstellergarantie hat der Gerichtshof abgelehnt. Entscheidend ist also, wie prominent Sie die Garantie in Ihren Temu Werbeaussagen platzieren.

Der dritte Risikoblock sind Preisermäßigungen. Nach § 11 Absatz 1 PAngV müssen Sie bei jeder Bekanntgabe einer Preisermäßigung den niedrigsten Gesamtpreis angeben, den Sie in den letzten 30 Tagen vor der Ermäßigung gegenüber Verbrauchern verlangt haben (Stand: August 2026, Quelle: § 11 PAngV).

Dieser Referenzpreis darf nicht in einer optisch untergeordneten Fußnote verschwinden, während der Blickfang einen deutlich höheren Rabatt suggeriert.

💡 Für Temu bedeutet das konkret: Ihre Aktionsplanung und Ihre Preisdokumentation müssen zusammenpassen. Wer Preise für eine Kampagne kurzfristig anhebt und danach „reduziert", verstößt gegen die Vorschrift.

Wie Sie Ihre Preislogik sauber aufsetzen, haben wir in der Temu Preisstrategie beschrieben.

Was eine belastbare Garantieerklärung enthalten muss

Die Mindestinhalte einer Garantieerklärung ergeben sich aus § 479 BGB. In der Praxis prüfen Abmahner sechs Punkte, und es reicht, wenn einer fehlt.

Erstens die einfache und verständliche Sprache. Eine Garantieerklärung, die nur aus juristischen Verweisen besteht, erfüllt die Anforderung nicht.

Zweitens der Hinweis auf die gesetzlichen Rechte des Verbrauchers und darauf, dass diese durch die Garantie nicht eingeschränkt werden. Dieser Punkt fehlt am häufigsten.

Drittens der Inhalt der Garantie: Was genau wird versprochen — Austausch, Reparatur, Kaufpreiserstattung?

Viertens alle wesentlichen Angaben zur Geltendmachung: Dauer der Garantie, räumlicher Geltungsbereich, Name und Anschrift des Garantiegebers.

Fünftens die Bedingungen und Ausschlüsse. Wenn die Garantie nur bei Registrierung, nur bei Vorlage des Kaufbelegs oder nur bei bestimmungsgemäßem Gebrauch gilt, muss das dort stehen — nicht nur im Kleingedruckten einer verlinkten Herstellerseite.

Sechstens die Erreichbarkeit der Erklärung im Angebot selbst. Ein Verweis auf eine externe Seite, die der Kunde erst suchen muss, ist riskant.

✅ Besonders wichtig: Einschränkungen dürfen nicht im Widerspruch zum Blickfang stehen. Wenn Sie groß „3 Jahre Garantie" schreiben und die Erklärung nennt zwölf Monate für Verschleißteile, ist das ein eigenständiger Irreführungsvorwurf nach § 5 UWG.

Der sicherste Weg für Temu Werbeaussagen ist deshalb ein zweistufiges Vorgehen. Entweder Sie werben gar nicht mit Garantie und bleiben bei der gesetzlichen Gewährleistung — dann entfallen die Informationspflichten. Oder Sie werben bewusst mit Garantie und hinterlegen die vollständige Erklärung direkt im Listing.

Der Zwischenweg — beiläufig „Garantie" im Bullet Point erwähnen, ohne Erklärung — ist der teuerste.

Denselben Maßstab sollten Sie an weitere Aussagen anlegen: „klimaneutral", „Testsieger", „meistverkauft", „Nr. 1". Jede dieser Aussagen braucht einen nachprüfbaren Beleg und meist eine Fundstellenangabe. Mehr dazu unter Temu Abmahnung und Wettbewerbsrecht.

Die fünf häufigsten Formulierungsfallen in Temu-Listings

Aus der täglichen Arbeit an Marktplatz-Listings sehen wir immer wieder dieselben fünf Muster. Sie sind leicht zu erkennen, sobald man weiß, wonach man sucht.

Falle 1: Garantie im Bullet Point, Erklärung nirgends. Der Klassiker. Ein Bullet Point wie „24 Monate Garantie" ohne hinterlegte Garantieerklärung erfüllt die Anforderungen aus § 479 BGB nicht.

Falle 2: Garantie mit gesetzlicher Gewährleistung verwechselt. Formulierungen wie „2 Jahre Garantie nach EU-Recht" beschreiben in Wahrheit die gesetzliche Mängelhaftung. Das ist keine Garantie, sondern eine Werbung mit einer Selbstverständlichkeit — und damit ein eigenes Irreführungsrisiko.

Falle 3: Prozentangabe ohne Referenzpreis. Ein „-40 %" im Bild ohne den niedrigsten Gesamtpreis der letzten 30 Tage im Text verstößt gegen § 11 PAngV, auch wenn der Rabatt tatsächlich gewährt wird.

Falle 4: Abgelaufene Auszeichnungen. Ein Testergebnis aus 2022, das noch immer im Titel steht, wird mit der Zeit zur irreführenden Angabe. Prüfen Sie Fundstelle, Jahr und Gültigkeit.

Falle 5: Umweltaussagen ohne Nachweis. Begriffe wie „klimaneutral" oder „nachhaltig" ohne konkrete, überprüfbare Grundlage stehen seit Jahren im Fokus von Verbänden und Gerichten.

⚠️ Alle fünf Fallen haben eines gemeinsam: Sie entstehen nicht durch böse Absicht, sondern durch fehlende Freigabe. Deshalb ist der Prozess wichtiger als die einzelne Korrektur.

In 7 Schritten: So machen Sie Ihre Temu Werbeaussagen rechtssicher

  1. Bestandsaufnahme aller Werbeaussagen erstellen. Exportieren Sie Titel, Bullet Points, Beschreibungen und Bildtexte Ihrer Temu-Listings und durchsuchen Sie sie systematisch nach Signalwörtern wie „Garantie", „garantiert", „Testsieger", „Nr. 1", „klimaneutral", „bis zu" und „Bestpreis". Diese Liste ist Ihre Arbeitsgrundlage.

  2. Jede Aussage einer Kategorie zuordnen. Trennen Sie in drei Gruppen: Aussagen mit gesetzlicher Informationspflicht (Garantie, Preisermäßigung), Aussagen mit Belegpflicht (Testergebnisse, Umweltaussagen, Marktführerschaft) und unkritische Produktbeschreibungen. Nur die ersten beiden Gruppen brauchen Arbeit.

  3. Garantieaussagen bewusst entscheiden. Legen Sie je Artikel fest, ob Sie mit Garantie werben wollen oder nicht. Wenn nein, streichen Sie das Wort konsequent aus allen Feldern, auch aus Bildtexten und A-plus-ähnlichen Zusatzinhalten. Wenn ja, gehen Sie zu Schritt 4.

  4. Vollständige Garantieerklärung erstellen und hinterlegen. Formulieren Sie je Garantietyp eine Erklärung mit Inhalt, Dauer, Geltungsbereich, Bedingungen, Garantiegeber mit Anschrift und dem Hinweis auf die unberührten gesetzlichen Rechte. Hinterlegen Sie diese Erklärung direkt im Angebot und nicht nur auf einer externen Seite.

  5. Rabattlogik an § 11 PAngV anpassen. Dokumentieren Sie für jeden Artikel den niedrigsten Verkaufspreis der letzten 30 Tage und leiten Sie Streichpreise ausschließlich daraus ab. Verzichten Sie auf Preiserhöhungen kurz vor Aktionen, weil genau dieses Muster der Vorschrift zugrunde liegt.

  6. Belege für alle Werbebehauptungen ablegen. Legen Sie für Testergebnisse, Zertifikate und Umweltaussagen eine Belegsammlung mit Quelle, Datum und Gültigkeitszeitraum an. Prüfen Sie mindestens halbjährlich, ob Zertifikate noch gültig sind, denn eine abgelaufene Auszeichnung wird zur irreführenden Aussage.

  7. Freigabeprozess für neue Listings festlegen. Definieren Sie schriftlich, wer im Unternehmen Werbeaussagen freigibt, bevor ein Listing live geht. Ohne diesen Schritt schleichen sich riskante Formulierungen über neue Artikel und Aktionstexte immer wieder neu ein.

Rechenbeispiel: Was eine Abmahnung wegen Garantiewerbung kostet

Rechenbeispiel: Angenommen, ein Händler bewirbt 60 Temu-Artikel mit dem Bullet Point „inklusive 2 Jahre Herstellergarantie", ohne eine Garantieerklärung nach § 479 BGB zu hinterlegen. Ein Mitbewerber mahnt ab.

Bei einem angenommenen Gegenstandswert von 15.000 Euro liegen die erstattungsfähigen Anwaltskosten der Gegenseite im niedrigen vierstelligen Bereich. Dazu kommen Ihre eigenen Anwaltskosten für die Prüfung und die Formulierung einer modifizierten Unterlassungserklärung, realistisch in ähnlicher Größenordnung.

Der eigentliche Kostenblock ist jedoch die Folgewirkung. Eine abgegebene Unterlassungserklärung ist in der Regel unbefristet und mit Vertragsstrafe bewehrt. Wenn ein Jahr später ein neues Listing aus Versehen dieselbe Formulierung enthält, wird die Vertragsstrafe fällig — je nach Vereinbarung typischerweise mehrere tausend Euro pro Verstoß.

Dazu kommt der Aufwand für die Korrektur. Angenommen, die Überarbeitung von 60 Listings kostet inklusive Freigabe und Kontrolle rund 15 Arbeitsstunden. Bei einem internen Stundensatz von 60 Euro sind das 900 Euro, die im laufenden Betrieb an anderer Stelle fehlen.

💰 Die Gegenrechnung ist unspektakulär: Eine sauber formulierte Garantieerklärung, einmal anwaltlich erstellt und in allen betroffenen Listings hinterlegt, verursacht einen einmaligen Aufwand im niedrigen dreistelligen bis niedrigen vierstelligen Bereich. Sie ist damit in fast jedem Szenario günstiger als der erste Abmahnfall.

Wichtig: Das ist ein Rechenbeispiel zur Einordnung der Größenordnung. Gegenstandswerte, Anwaltskosten und Vertragsstrafen hängen vom Einzelfall ab.

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Was Sie jetzt tun können

  • Exportieren Sie alle Temu-Listings und suchen Sie nach den Wörtern „Garantie" und „garantiert".
  • Entscheiden Sie je Artikelgruppe bewusst: mit Garantie werben oder das Wort komplett streichen.
  • Prüfen Sie, ob für jede beworbene Garantie eine vollständige Erklärung nach § 479 BGB im Angebot hinterlegt ist.
  • Kontrollieren Sie, ob Ihre Streichpreise tatsächlich den niedrigsten Preis der letzten 30 Tage abbilden.
  • Legen Sie eine Belegsammlung für Test-, Umwelt- und Marktführerschaftsaussagen an.
  • Bestimmen Sie eine verantwortliche Person für die Freigabe neuer Werbeaussagen.

Wenn Sie diese Punkte intern abarbeiten können, brauchen Sie dafür keine Agentur. Das sagen wir bei AMZ+ Consulting bewusst so, weil eine Listing-Bereinigung kein Dauerprojekt sein muss.

Wenn Ihr Team dafür keine Kapazität hat und das Sortiment schnell wächst, ist externe Unterstützung allerdings meist günstiger als der erste Abmahnfall. AMZ+ Consulting arbeitet dabei mit spezialisierten Kanzleien zusammen und übernimmt die operative Umsetzung in den Listings.

FAQ: Häufige Fragen zu Garantien und Werbeaussagen auf Temu

Muss ich über eine Herstellergarantie immer informieren?

Nein. Nach der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs vom 5. Mai 2022 (C-179/21) besteht die Informationspflicht dann, wenn die Herstellergarantie ein zentrales oder entscheidendes Merkmal Ihres Angebots ist. Eine allgemeine Pflicht, über jede existierende Herstellergarantie zu informieren, hat der Gerichtshof abgelehnt. Sobald Sie die Garantie jedoch selbst prominent bewerben, greifen die Pflichten.

Ist eine „Zufriedenheitsgarantie" auch eine Garantie im Rechtssinn?

Ja. Eine Zufriedenheits- oder Geld-zurück-Garantie ist eine Garantie und löst die Informationspflichten nach § 479 BGB aus. Viele Händler halten solche Formulierungen für unverbindliches Marketing — genau das ist der klassische Abmahnfall.

Das ist riskant. Die Garantieerklärung muss dem Verbraucher zur Verfügung gestellt werden und einfach und verständlich sein. Ein Link, der zu einer allgemeinen Herstellerseite ohne konkrete Bedingungen führt, erfüllt diese Anforderung in der Regel nicht.

Was passiert, wenn Blickfang und Garantiebedingungen auseinandergehen?

Dann droht zusätzlich ein Irreführungsvorwurf nach § 5 UWG. Wenn Sie „3 Jahre Garantie" prominent auszeichnen, die Bedingungen aber wesentliche Einschränkungen enthalten, müssen diese Einschränkungen dem Blickfang klar zugeordnet sein. Eine versteckte Fußnote genügt nicht.

Wie muss ich Rabatte auf Temu ausweisen?

Nach § 11 Absatz 1 PAngV müssen Sie bei jeder Bekanntgabe einer Preisermäßigung den niedrigsten Gesamtpreis der letzten 30 Tage vor der Ermäßigung angeben. Der Referenzpreis muss klar erkennbar und gut lesbar sein und darf nicht optisch untergeordnet werden.

Wer kann mich wegen fehlerhafter Temu Werbeaussagen abmahnen?

In Betracht kommen vor allem Mitbewerber sowie qualifizierte Wirtschafts- und Verbraucherverbände. Bei Verstößen gegen § 479 BGB kommt der Weg über § 3a UWG in Betracht, weil es sich um eine Marktverhaltensregel handelt. Praktisch bedeutet das: Der Aufwand für den Abmahner ist gering, das Risiko für Sie hoch.

Wie oft sollte ich meine Listings rechtlich überprüfen?

Sinnvoll ist eine vollständige Prüfung einmal jährlich sowie eine Freigabeprüfung bei jedem neuen Artikel und jeder neuen Aktion. Zertifikate und Testergebnisse sollten Sie zusätzlich halbjährlich auf Gültigkeit prüfen, weil eine abgelaufene Auszeichnung schnell zur irreführenden Aussage wird.

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Über den Autor Jorginho Engelmeyer ist Geschäftsführer der AMZ+ Consulting GmbH und seit über 8 Jahren auf Amazon, Otto und Kaufland für Händler aktiv. → Kostenloses Erstgespräch buchen

Zuletzt aktualisiert: 27. August 2026

Hinweis: Dieser Beitrag gibt den Stand August 2026 wieder und ersetzt keine Rechtsberatung. Lassen Sie Ihre konkreten Formulierungen von einer auf Wettbewerbsrecht spezialisierten Kanzlei prüfen.

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